Voller Neid und höchst werbewirksam blickt die Dame im alten Korbstuhl mit Lunchbox auf dem Schoß auf den komfortablen Sessel samt Tablett, Gurt und verstellbarer Fußstütze ihrer Nachbarin: 1957 präsentierte die Airline B.O.A.C. (British Overseas Airways Corporation, ein Vorläufer der British Airways) den "Slumberette"-Sitz, in dem man in der Ersten Klasse auch gemütlich träumen konnte, vielleicht vom Fliegen. Kostüm und Anzug trugen damals nicht nur die gebuchten Models, auch zahlende Passagiere zelebrierten das Ereignis der Reise in Sonntagskleidung. Allerdings hätte damals auch im Alltag niemand mit Jogginghosen das Haus verlassen, die meisten nicht einmal für das Training (obwohl die Jogginghosen genau dafür ebenfalls vor hundert Jahren erfunden wurden).

Das Fliegen war zwischen den Weltkriegen nur für gut betuchte Kundschaft erschwinglich: Allein das One-Way-Ticket von Berlin nach Paris kostete 100 Mark, wer über den Atlantik wollte, zahlte das Neunfache. Ein deutscher Arbeiter verdiente aber nur 200 Mark im Monat - die Zeit der Billigflieger und der erschwinglichen Fernreise für jedermann lag noch in sehr weiter Ferne. Erst in den 1960er-Jahren wurde das Fliegen zum Massenphänomen und löste nach und nach Bahn und Schiff auf der Langstrecke ab.

Heute sind die Materialien zwar leichter und die Economy-Plätze führen den Begriff "Beinfreiheit" ad absurdum - doch modernste Designentwürfe sind gar nicht so weit weg von der Vergangenheit: Dies zeigen die Sieger der Crystal Cabin Awards 2019, die für ihre Innovationen für die Flugzeugkabine in Hamburg ausgezeichnet wurden.

Bild: dpa 3. April 2019, 17:002019-04-03 17:00:42 © SZ.de/mit Material von dpa/edi