bedeckt München 27°

Sehenswürdigkeiten und Timing:Geduld bitte: Ausgeknipst, zugedeckt, verschlossen

London etwa knipst am Piccadilly Circus bis Ende 2017 die berühmte Leuchtreklame aus. Nach mehr als 100 Jahren der überdimensionalen Werbung wurde es Zeit für Erneuerungsarbeiten. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg, so betonte die BBC, gehen damit an dem Platz für längere Zeit die bunten Lichter aus.

An Indiens legendärem Taj Mahal wird seit geraumer Zeit gearbeitet. Unter anderem stehen gigantische "Schlammpackungen" auf dem Beauty-Programm, damit das riesige Mausoleum wieder besser zur Geltung kommt. Gerüste an den Minaretten waren zuletzt deutlich zu sehen. Nach mehreren Verzögerungen soll auch die große Kuppel ab Ende 2017 ein Gerüst bekommen. Schon im Vorfeld klagten indische Medien und Reiseveranstalter über die Unannehmlichkeiten für Touristen, die dann voraussichtlich ein Jahr lang keine attraktive Kulisse für ihre Selfies vorfinden werden.

The Taj Mahal is reflected in a puddle in Agra

Schon im August 2016 war das Taj Mahal nicht mehr ohne Gerüste zu sehen.

(Foto: REUTERS)

Bereits seit April verdeckt ein Gerüst zumindest teilweise eine der meistfotografierten Sehenswürdigkeiten von Prag: das Altstädter Rathaus. Die Arbeiten sollen bis September 2018, pünktlich zur 100-jährigen Unabhängigkeit der Tschechen, beendet werden. Als Trost für Besucher wird die berühmte Astronomische Uhr noch bis kommenden Januar sichtbar gehalten - dann muss auch sie für einige Monate zur Generalüberholung.

Auch in Deutschland werkeln Denkmalschützer bekanntlich unermüdlich, um Kulturschätze zu erhalten. Die Sanierungsarbeiten an der Münchner Theatinerkirche etwa dauern wohl noch bis zum Frühjahr 2019, schon jetzt schält sich aber die berühmte gelbe Fassade wieder aus ihren Verkleidungen. Ebenfalls mehrere Jahre dauert die Restaurierung der Venusgrotte bei Schloss Linderhof - diese bleibt voraussichtlich bis 2021 geschlossen. Sogar noch ein knappes Jahrzehnt lang werden Berlin-Besucher wohl oder übel an riesigen Baustellen beobachten können, wie die Museumsinsel nach einem "Masterplan" gestaltet wird. Nur eines von diversen Großprojekten, mit denen Reisende in jeder Metropole rechnen müssen.

Alles kein Grund, Reisepläne zu ändern - für manche sogar die Chance, sich von vermeintlichen Must-sees zu lösen und weniger bekannte Ecken zu erkunden. In jedem Fall sollten sich Touristen mit dem Lamentieren zurückhalten, denn was heute nicht restauriert wird, wird bald kein Hingucker mehr sein.

Tourismus Schauen Sie, hier gibt es nichts zu sehen
Sehenswürdigkeiten als Baustelle

Schauen Sie, hier gibt es nichts zu sehen

Wenn Sehenswürdigkeiten zu Baustellen werden, muss man das den Touristen möglichst schonend beibringen. Typologie des Baustellen-Sightseeings.   Von Irene Helmes

Und während es sich oft um normale Instandhaltung handelt, muss man manche Maßnahmen als schlichte Notwehr verstehen. Thailand etwa, das wurde Ende April bekannt, erwägt eine Schließung der berühmten Maya Bay auf Ko Phi Phi in einigen Monaten der Nebensaison, womöglich zwischen Juli und September. Zu sehr, so erkennen dort Verantwortliche, leidet die Natur spätestens seit dem Film "The Beach" unter dem Ansturm der Touristen, zu sehr trägt der Bootsverkehr zur Korallenbleiche bei.

Aber für jede Türe, die sich schließt, öffnet sich eine andere, heißt es doch. So stehen den Sperrungen auch viele (Wieder-) Eröffnungen gegenüber: