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Erklärung im Internet:Autonome bekennen sich zu Anschlägen auf Bahn

Sie wollten die Hauptstadt in den "Pausenmodus" versetzen: Während in Berlin weitere Brandsätze auftauchen, übernimmt eine linke Gruppierung in einem Internetforum die Verantwortung für die Anschläge auf die Deutsche Bahn. Sie spricht von "Sabotage" und beschreibt ausführlich ihre Motive. Doch die Aktion stößt nicht nur bei Unionspolitikern auf Kritik - sondern auch bei Gesinnungsgenossen.

Die Verfasser des Bekennerschreibens scheinen ein Faible für isländische Vulkane zu haben: Nach dem Brandanschlag auf einen Kabelschacht der Deutschen Bahn in der Nacht auf Montag im brandenburgischen Havelland und dem vereitelten Anschlag auf den Berliner Hauptbahnhof ist im süddeutschen Ableger des linken Internetforums Indymedia eine "Presseerklärung" aufgetaucht. Darin bekennt sich eine Gruppe namens "Hekla-Empfangskomitee - Initiative für mehr gesellschaftliche Eruptionen" zu den Attacken. Der Name ist eine Anspielung auf den isländischen Vulkan Hekla, vor dessen Ausbruch Forscher erst vor wenigen Monaten warnten.

Brandsätze am Berliner Hauptbahnhof entdeckt

Ein Kameramann filmt die Bahngleise der Nord-Süd-Trasse in Berlin: Erneut hat ein Mitarbeiter der Bahn Brandsätze entdeckt.

(Foto: dpa)

Ähnlich wie die Vulkanausbrüche haben die gefährlichen Aktionen, zu denen sich die mutmaßlich linksextreme Gruppe bekannt hat, erhebliche Auswirkungen auf das öffentliche Leben in Berlin und Umgebung: Am Montagmorgen gegen 3:30 Uhr wurden auf der Strecke zwischen Hamburg und Berlin Brandsätze gezündet. Die Brandstifter hatten die Abdeckung der Kabelschächte links und rechts der Gleise entfernt und deponierten die Brandsätze mit einem Zeitzünder. Nach Angaben der Bahn hatte der Anschlag mehrere Signalanlagen zerstört, der Bahnverkehr war komplett unterbrochen worden. Noch immer ist der Verkehr auf der Strecke beeinträchtigt.

Am selben Tag konnte ein Bahn-Mitarbeiter einen Anschlag auf dem Berliner Hauptbahnhof verhindern. Bei Kontrollen an der nördlichen Tunnelausfahrt entdeckte er einen Brandsatz bestehend aus sieben Flaschen - nach Angaben der Bundespolizei baugleich zu jenen, die am Morgen gezündet worden waren. Wenige Meter von diesem Fundort entfernt wurde an diesem Dienstag nach Angaben der Polizei erneut ein Brandsatz entdeckt. Die Bahn sperrte den Tunnel und leitete die Züge um. Am Vormittag fand ein Angestellter der Bahn zudem zwei weitere Flaschen mit einer brennbaren Flüssigkeit in Grünau im Südosten Berlins. Ob die nun gefundenen Brandsätze in Zusammenhang mit den Vorfällen am Montag stehen, ist noch unklar. "Kriminaltechniker untersuchen jetzt die Gegenstände", teilte die Polizei mit.

In dem Bekennerschreiben auf Indymedia linksunten bringen die mutmaßlichen Attentäter eine Weltsicht zum Ausdruck, die irgendwo zwischen Anarchie und Utopie anzusiedeln sein dürfte. Die Verfasser, deren Überzeugungen dem Antimilitarismus zuzuordnen sind, bedienen sich der Alltagssprache, um für Verständnis für ihre Aktion zu werben. Der sonst szeneübliche, etwas schwurbelige Politsprech fehlt fast völlig. Ziel sei es gewesen, die Metropole Berlin in bescheidenem Umfang "in den Pausenmodus" zu versetzen. "Die Stadt hält den Atem an, verlangsamt ihr Tempo, vielleicht hält sie inne. Entschleunigung", schreibt die Gruppe. "Der Chef muss warten, ob er will oder nicht. Na und? Der Ministerialbeamte aus Bonn bleibt im ICE hängen. Gut so."

Aus Sicht der unbekannten Bekenner wäre zwar jeder Tag "der richtige Tag für eine Sabotage". Aktuell aber biete sich der zehnte Jahrestag des Afghanistan-Kriegs an. "Das nehmen wir zum Anlass zu bekräftigen, dass sich an den Verhältnissen gründlich etwas ändern muss. Die Gewohnheit, mit der hier jede Scheiße hingenommen oder durchgesetzt wird, muss durchbrochen werden", schreiben sie. Das Landeskriminalamt Brandenburg prüft derzeit noch, ob das Schreiben authentisch ist, sagte ein Sprecher zu sueddeutsche.de.

Die Bahn reagierte entsetzt auf die Anschläge. "Unsere Kunden sollen nach dem Bekennerschreiben für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr herhalten", erklärte der Leiter der Konzernsicherheit, Gerd Neubeck. Das sei unverantwortlich. Bei einem Streckennetz von 34.000 Kilometern Länge sei eine flächendeckende Überwachung schlicht unmöglich.

In der Politik löste der Anschlag bekannte Reflexe aus - insbesondere bei Unionspolitikern: Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kündigte in der Welt ein Vorgehen "mit aller Härte" gegen die Verantwortlichen an. Der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), verglich die Attacken mit dem Terror der Roten Armee Fraktion (RAF): "Auch der RAF-Terror begann in den siebziger Jahren mit Brandanschlägen. Später haben dann mehr als 30 Menschen ihr Leben verloren." Ähnlich äußerte sich Bernhard Witthaut, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. Er forderte mehr Personal für die Sicherheitsbehörden. Die Politik müsse die Warnungen des Verfassungsschutzes ernst nehmen. "Auch der RAF-Terror hat mit der verharmlosenden sogenannten Gewalt gegen Sachen begonnen. Später wurden Menschen ermordet."

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