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Brandanschlag auf Deutsche Bahn:17.000 Minuten Verspätung bei 300 Zügen

Ein Brandsatz zerstört Signalkabel in Brandenburg und verlängert so die Bahnreise zwischen Berlin und Hamburg weiterhin beträchtlich. In einem Bekennerschreiben brüsten sich Linksextremisten mit der Tat. Auch am Berliner Hauptbahnhof waren sieben Brandsätze entdeckt worden. Nun wurde ein Mitarbeiter schon wieder fündig.

Durch den Brandanschlag am Montagmorgen westlich von Berlin und den versuchten Anschlag am Berliner Hauptbahnhof haben sich mehr als 300 Züge verspätet. Einige Züge fielen seit dem Anschlag komplett aus, andere verzögerten sich um weit mehr als eine Stunde.

Brandanschlag legt Zugverkehr lahm

Gleise ohne Zug: die ICE-Trasse zwischen Finkenkrug und Brieselang (M.), wo unbekannte Täter einen Brand gelegt haben.

(Foto: dapd)

Nun wurde in der Nähe des Berliner Hauptbahnhofes ein weiterer Brandsatz entdeckt. Der Fundort sei nur wenige hundert Meter von dem Tunnel entfernt, wo am Montag sieben Behälter mit brennbarer Flüssigkeit sichergestellt wurden. "Wir gehen von einem weiteren Brandsatz aus", sagte ein Polizeisprecher am Dienstag Nachmittag. Der Tunnel wurde laut Bahn gesperrt, Züge wurden umgeleitet.

Schon am Vormittag war an einer S-Bahnstrecke in Berlin offenbar ein weiterer Brandsatz gefunden worden. Ein Angestellter der Bahn habe zwei Flaschen mit einer brennbaren Flüssigkeit in Grünau im Südosten Berlins entdeckt, sagte ein Bahnsprecher.

Nach Angaben eines Bahnsprechers summierten sich die Verspätungen inzwischen auf 17.000 Minuten. Betroffen waren hauptsächlich Züge in Berlin und Brandenburg und die Strecke von Berlin nach Hamburg. Durch einen "Dominoeffekt" kamen auch Fern- und Regionalzüge Richtung Westen und Süden nicht pünktlich an. "Wir hoffen, dass sich die Verhältnisse bis zum heutigen Dienstag stabilisiert haben", erklärte der Bahnsprecher.

Kleinere Störungen im Betrieb werde es aber bis Mittwoch geben. Die Züge zwischen Hamburg und Berlin müssten umgeleitet werden und bräuchten eine Dreiviertelstunde länger.

Auf den Regionalbahnlinien RE4, RE6, RB10 und RB 14 sind zwischen Berlin-Spandau und Nauen/Hennigsdorf Busse statt Bahnen im Einsatz. Dadurch verlängern sich hier die Fahrzeiten um bis zu 40 Minuten. Aktuelle Informationen finden Kunden auf dieser Webseite der Deutschen Bahn.

Wer wegen des Brandanschlags auf die Bahnstrecke nordwestlich von Berlin zu spät an seinem Reiseziel ankommt, erhält keine Entschädigung. Die Deutsche Bahn sei nicht für die Verspätung verantwortlich, da der Anschlag durch Dritte verübt wurde, erklärt ein Sprecher des Unternehmens. Wäre zum Beispiel ein Fahrzeugschaden die Ursache der Verspätungen, stünde den Reisenden eine Entschädigung zu. Wie hoch diese ausfällt, hängt von der Verspätung ab: Ab 60 Minuten erhalten die Fahrgäste 25 Prozent, ab 120 Minuten die Hälfte des Ticketpreises zurück.

Durch den Brandanschlag in der Nacht zu Montag nahe dem brandenburgischen Ort Brieselang wurden in einem Schacht Signalkabel an einer Bahnstrecke 30 Kilometer westlich von Berlin zerstört. In einem Bekennerschreiben protestierte eine linksextreme Gruppe gegen den Bundeswehreinsatz in Afghanistan und fordert Freiheit für den inhaftierten US-Soldaten Bradley Manning, dem das US-Militär vorwirft, Interna an die Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben zu haben. Bisher gibt es trotz des Schreibens offenbar keine konkreten Hinweise auf die Täter.

Ebenso ergebnislos wird bislang nach den Tätern gefahndet, deren geplanter Brandanschlag am Montagvormittag am Berliner Hauptbahnhof vereitelt werden konnte. Die sieben Brandsätze wurden rechtzeitig entschärft, nachdem sie ein Mitarbeiter der Bahn 200 Meter vom Berliner Hauptbahnhof entfernt entdeckt hatte.

Das Landeskriminalamt Brandenburg hält das Bekennerschreiben nach einer vorläufigen Bewertung für authentisch. Ähnlich äußerte sich auch Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) in der RBB-Abendschau. Die antimilitaristische Gruppe mit dem Namen Hekla, benannt nach einem isländischen Vulkan, schreibt darin von "Sabotagehandlungen an mehreren Kabelschächten". Nach Angaben der Bundespolizei gibt es Parallelen zwischen beiden Anschlägen.

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Günter Krings, glaubt, bislang sei das Gewaltpotential von Linksaußen für zu harmlos gehalten worden. "Die Gefahr, die vom Linksextremismus ausgeht, ist hoch und wurde lange unterschätzt", sagte Krings der Mitteldeutschen Zeitung. Es sei offenbar eine Folge des Internetzeitalters, dass man es mit nur lose vernetzten Gruppen zu tun habe. Krings forderte "richtige Ermittlungsmethoden, um Anschläge rechtzeitig aufklären zu können, bevor sie Menschenleben kosten".

© dpa/dapd/odg/dpa_tmn/kaeb

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