Langstreckenflüge Und fliegt und fliegt und fliegt

Nicht den Mond, aber jede Metropole der Erde sollen Flugzeuge künftig nonstop erreichen können.

(Foto: Valentin Flauraud/dpa)
  • Achtzehneinhalb Stunden dauert die neue Langstreckenverbindung von Singapur nach New York.
  • Das ist derzeit der längste Nonstop-Flug der Welt.
  • Doch Airlines lassen bereits Flugzeuge für noch längere Strecken entwickeln.
Von René Hofmann

Zwölf Spielfilme nacheinander, ohne lange Pause dazwischen: So viel kann sehen, wer die längste Flugverbindung bucht, die nun seit gut einer Woche offeriert wird: mit Singapore Airlines von Singapur nach New York. Die berechnete Flugzeit beträgt achtzehneinhalb Stunden, wenn der Jetstream günstig steht, geht es aber auch ein bisschen schneller.

Die Route ist nicht ganz neu. Von 2004 an hatte die Airline sie schon mal im Programm. Nach neun Jahren aber war dann wieder Schluss mit der Langfliegerei - weil sie sich mit dem damals eingesetzten Airbus A 340-500, den vier Triebwerke in der Luft hielten, nicht lukrativ betreiben ließ. Nun aber wurden die ersten Modelle der Ultralangstreckenversion des A 350 ausgeliefert, die nur zwei Triebwerke benötigt und in deren Tanks sich bis zu 165 000 Liter Treibstoff füllen lassen. Damit beginnt das Wettfliegen erneut.

Mehr als 18 Stunden in der Luft: Für viele mag das eine Horrorvorstellung sein. Aber das Reisen durch mehr als eine Nacht hat auch Fans. Zur Renaissance der Nonstop-Verbindung standen am Abfluggate am Changi Airport in Singapur etliche Sammler - Menschen, die es sich zum Hobby gemacht haben, möglichst viele Premiereneinsätze von Maschinen zu erleben. Auch auf diese besondere Art lassen sich Vielfliegermeilen sammeln.

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16 700 Kilometer: So weit können die speziellen Maschinen theoretisch kommen. Um das sicher bewältigen zu können, sind zwei komplette Cockpit-Crews an Bord. Damit sich der Aufwand lohnt, müssen viele teure Tickets verkauft werden. Aus diesem Grund gibt es keine normale Economy Class. "Premium Economy" heißt das Schlüsselwort, was gut 25 Zentimeter mehr Beinfreiheit bedeutet. Auf dem Premierenflug kostete diese ungefähr 1800 Euro. Für das Geld gab es dann aber auch das Versprechen, rund eine Stunde länger in der Luft zu sein als bei der vorherigen Rekordverbindung, dem 17-Stunden-und-20-Minuten-Trip mit Qatar Airways von Auckland nach Doha.

Um solche Flugzeiten einigermaßen erträglich zu gestalten, lassen sich Ingenieure einiges einfallen: LED-Leuchten, die wechselnde Lichtstimmungen zaubern, eine erhöhte Luftfeuchte an Bord und Kabinenwände, die nicht so stark gekrümmt sind, um dem Gefühl entgegenzuwirken, in einer Röhre eingesperrt zu sein. Dass jeder Passagier einen USB-Anschluss neben und einen Bildschirm mit tausend Stunden Unterhaltungsprogramm vor sich hat, gilt als Standard. Trotzdem bleibt das Angebot ein Wagnis.

Als die australische Airline Qantas im März begann, von London aus direkt nach Perth zu fliegen, war die Frage: Wie viele werden sich wirklich auf ein solches 17-Stunden-Abenteuer einlassen? Im August gab es eine erste Bilanz. Die Auslastung lag immerhin bei 75 Prozent. Das Dauerfliegen kommt offenbar an, weshalb es die Fluglinie ausbauen will. Sie hat ein Projekt gestartet, das "Sunrise" heißt - Sonnenaufgang. Boeing und Airbus wurden aufgefordert, Flugzeugmodelle zu entwickeln, die noch weiter kommen sollen. Ziel ist es, 21 Stunden in der Luft bleiben zu können. Dann ließen sich alle Metropolen der Welt mit direkten Flügen verbinden.

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