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Indien: Falsche Pilotenlizenzen:Flug und Trug

Wer in Indien ein Flugzeug besteigt, kann nicht sicher sein, dass der Pilot wirklich Ahnung von seinem Job hat: Viele Flugkapitäne sollen sich ihre Lizenz erschlichen oder sogar erkauft haben.

Vor dem Start war alles noch wie immer. Die Flugbegleiterin hatte den Passagieren die Sicherheitsstandards an Bord erklärt, den Weg zu den Notausgängen gezeigt und die Anschnallgurte überprüft. Aber dann kam diese unerwartete Frage von einem jungen Reisenden: "Was machen wir, wenn der Pilot ein Schwindler ist?" Die indische Flugbegleiterin wusste nicht, was sie ihm erwidern sollte.

Sie hat ihr Erlebnis der Times of India erzählt und dabei eingeräumt, sie habe nur zusammenhanglose Sätze über das Auswahlverfahren für die Männer und Frauen, die im Cockpit sitzen, herausbekommen. Die Zeitung kommt zu einem vernichtenden Urteil: Noch nie habe die aufstrebende Luftfahrtindustrie des Landes eine solche "Vertrauenskrise" durchlebt.

Mehr als ein Dutzend Schwindler entlarvt

Nur bei etwa einem Drittel der 4500 Piloten des Landes sind nach Angaben des Blattes bislang die Fluglizenzen genauer überprüft worden: "Die Wahrscheinlichkeit besteht noch immer, dass Sie in einem Flugzeug saßen und mit einem Piloten geflogen sind, der dafür nicht qualifiziert ist", wandte sich die Zeitung in alarmierendem Ton direkt an die Leserschaft.

Die indische Presse neigt zwar manchmal zu Übertreibungen - aber Fakt ist: Mehr als ein Dutzend indischer Piloten sind in den vergangenen Monaten tatsächlich als Schwindler entlarvt worden - und ein Ende der Affäre ist noch nicht in Sicht. Die Ermittler gehen von weiteren Betrugsfällen aus, die sie aufdecken werden.

Die Vetrauenskrise der indischen Luftfahrt begann mit einer reichlich unorthodoxen Landung auf dem Flughafen des Ferienparadieses Goa. Eine Pilotin der Billig-Airline Indigo hatte dort im Januar eine Maschine mit dem vorderen und nicht, wie üblich, mit dem hinteren Teil zuerst aufgesetzt. Es folgten Ermittlungen, die deutlich machten: Die Frau hatte schon häufig Probleme mit der Fliegerei, aber ihre Fehler waren vertuscht worden. Sie besaß keine gültige Lizenz.

Das blieb kein Einzelfall: Einige Tage später fiel dasselbe Vergehen beim Piloten einer anderen Fluggesellschaft auf. So ging es weiter und weiter. Die Möchtegern-Piloten hatten mit der Zahl der Trainingsflugstunden oder auch mit ihren Testergebnissen getrickst. So ergaunerten oder erkauften sie sich ihre Lizenz. Die enttarnten Kapitäne und Ersten Offiziere haben inzwischen ihr Recht verloren, Maschinen zu fliegen. Mehrere Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft, ihnen drohen lange Gefängnisstrafen.

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