Multistop- statt Nonstop-Flug Hurra, ein Zwischenstopp!

Warum nur New York, wenn man auf einer Flugreise auch in Kopenhagen und auf Island zwischenlanden kann?

(Foto: Sam Trotman/Tom Juggins/Jeff Sheldon on Unsplash)

Singapore Airlines bieten nun täglich den längsten Nonstop-Flug der Welt. Wie langweilig. Nur Stopover-Reisen machen aus einem Urlaub mehrere.

Von Katja Schnitzler

Nun hebt in Singapur und New York ein Flugzeug zum längsten Langstreckenflug der Welt ab. Jeden Tag. 19 Stunden. Nonstop. Das heißt, ohne Pause. Ohne sich mal die Beine zumindest in einem Transitbereich vertreten zu können. Ohne Abstand vom Sitznachbarn zu nehmen. Ohne der doch sehr besonderen Luft- und Duftsituation an Bord zu entkommen. Dafür zahlen Passagiere von Singapore Airlines beinahe 2000 Euro, jedenfalls wenn die Anfangs-Lockangebote vorüber sind.

Ja, sind die denn wahnsinnig?

Wahrscheinlich nicht, sondern sie sind eben nüchterne Zeit-ist-gleich-Geld-Rechner, die sowieso nicht zum Sightseeing, sondern zum Geschäftemachen nach New York oder umgekehrt wollen. Oder die nicht reisen, um die Welt zu sehen, sondern um #taggen zu können: "Ich im längsten Flug der Welt! Ohne Holzklasse, nur Premium Economy #longestflightever."

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Doch dieses werbewirksame Rekordgeschrei, wer hat den längsten Flug und kann nonstop, ist eben nur für Geschäftemacher und -machende interessant. Für wahre Reisende führt das völlig am Ziel vorbei. Denn was gibt es Schöneres als einen günstigen Flug mit mindestens einem, ach, am besten mehreren Zwischenstopps?

Nicht diese kurzen, während dener man im besten Fall nur zwischen zwei Terminals spazieren geht und sich im schlechtesten Fall zu lange zwischen überteuerten Cafés und gar nicht so günstigen Duty-free-Shops langweilt, bevor es endlich weitergeht. Nein, es sollte schon ein vielstündiger Aufenthalt sein, bei dem man den Airport verlässt und die zugehörige Stadt besichtigt. Oder noch besser: ein Stopover, der länger als einen Tag bis hin zu Wochen dauern kann.

Wer schlau ist, löst sich von der A-nach-B-Logik

Denn wenn es schon eine Fernreise im Flugzeug sein muss, sollten leidenschaftlich Reisende auf dem Weg mitnehmen, was sich anbietet, manchmal aufdrängt: Wer etwa noch niemals in New York war, in Reykjavik aber auch nicht, jedoch beides sehen möchte, wäre schön blöd, diese Urlaube zu trennen: Zum einen würden zwei Flüge die Umwelt doppelt belasten. Und - zum anderen - das Konto ebenso.

Zum Glück gibt es Multistop-Flüge, die viele Airlines ohne Aufpreis anbieten. Falls sie doch etwas mehr kosten, lohnt der Vergleich: Die Stopover-Flüge könnten immer noch billiger sein als ein Direktflug zu annehmbaren Tageszeiten bei der Konkurrenz.

Man kann sich seine Wunschflüge auch einfach selbst zusammenstellen: Zum Beispiel mit der einen Airline von München nach Sevilla - und nach einer Woche in der spanischen Sonne geht es mit einem günstigen anderen Anbieter etwa für drei Tage weiter zur Städtereise nach Moskau, natürlich mit einem Multistopp-Flug zurück nach Deutschland, so dass für die Strecke Moskau-Zuhause wieder nichts extra bezahlt werden muss.

Wer schlau ist, löst sich also von der A-nach-B-Logik und sieht so mehr auf der Reise als nur die Kopfstütze des Vordersitzes. Ganz nebenbei bekommt er mehrere Urlaube in einem: Er sieht Geysire, badet in heißen Quellen und reitet auf Islandpferden zwischen Vulkanen und rauer See, bevor er durch den Central Park schlendert und statt an Felswänden nun an Wolkenkratzern emporblickt.

Eine ganze Stadt als Bonus

Mit guter Planung ist das nicht stressig, vielmehr erweitern die so gewonnenen unterschiedlichen Eindrücke und Erlebnisse den eigenen Horizont. Natürlich kann man auch das Sightseeing am Zwischenziel durchtakten, um möglichst viel herauszuholen, muss man aber nicht.

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Wer gar nicht planen will, lässt sich eben treiben - mindestens eines der angeflogenen Ziele ist ja sowieso ein persönlicher Bonus. Warum also nicht auf einer Parkbank verweilen und mit Einheimischen ins Gespräch kommen, statt sich von Abhakeritis stressen zu lassen? Bald wird man auf andere Mentalitäten treffen, die Unterschiede erkennen und vielleicht auch das, was verbindet.

Daher: Wenn zum Beispiel Icelandair bis zu sieben Tage Stopover auf der Heimatinsel anbietet, bevor es weiter nach New York geht - und auf dem Rückflug noch ein nicht gebuchter achtstündiger Zwischenstopp in Kopenhagen aufhält, der jeden Schnell-schnell-Urlauber zum Aufstöhnen bringt, jubelt der Genussreisende: Was man mit acht Stunden in Kopenhagen alles anfangen kann, der Airport ist mit der Metro nur eine Viertelstunde vom Zentrum entfernt.

Da wird das Warten auf den Weiterflug von vergeudeter zu geschenkter Lebenszeit. Und sehr viel länger als 19 Stunden dauert die Rückreise von New York nach München übrigens auch nicht, genauer gesagt: nur eine Stunde mehr. Dafür gibt es als Mehrwert eine ganze Stadt.

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