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Kriminalität in Paris:1,3 Millionen Euro Jahresbeute

Auch Bosnier sind unter den Tätern. In einem Prozess, der im Mai in erster Instanz zu Ende ging, waren der 60 Jahre alte Clan-Chef Fehim Hamidovic und 21 Komplizen angeklagt. Sie hatten Dutzende zehn bis zwölf Jahre alte Mädchen dazu gezwungen, Passagiere in der Metro zu bestehlen. Die Mädchen mussten sich dabei auf Strecken wie die Linie 1 konzentrieren, die besonders viel von Touristen benutzt werden. Wenn sie abends nicht genug heimbrachten, wurden sie geschlagen oder mit glühenden Zigaretten gepeinigt. Die Ermittler schätzten, der Clan habe allein im Jahr 2009 ungefähr 1,3 Millionen Euro erbeutet.

Eine junge Frau namens Vasvija F. schilderte im Prozess, wie sie einer Gruppe von Mädchen das Klauen beibrachte. Sie selbst sei nie zur Schule gegangen und habe ab ihrem 13. Lebensjahr gestohlen. "Wir kennen nur stehlen, essen, stehlen", sagte sie. "Das ist mein Leben." Hamidovic wurde schließlich zu sieben Jahre Gefängnis verurteilt. Seine Komplizen erhielten zwischen einem und fünf Jahren Haft. Die Staatsanwaltschaft hat Berufung eingelegt. Sie fordert eine schärfere Bestrafung.

Außer diesem Prozess lassen noch zahlreiche andere Ereignisse in diesem Jahr an der Sicherheit in Paris zweifeln. So wurde Ende März eine chinesische Reisegruppe vor einem Restaurant überfallen und um Geld und Pässe beraubt. Auch sonst konzentrieren sich osteuropäische Banden oder junge Ganoven aus der Pariser Banlieue gern auf Touristen aus Asien. Diese haben oft viel Bargeld bei sich, kennen sich in Paris nicht aus und stehen Angriffen hilflos gegenüber. Der chinesische Tourismusverband forderte Frankreich offiziell auf, chinesische Bürger besser zu schützen.

Spaziergänge durch Paris

Zwischen Afromarkt und Notre-Dame

Schutzlos fühlten sich auch die Wärter im Louvre. Das meistbesuchte Museum der Welt musste im April vorübergehend schließen, weil die Angestellten aus Protest gegen die ausufernde Kriminalität streikten. Wie in der Metro machten auch im Museum Banden von Minderjährigen Jagd auf Touristen. Während die Besucher in einer Traube von Menschen der Mona Lisa in die Augen staunten oder von einem Führer die Reize der Venus von Milo erklärt bekamen, war es für die kleinen Diebe ein Leichtes, Geldbeutel, Handys oder Schmuck zu erbeuten.

"Nichts hält sie auf"

Die Wärter klagten, wenn sie eingeschritten seien, hätten die Jugendlichen sie beschimpft, bedroht, bespuckt und gestoßen. "Sie werden immer gewalttätiger", sagte eine Aufseherin des Louvre. "Nichts hält sie auf."

Auch an anderen beliebten Orten, etwa im Eiffelturm, gab es Probleme. Ende Mai schlug schließlich die Luxusbranche an der Seine Alarm. Die Stadt des Lichts werde in Sachen Sicherheit zur "Hölle" für Touristen, kritisierte das Comité Colbert, in dem Marken wie Chanel und Hotels wie das George V zusammengeschlossen sind.