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Feste Rückenlehnen bei britischer Airline:Nichts geht mehr

Sitze von Air New Zealand

Noch zu kippen: Die Skycouch-Sitze von Air New Zealand, auf denen sich Passagiere dafür über drei Plätze ausstrecken können - vorausgesetzt, sie haben für drei Sitze bezahlt.

(Foto: AP)

Kippen oder nicht kippen, so lautet die Streitfrage an Bord: Eine Airline hat sie für ihre Passagiere entschieden und zwingt diese in den aufrechten Sitz.

Von Katja Schnitzler

Wenn es um die Rückenlehne geht, ist die Meinung der Reisenden geteilt: Die einen wüten über rücksichtslose Vorderleute, die ohne Ankündigung die Sitzlehne nach hinten wuchten, was die Laune und manchmal gar das Knie ramponiert. Die anderen beharren auf ihrem Recht, es sich in der sardinenengen Economy Class so bequem wie möglich zu machen, statt sich aufrecht und schlaflos den Rückenschmerzen hinzugeben.

Das Problem: Beide fühlen sich im Recht und sind es auch.

Eine Lösung wäre es, die Abstände zwischen den Sitzreihen zu vergrößern. Doch da das vor allem eine Finanzierungsfrage ist, fällt diese Möglichkeit wohl in den Bereich der Utopie.

So sehnen sich einige Passagiere nach einem "Kipp-Licht", das entsprechend den Anschnallzeichen aufleuchtet, wenn die Lehne aufrecht bleiben muss - etwa beim Essen. Und das erlischt, wenn sowieso jeder an Bord geneigt ist, die Lehne abzusenken - etwa bei Nacht.

Nach einer Umfrage von Skyscanner neigen aber viele zur radikalen Lösung: 90 Pozent der Befragten wollen fixierte Lehnen, um dafür den Luftraum vor sich zu erhalten.

Nun hörte die britische Airline Monarch auf den dringenden Kundenwunsch: Ihre neuen Sitzschalen sind nicht nur leichter und haben schmalere Lehnen, diese bleiben noch dazu starr in Position. Die Sitze sparen dadurch Treibstoff und sollen für eine friedlichere Stimmung an Bord sorgen. Ob diese Rechnung aufgeht, ist allerdings fraglich, denn: Auch in Ryanair-Maschinen gibt es fixierte Rückenlehnen - dennoch hat der Billigflieger nicht den Ruf, dass die Kunden stets freundlich gestimmt ankommen.

Doch was wird aus den Passagieren dieser Fluglinien, die nach dem Abheben sowieso schon unter Kontrollverlust leiden? Denen schmerzhaft bewusst ist, dass sie zwar Boden unter den Füßen haben, dieser aber sehr weit entfernt ist? Und die verzweifeln ob des Wissens, dass sie keinen Einfluss auf das Flugvermögen des Piloten nehmen können? Das Einzige, was sie an Bord wirklich selbst bestimmen konnten: das Kippen der Rückenlehne. Nun wird ihnen das letzte bisschen Kontrolle genommen.

Zum Glück gibt es ja noch die Armstütze, werden sich Freunde der zwischenmenschlichen Konfrontation nun denken. Doch auch hier droht es, künftig einvernehmlich zu werden. Eine Firma aus Hongkong hat eine Doppel-Armlehne erfunden: Einer ruht seinen Arm oben aus, der andere unten. Fehlt nur noch, dass jemand Fächer baut, in die das gesamte Handgepäck passt.

© SZ.de/reek/rus

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