Städtereise-Serie "Bild einer Stadt" Wie tickt eigentlich ... Frankfurt?

Die Hauptwache mit der Katharinenkirche, dahinter die neuen Wahrzeichen Frankfurts.

(Foto: Fotolia, Illustration Jessy Asmus)

Wer bei Frankfurt am Main nur an Hochhäuser und Provinz denkt, der irrt. Wo es sich Menschen in einer Stadt gut gehen lassen, die eine "Freßgass" hat.

Von Susanne Höll

Eine Stadt zu bereisen, bedeutet nicht nur Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Sondern einen Blick in ihre Seele zu werfen - und dabei schöne Orte kennenzulernen, die auch Einheimische lieben. Wir haben unsere SZ-Korrespondenten in Deutschland gebeten, ihre Stadt anhand eines Fragebogens zu präsentieren. Diesmal erklärt Susanne Höll, wo Besucher sofort mit Frankfurtern in Kontakt kommen, wo ein Picknick am schönsten ist und auch noch bildet - und wann ein Abstecher nach Offenbach lohnt.

Was ist das Besondere an Frankfurt?

Dass es immer noch unterschätzt wird. Ödes Pflaster unter Hochhäusern? Frankfurt hat den Fluss für sich entdeckt, kaum etwas kann schöner sein als ein Sommertag am Mainufer mit Museumsbesuchen und einem Picknick am Ufer. Wer glaubt, Frankfurt sei provinziell, irrt gewaltig: Jeder dritte Einwohner stammt aus dem Ausland.

Und wie ticken die Frankfurter?

Wie Münchner, Kölner und Hamburger sind sie der festen Überzeugung, in der besten Stadt Deutschlands zu leben, halten es aber dankenswerterweise für unnötig, das immer und überall lauthals zu verkünden. Der Einheimische ist redselig und zu Besuchern gemeinhin freundlich. Kein Wunder, Frankfurt hat eine Tradition als Messestadt, verdiente schon immer gern und gut Geld mit Fremden.

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Wie kommt man am besten mit ihnen in Kontakt - und wo?

In der Kleinmarkthalle in der Innenstadt, wo man alles bekommt, was auf den Tisch oder in den Magen soll. Da muss man niemanden ansprechen, man wird angesprochen. Und natürlich am Friedberger Platz, dort versammelt sich in der warmen Jahreszeit die Jugend der Stadt. Manchmal wird es sehr laut. Dann kommt die Polizei.

Wohin gehen Einheimische ...

  • zum Frühstücken: Wer nicht so viel Zeit hat, frühstückt in der Kafferösterei Wacker. Am Wochenende ist oft die Kleinmarkthalle das Ziel, genauer der erste Stock. Dort gibt es einen Balkon und schon am späteren Samstagvormittag Weinseligkeit.
  • zum Mittagessen: Wer in der jetzt neuen Altstadt arbeitet oder dorthin spaziert, geht gern ins Restaurant Margarete. Oder in die Freßgass, die ihren Namen nicht umsonst trägt.
  • am Feierabend: Dieser beginnt vielleicht in der unter Kennern gut beleumdeten Oper. Und setzt sich womöglich in einer Apfelweinwirtschaft fort, wo es traditionell bodenständig zugeht, das Speisenangebot inzwischen aber weit über Grüne Soße und Handkäs' hinausreicht.
  • in der Nacht: Dann fährt man ab und zu gern über die Stadtgrenze nach Offenbach, in den auch international renommierten Techno-Club Robert Johnson.

Was finden die Menschen in Frankfurt gar nicht komisch?

Schnöselige, womöglich hektische Wichtigtuer, die Frankfurt ständig mit London vergleichen.

Und wofür werden sie den Urlauber lieben?

Wenn diese erzählen, dass sie bislang leider nur den Flughafen kannten.