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Senioren auf Reisen:Und tschüss

Side view beaming unshaven retire traveller giving ticket to booking office (YakobchukOlena)

Ältere Menschen sind oft sehr reisefreudig. Nach ihrer Impfung wollen viele wieder unterwegs sein, zumindest in Europa.

(Foto: Yakobchuk Olena/Imago)

Zeit ist da, Geld ebenso - und geimpft sind sie auch: Viele Seniorinnen und Senioren wollen wieder in Urlaub fahren. Doch es gibt etwas, das sie noch zurückhält.

Von Josephine Kanefend

Steigende Impfquote, sinkende Inzidenz - das lässt die Menschen in Deutschland auf ein wenig sommerliche Normalität hoffen. Und zu einem normalen Sommer gehört für viele ein Urlaub. Auch ältere Menschen werden wieder zuversichtlicher in ihrer Reiseplanung. 2020 wurde Seniorinnen und Senioren häufig von einer Reise abgeraten, weil sie zur Risikogruppe gehören - dieses Jahr sind sie eine der ersten Bevölkerungsgruppen, die vollständig geimpft sein werden.

Dass sich das auf die Reiselust auswirkt, merken auch die Reiseveranstalter: "Die steigenden Impfzahlen lassen wieder unbeschwerte Reise-Vorfreude aufkommen, und die allgemeine Stimmung bei den Themen Buchen und Planen ist gelöster", sagt Michael Knapp, Geschäftsführer von Gebeco, dessen Kundschaft vor allem aus Menschen über sechzig Jahren besteht. Zwar befänden sich die Buchungen nach wie vor auf niedrigem Niveau, jedoch sei eine erste Belebung der Nachfrage erkennbar.

Das spiegelt sich auch in einer Umfrage wider, die die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (FUR) Anfang Mai durchgeführt hat. Demnach planten zum Zeitpunkt der Befragung rund 64 Prozent der über Fünfzigjährigen in diesem Jahr eine Urlaubsreise. "Damit zeigen die Altersklassen über fünfzig Jahren einen ähnlichen Grad an Vorausplanung, wie wir das bei vergleichbaren Erhebungen vor der Corona-Krise beobachten konnten", erklärt Philipp Wagner von der FUR. "Ob diese Pläne auch realisiert werden, ist natürlich eine andere Frage und hängt aktuell stark von den Rahmenbedingungen ab."

Spontane Reisen im Spätsommer und Herbst

Dabei spielten vor allem zwei Komponenten eine Rolle, wie Frano Ilic, Pressesprecher des Münchner Reiseveranstalters Studiosus, sagt: Zum einen die Ein- und Ausreisebestimmungen des Ziellandes, zum anderen die Frage nach dem vollständigen Impfschutz. Das beobachtet auch Knapp von Gebeco: "Aktuelle Befragungen zeigen eindrücklich, dass unsere Zielgruppe bereit ist zu reisen. Ein Nachweis von Impfung, Genesung oder Vorlage von Tests limitiert das nicht. Was die Reiseplanung hemmt, sind jedoch Quarantäne-Vorschriften vor Ort oder bei der Rückkehr."

Die Planungsunsicherheit durch unvorhersehbare Länderbestimmungen führe jedoch nicht zu einer generellen Zurückhaltung beim Reisen, sondern vielmehr zu kurzfristigen Urlaubsentscheidungen, wie sowohl Knapp als auch Ilic beobachten. "Wir erwarten eher spontane Buchungen für Reisen außerhalb der Ferien, im Spätsommer und Herbst, auch mit langfristigen Buchungen für Abreisen erst im kommenden Jahr 2022, sofern die Reisebestimmungen dies zulassen", so Knapp. Das kann Wagner von der FUR bestätigen: "Das aktuelle Reiseverhalten in Zeiten von Corona unterscheidet sich vor allem dadurch, dass die Reisenden viel kurzfristiger planen und buchen und versuchen, das Beste aus der aktuell unsicheren Lage zu machen."

Reiseplanungen mit vollständigem Impfschutz

Außerdem seien durch die Pandemie vor allem Reisen innerhalb Deutschlands und ins nahe Ausland beliebter geworden, so Wagner. Knapp macht mit seiner Kundschaft ähnliche Erfahrungen: "Kurzfristig reisen unsere Gäste in Gebiete, die näher an Deutschland liegen und die sie vielleicht schon kennen. Das gibt ihnen das Gefühl von mehr Sicherheit." Griechenland, Portugal, Italien, das Baltikum, Frankreich, Spanien, Russland und Polen seien aktuell die begehrtesten Reiseländer.

Auch bei Studiosus konzentrieren sich die Buchungen bisher auf Europa - hier seien vor allem Deutschland, Österreich, die Schweiz, Island und Osteuropa beliebt, so Ilic. Fernreisen würden später folgen, sagt Knapp: "Viele Gäste warten einfach noch ab, bis ihr Traumreise-Land wieder sorgenfrei und ohne Restriktionen wie Quarantäne-Bedingungen möglich ist."

Einen wesentlichen Unterschied im Planungsverhalten zwischen jüngeren und älteren Menschen, der auf die Corona-Pandemie zurückzuführen wäre, sehen weder Wagner noch Ilic. "Wir stellen fest, dass die älteren Herrschaften ihre Reise genauso buchen wie die Jüngeren", betont Ilic. Auch Knapp ist optimistisch: "Eins steht fest: Unsere Gäste haben sowohl die Zeit als auch das Geld und die Lust zu reisen. Sie beginnen mit den Reiseplanungen, sobald sie kompletten Impfschutz haben. Dieser ist für unsere Zielgruppe in den kommenden Wochen erreichbar."

© SZ/mai
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