bedeckt München 21°

Camping in Kroatien:Viele Plätze gehören großen Konzernen

Camping an der kroatischen Adria boomt: Die 785 Campingplätze des Landes brachten es im Jahr 2018 auf 19,3 Millionen Übernachtungen, das macht rund 21 Prozent aller Übernachtungen in Kroatien aus. 2013 waren es noch 16,6 Millionen Nächtigungen gewesen. "Unsere Campingplätze sind laut ADAC-Rating heute die zweitbesten Europas", betont Denis Babic vom kroatischen Campingverband CCU und fügt hinzu: "Trotz der hohen Qualität liegen sie preislich aber nur auf Rang sechs."

Ein Zelt steht in Kroatien unter Bäumen am Meer.

Naturverbundenes Campen ist heute in Kroatien nur mehr an wenigen Plätzen möglich.

(Foto: Mauritius Images / Lumi Images / Valamar)

Mit dem unkomplizierten und oft relativ spontanen Urlaub von früher, als so manch eingefleischter Camper erst auf der Autobahn oder im Grenzstau entschied, auf welche Insel die Reise in diesem Jahr überhaupt gehen soll, hat das Campen in Kroatiens Inselwelt und an der Küste heute meist nur noch wenig zu tun. Das merkt man schon bei der Urlaubsvorbereitung: Je nach Platz gilt es, zwischen Standard-, Comfort-, Premium- oder Superiorparzellen zu wählen, dazu kommen fertig aufgebaute Glamping-Zelte und Mobilhäuser.

Der stärkste Trend auf Kroatiens Campingplätzen ist der Ausbau der Topresorts mit geräumigen Parzellen, Spaß-Pools, Shoppingstraßen und einem vielfältigen Animationsangebot, sagt Denis Babic. Der Anteil von Vier- und Fünf-Sterne-Plätzen hat sich in den vergangenen fünf Jahren von 20 Prozent im Jahr 2013 auf mittlerweile 41 Prozent verdoppelt. Wer es naturnäher möchte, weicht auf einen Robinson-Platz aus, auch den einen oder anderen familienbetriebenen kleinen Campingplatz gibt es noch. Mehr als 60 Prozent der kroatischen Plätze gehören inzwischen jedoch großen Konzernen wie Jadranka oder Valamar, die auch Hotelketten und Apartmentresorts betreiben. Russische und österreichische Investoren sind längst in den florierenden Markt eingestiegen und sorgen für die laufende Weiterentwicklung.

Wo sind eigentlich die Kinder? Seit es am Platz Wlan gibt, sieht man sie nicht mehr

Diese macht nicht einmal vor der Brandungslinie Halt. Freilich haben die Kroaten schon vor Jahrzehnten die eine oder andere Betonplattform in ihre Steinküste gegossen, wenn der Fels allzu scharfkantig zerklüftet war. Heute führen vielerorts mit Naturstein behübschte, von Oleanderhecken gekrönte Betonmäuerchen vorbei an der Hundedusche bis zum poolartig betonierten Ufer. Die darunter begrabenen Felsklippen bescherten den Urlauberkindern bis vor Kurzem noch blutige Knie, aber auch die abenteuerlichsten Kletterpartien.

Aber Moment: Wo sind sie eigentlich alle hin, die Kinder, für die man immer ein paar Kuna eingesteckt haben musste, weil sie an allen Wegen des Campingplatzes Muscheln, Seeigelpanzer und bemalte Steine verkauften, um den Erlös danach am Eisstand zu verjubeln? Keine Sorge, sie sind noch da, oder vielmehr: Ihre Körper sind noch da, aber sie malen keine Steine mehr an, versuchen nicht mehr, einem ein altes Seeohr anzudrehen, sie lachen und schwatzen kaum noch und heulen nicht mehr über ihre zerschrammten Knie: Seit es flächendeckend Wlan gibt, ist es für die meisten von ihnen vorbei mit dem Urlaub im wirklichen Leben, die virtuelle Welt hält sie mit eisernem Griff in ihren Hängematten gefangen.

Der Erfolg scheint den Optimierern recht zu geben: Zu Saisonschluss sind die besten Parzellen für den nächsten Sommer längst wieder gebucht. Deutschland, Österreich, die Niederlande, Italien und Slowenien sind die wichtigsten Herkunftsländer der Kroatien-Urlauber, und offenbar entspricht das sich verändernde Angebot den Wünschen vieler Gäste. Dass es früher irgendwie romantischer war, ist da meist nur noch ein Achselzucken wert. Dafür weiß man jetzt, was man im nächsten Jahr haben wird. Sicherheit statt Freiheit lautet die Devise auch auf dem Campingplatz. Nun, vielleicht ist die Erinnerung an damals einfach nur zu schön, um wahr zu sein. Nur die Wespen kommen noch verlässlich wie eh und je zum Frühstück, sobald das erste Marmeladenglas aufgeschraubt ist.

Reiseinformationen

Camping: Im Camp Zdovica bei Valun ist die Zeit stehen geblieben: Ein uriger Campingplatz nur für Zelte und mit breitem Kiesstrand, camp-zdovica.com; Camp Slatina auf Cres: camp-slatina.com; Camp Skrila auf Krk: camping-adriatic.com; FKK-Camping Baldarin: camp-baldarin.com

Ausflugsziele: Lubenice, Bergdorf aus Steinhäusern mit enger Zufahrtsstraße und toller Aussicht. Die Badebucht weit unten erreicht man zu Fuß in etwa 45 min, einfacher mit Ausflugsboot ab Cres. Osor knapp vor der Brücke nach Lošinj ist die älteste Stadt der Insel, hübsches historisches Zentrum, im Sommer Konzerte in der Kathedrale: osorfestival.eu

Delfin-Bootstouren beim Forschungszentrum Blue World in Veli Lošinj: www.blue-world.org

Kroatien Die erstickte Stadt

Dubrovnik in Kroatien

Die erstickte Stadt

Dubrovnik ist wunderschön - und total überlaufen. Der Besucherandrang ist so groß, dass ein normales Leben für die Bewohner kaum noch möglich ist. Nun soll den Touristen Einhalt geboten werden.   Von Jochen Temsch