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Landebahn am Frankfurter Flughafen eröffnet:Bloß keinen Streit

Während Lufthansa-Chef Christoph Franz sichtlich geladen ist, bleibt Kanzlerin Merkel gelassen und lobt die neue Landebahn des Frankfurter Flughafens. Das brisante Thema Nachtflugverbot überlässt sie anderen.

Marc Widmann, Frankfurt am Main

Bevor die Kanzlerin im hessischen Nebel auf der neuen Landebahn des Frankfurter Flughafens landet, kann man sie hören. Besonders gut geht das in Flörsheim: In 270 Meter Höhe überfliegt ihr Airbus am Nachmittag den kleinen Ort, wo sich Hunderte Anwohner zum Protest versammelt haben. Falls Angela Merkel in diesem Moment aus dem Fenster sieht, erspäht sie ein riesiges Plakat: "Fluglärm macht krank".

Aber die Kanzlerin will offenbar wohlgelaunt durch diesen Tag kommen. Munter entsteigt sie der schwarz-rot-golden bemalten Maschine und marschiert ohne Jacke durch die Kälte zum Zelt, das der Flughafen für die Feier aufgebaut hat. "Sie ist ein Gewinn für das ganze Land", lobt Angela Merkel die neue, vierte Bahn, "sie ist auch Ausdruck für die Zukunftsfähigkeit" der Republik.

Schließlich brauche ein Industrieland moderne Infrastruktur, schließlich werde anderswo in der Welt auch munter gebaut. Bei dieser Passage nickt der Flughafen-Chef in der ersten Reihe besonders stark und setzt ein wissendes Lächeln auf.

In China, in der arabischen Welt, da brauchen sie nicht 14 Jahre für eine neue Landebahn - solche Gedanken hegen die Gäste womöglich. Von draußen dringt derweil das Rufen und Pfeifen der Demonstranten durch die Zeltwände.

Das größte Reizthema ließ Merkel einfach aus an diesem Tag, der keinesfalls ungetrübt war. So lag es an Lufthansa-Chef Christoph Franz, in deutlichen Worten eine kleine Brandrede zu halten.

Vor wenigen Tagen verfügte das höchste hessische Verwaltungsgericht, dass mit dem vollen Betrieb der neuen Piste Ende des Monats keine Nachtflüge mehr zwischen 23 und 5 Uhr erlaubt sind. Das Urteil überraschte alle. "Das ist ein schwerer Schlag für die Lufthansa und den Logistikstandort Deutschland", sagt also ein sichtlich geladener Airline-Chef. "Die Fracht braucht die Nacht, damit wir uns gegen unsere Konkurrenten im Ausland behaupten können." Jetzt aber laute die Frage, wie Deutschland überhaupt noch vorne mitspielen könne.

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