Geld und Gastgeschenke Selbst bei Schreibheften sollte man aufpassen

"Gibt man zu viel, kann es das Gefüge kaputt machen", so Friedl, der 25 Jahre lang auch als Reiseleiter gearbeitet hat. Er habe einmal einen blinden Mann in Nordafrika unterstützt, indem er ihm Postkarten zum Verkauf an Touristen verschafft habe. Durch diese privilegierte Stellung habe der Mann aber die bisherige Unterstützung seiner Freunde im Dorf verloren: "Dir helfen ja jetzt die Ausländer", hieß es.

Bettelnden Kindern sollte man nie Geld geben, sagt Dietlind von Laßberg. "Sonst werden sie von den Eltern zum Betteln geschickt statt in die Schule." Und selbst mit Kugelschreibern oder Schreibheften sollte man sparsam umgehen. Laßberg ist Vorstand beim Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e. V., der die Reihe Sympathiemagazine herausgibt - eine gute Handreichung, um sich in die Gepflogenheiten in verschiedenen Ländern einzulesen. Auch die "Kulturschock"-Bände aus dem Reise-Know-How-Verlag eignen sich gut dafür.

Wer helfen will, rät Laßberg, sollte an karitative Organisationen spenden, die im Land arbeiten und am besten wissen, wer Hilfe am nötigsten braucht. Auch eine Patenschaft für ein Kind mit monatlichen Zahlungen für dessen Ausbildung sei sinnvoll. Zudem unterhalten manche Reiseveranstalter Stiftungen oder Projekte, die in armen Ländern helfen.

Ehrliches Interesse als Gegenleistung

Wer länger und individuell unterwegs ist, der wird manchmal von Einheimischen eingeladen. Das gehört für viele zu den schönsten Reiseerlebnissen, bringt einen aber auch manchmal in eine Zwickmühle: Selbst in den ärmsten Familien wird dabei das Beste und Teuerste aufgetischt. "Erwarten die nicht eine Gegenleistung dafür?", fragt man sich als steifer Europäer. Hier sollte man sich entspannen, rät Harald Friedl. In vielen armen Ländern sei die Gastfreundschaft viel stärker ausgeprägt und herzlicher als bei uns.

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Serie "Gute Reise"
Tourismus und Kulturschock

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Natürlich sollte man sich informieren, was als Gastgeschenk üblich ist, was die Leute brauchen können. Das können in ganz armen Ländern Lebensmittel sein, ein Sack Reis, Zucker oder auch Zigaretten, sagt Friedl. Manchmal wollten die Menschen aber auch nur Unterhaltung als Gegenleistung oder ehrliches Interesse. Fotos kämen immer gut an, vor allem von den eigenen Kindern, von verschneiten Landschaften und anderen ungewöhnlichen Dingen aus dem anderen Erdteil.

Elias Canetti gab übrigens Bettlern immer relativ große Münzen. Und nachdem er im Judenviertel von Marrakesch bei einer Familie eingeladen worden war, verlangte ein Sohn folgende Gegenleistung von ihm: Er solle doch bitte an den Kommandanten des amerikanischen Militärlagers einen Brief schreiben und um Arbeit für ihn ersuchen. Canettis Argumente, dass er weder Amerikaner sei noch den Kommandanten kenne, ließ der Sohn nicht gelten. Allein das Briefpapier des Hotels mit der Unterschrift eines Europäers könne Wunder wirken. Immer wieder kam der Mann ins Hotel, Canetti war genervt. "Ich verwünschte den Augenblick, in dem ich das Haus seiner Familie betreten hatte." Am Ende aber schreibt er ihm den Brief, wie gefordert, in dreifacher Ausfertigung.

Alle bisherigen Folgen der Serie gibt es unter sz.de/gutereise

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