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Italien:Mittags halten die Wildschweine Siesta

Marta D'Amico und Claudio Ciucci sind ein ungleiches Paar, er introvertiert, sie ununterbrochen redend. Zusammen organisieren sie für einen Freizeitverein Wanderausflüge. Begeistert, ihnen alles zu zeigen, begleiten sie manchmal auch auswärtige Besucher. "Oft sind wir mit 70 bis 80 Einheimischen unterwegs, die dann erklären, dass sie die Inselecken, zu denen wir sie lotsen, noch nie gesehen haben", erzählt Marta, während Claudio das Schlauchboot aus dem Hafen hinauslenkt, an der Fähre vorbei, die La Maddalena mit Sardinien verbindet.

Er passiert die Inseln Spargi und Budelli und steuert auf Razzoli zu, die am weitesten nördlich gelegene Insel. Hier ist es einsam. Von der fjordartigen Cala Lunga vorbei an einem verwitterten Lagerhaus und zwei Grabstätten, von denen niemand mehr weiß, wessen Gebeine sie bedecken, geht es über eine befestigte Militärstraße, die allmählich von der Macchia verschlungen wird, zum Leuchtturm hinauf. Am Wegrand wächst Wacholder, der Wind pfeift um die scharfkantigen Felsen. Vom Leuchtturm aus ist die korsische Steilküste zu sehen. Die Wanderung dauert hinauf und retour zum Boot gerade mal eine Stunde. Allerdings war das erst der Auftakt.

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Claudio Ciucci manövriert das Schlauchboot nicht zurück in den Hafen von La Maddalena, sondern er quert vor der Hafeneinfahrt rechts hinüber zur wenige Hundert Meter entfernten Insel Santo Stefano. Weil es dort keinen Baum gibt, wird am Fuß eines Felsens gepicknickt. Für die Gäste baut Claudio aus Treibholz und seinem Bademantel ein schmales Schattendach. Er und Marta bleiben in der Sonne sitzen, eingecremt sind sie nicht.

Gegen 14 Uhr, wenn die Wildschweine, von denen es hier den Wühlspuren nach unzählige geben muss, unter einem Strauch Siesta halten, bricht die Gruppe zur Umrundung Santo Stefanos auf. Diese heiße Tageszeit muss sein, weil die Bootsfahrt nach Razzoli wegen des zu erwartenden starken Windes und hoher Wellen am Nachmittag nicht möglich wäre. Die hundert Höhenmeter hinauf zum Monte Zucchero sind aber auch bei der Hitze zu schaffen. Granit schimmert von Grau bis Braun, auf dem Meer rundherum spiegelt sich die Sonne, dass es blendet. Es geht vorbei an Stolleneingängen und Wachhütten, die mit runden Steinen auf den Flachdächern möglichst unsichtbar gemacht wurden: Während des Kalten Krieges, erzählt Claudio, hätten die Amerikaner im Berginneren Raketen versteckt. "Die Tunnel unter unseren Füßen sollen insgesamt 15 Kilometer lang sein."

Nach einem aufgelassenen Steinbruch, wo die Büste eines von Mussolini verehrten Helden des Ersten Weltkrieges liegen geblieben ist, endet die Wanderung an der Mole beim festgebundenen Schlauchboot. Marta und Claudio springen ins Meer, um sich abzukühlen. Sonnenverbrannt sehen sie jetzt ein wenig aus wie rot-weiß gestreifte Zebras. Was sie aber nicht hindern wird, wie der Rest des Inselvolkes beim abendlichen Flanieren durch die Hauptstadtgasse Bella Figura zu machen.

Reiseinformationen

Anreise: Flug nach Olbia, von dort mit dem Auto in einer Stunde nach Palau, wo im Sommer halbstündlich eine Fähre nach La Maddalena abgeht. Von Livorno bis Olbia mit der Autofähre in gut 6 Stunden.

Unterkunft: Z. B.: Hotel Villa del Parco, DZ mit Frühstück ab 68 Euro, www.villadelparco.com

Nationalpark: www.lamaddalenapark.it: Am besten im Hafen von La Maddalena ein Schlauchboot mieten, um zu den schönsten Buchten zu fahren.

Wanderrouten: www.parks.it, Exkursionen mit Wanderführerin Valentina Gilioli: 0039/347/18 486 89

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