Lausitz:Saurer Badespaß im Tagebau-Seenland

Neben Uferabrutschungen stehen die Erschaffer der Tagebau-Seenlandschaft in der Lausitz vor einem neuen Problem: Der ph-Wert des Wassers stimmt nicht.

Die Mondlandschaft verwandelt sich langsam in ein Seen-Paradies. Stetig plätschert das Wasser aus Spree, Neiße und Schwarzer Elster in die Tagebaulöcher. Zwischen 150 und 190 Millionen Kubikmeter pro Jahr fließen in die neuen Seen. Bis 2015 soll Deutschlands größte künstliche Seenlandschaft entstehen: Eine Kette aus zehn großen Gewässern, verbunden durch 13 schiffbare Kanäle. Ein Eldorado für Kanuten, Hobbykapitäne und auch Wassernixen.

Allerdings macht sich die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Sorgen um die Sicherung der neuen Badestellen und weist auf so manche Gefahren hin. Und nach Angaben von Experten des Landesumweltamtes ist es noch gar nicht klar, ob alle entstehenden Tagebauseen überhaupt voll touristisch genutzt werden können. Denn durch aufsteigendes Grundwasser würden einige der Gewässer sauer.

"Bis heute haben wir keine perfekte und angesichts der Wassermassen bezahlbare Lösung, um das Wasser pH neutral zu machen", sagt Wolfgang Genehr, Abteilungsleiter Landesumweltamt, Regionalabteilung Süd. "Natürlich kann man auch in leicht saurem Wasser baden - aber ob das so schön ist?" Denn saures Wasser könne für raue und weiße Haut sorgen. "Gesundheitsgefährdend ist das nicht, aber unangenehm", meint Genehr.

Nach Angaben der für die Flutung zuständigen Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) wirkt man bereits durch Bekalkung, Verdünnung, Elektrolyse oder auch biochemische Verfahren der "Versauerung" entgegen. Sprecher Uwe Steinhuber betont zudem: "Ein niedriger pH-Wert sagt nur aus, dass es noch keine Wasserflora und -fauna im See gibt." Einem unbeschwerten Badevergnügen stehe dies nicht entgegen.

Die DLRG befürchtet jedoch, ein ganz anderes Problem: "Gerade in den ersten Jahren besteht die Gefahr unkalkulierbarer Begleiterscheinungen wie Bodenabsenkungen oder Uferabrutschungen", meint der Vizepräsident des Landesverbandes, Eike Gläser. Unvergessen sind die Bilder des Dramas von Nachterstedt, bei dem im Juli riesige Erdmassen in einen Tagebausee gerutscht waren und drei Menschen starben.

Nach Einschätzung Gläsers könnte es möglicherweise für Schwimmer riskant sein, sich in die Fluten der neu entstehenden Seen in der Lausitz zu stürzen. "Die fehlende Begrünung an den Ufern, die noch nicht stabilisierten Uferhänge sowie große Wassertiefen von bis zu 70 Metern könnten gefährlich werden." Deshalb gehöre die Organisation der Wasserrettung in Regierungshand. Schließlich seien drei Länder - neben Brandenburg auch Sachsen und Sachsen-Anhalt - betroffen.

"Wenn sich die DLRG an der Sicherung der neuen Badestellen an den Tagebauseen beteiligen können soll, müssen diverse Rahmenbedingungen geschaffen werden", betont Gläser. So seien Rettungsstationen vor Ort mit entsprechenden Ausrüstungsmaterialien und einer angemessene finanziellen Ausstattung nötig.

Nach Auskunft von LMBV-Sprecher Steinhuber sollen in der Lausitz voraussichtlich elf neue Badestrände entstehen, für die aber nicht alle eine Rettungswache notwendig sein werde. "Verantwortlich dafür werden aber nicht wir, sondern die künftigen Eigentümer oder jeweiligen Zweckverbände in Brandenburg und Sachsen sein."

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