bedeckt München 30°

Coronarisiko durch Reisende:Tests für Urlauber: Corona im Gepäck?

Reiseverkehr am Flughafen Frankfurt während der Corona-Pandemie

Wer aus einem Risikogebiet heimkehrt, wird zum Coronatest verpflichtet. An den Flughäfen wurden dafür Teststationen eingerichtet.

(Foto: Andreas Arnold/dpa)

Welche Urlauber sich jetzt testen lassen müssen und warum man schon bei der Urlaubsplanung an die Heimkehr denken sollte. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Eva Dignös

Mit den Sommerferien steigt die Reiselust - und die Angst vor einer zweiten Coronawelle, eingeschleppt durch Reisende, die vor lauter Urlaubsfreude unvorsichtig werden. Deshalb wird in Deutschland ein Test nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet ab 8. August zur Pflicht, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ankündigte. Entweder wird das Testergebnis, das nicht älter als zwei Tage sein darf, bei der Einreise vorgewiesen oder der Rachenabstrich wird gleich nach der Ankunft vorgenommen. In Flug- und Seehäfen, in großen Bahnhöfen sowie in der Nähe von Autobahn-Grenzstationen sind in den vergangenen Tagen Testzentren eingerichtet worden. Spahn sprach von einem "zumutbaren Eingriff in die Freiheit des Einzelnen", der aus Verantwortung für andere geschehe.

Warum sollen Urlauber nach ihrer Rückkehr auf das Coronavirus getestet werden?

"Es darf kein zweites Ischgl geben": So wird oft argumentiert, wenn es um Coronatests für Urlaubsheimkehrer geht. In dem österreichischen Skiort, bekannt für viel Après-Ski-Trubel, hatten sich im Winter Skifahrer aus ganz Europa mit dem Virus infiziert und die Krankheit in ihre Heimatorte getragen. Auch jetzt wird an vielen beliebten Urlaubsorten schon wieder gefeiert, dicht an dicht und ohne Maske. Je mehr Menschen wieder unterwegs sind, umso mehr steigt das Risiko. Coronatests bei Urlaubern könnten verhindern, dass nach den Ferien die Zahlen erneut steigen, so die Idee. Deshalb sollen die Tests unmittelbar nach der Heimkehr nun Pflicht werden, allerdings nur für Menschen, die zuvor in Risikogebieten waren.

Aktuelles zum Coronavirus - zweimal täglich per Mail oder Push-Nachricht

Alle Meldungen zur aktuellen Lage in Deutschland und weltweit sowie die wichtigsten Nachrichten des Tages - zweimal täglich mit SZ Espresso. Unser Newsletter bringt Sie morgens und abends auf den neuesten Stand. Kostenlose Anmeldung: sz.de/espresso. In unserer Nachrichten-App (hier herunterladen) können Sie den Espresso oder Eilmeldungen auch als Push-Nachricht abonnieren.

Welche Länder gelten als Risikogebiet?

Zu einem Risikogebiet wird eine Region, wenn mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage registriert wurden. Das Robert-Koch-Institut sieht momentan eine hohe Ansteckungsgefahr in zahlreichen außereuropäischen Ländern. In Europa zählen derzeit unter anderem Serbien, Montenegro, Albanien, Luxemburg sowie einzelne Regionen in Spanien und Belgien zu den Risikogebieten. Die Liste wird laufend aktualisiert. Ein vermeintlich sicheres Urlaubsland kann binnen weniger Tage zum Risikogebiet werden, wenn die Zahlen steigen: So mancher deutsche Schwedenurlauber wurde davon in den Pfingstferien überrascht und musste nach der Heimkehr in die Quarantäne. Deshalb empfiehlt sich bei der Urlaubsplanung in diesem Jahr auch ein Blick auf die aktuellen Coronazahlen - und zwar nicht nur bei der Buchung, sondern auch noch mal kurz vor der Abreise.

Wie sollen die Tests ablaufen?

An den meisten Flughäfen, an großen Bahnhöfen und in der Nähe von Autobahn-Grenzübergängen wurden Testzentren eingerichtet. Einreisende aus Risikoländern müssen damit rechnen, dort nun direkt zum Rachenabstrich verpflichtet zu werden, wenn sie nicht schon ein negatives Ergebnis im Gepäck haben. Bei der Einreise auf dem Landweg ist die Nachverfolgung schwieriger, aber auch hier gilt die Testpflicht ebenso wie die Auflage, sich nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet beim Gesundheitsamt zu melden. Aussteigekarten für den Flug-, Schiffs-, Bus- und Bahnverkehr aus Risikogebieten sollen es künftig erleichtern, Reisende zu erfassen. Informationen über Testmöglichkeiten am Wohnort gibt es auch unter der Corona-Telefonhotline 116 117. Wer der Testpflicht nicht nachkommt, muss mit einem Bußgeld von bis zu 25 000 Euro rechnen. Für alle Reiserückkehrer, ganz gleich woher, sind die Tests kostenlos.

Der Test kann auch unmittelbar vor der Abreise im Urlaubsland gemacht werden, wenn er den Qualitätsstandards des Robert-Koch-Instituts entspricht. In der Türkei soll er sogar vor der Heimreise nach Deutschland zur Pflicht werden: Bei der Ausreise werde die Vorlage eines negativen Corona-Testnachweises verlangt, der nicht älter als 48 Stunden sein darf, erklärte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am 4. August im Zusammenhang mit der Aufhebung der Reisewarnung für vier türkische Provinzen. Bezahlen müssen für diese Tests die Reisenden selbst.

Gibt es auch weiterhin eine Quarantänepflicht?

Weiterhin gilt: Wer aus einer Risikoregion nach Deutschland heimkehrt, muss sich beim Gesundheitsamt melden und in Quarantäne, bis er ein aktuelles negatives Testergebnis vorweisen kann. Daran ändert auch die Testpflicht nichts. Ohne Test bleibt es beim bisher schon üblichen zweiwöchigen Zwangsaufenthalt in den eigenen vier Wänden. Mediziner geben überdies zu bedenken: Die gängigen PCR-Tests, für die ein Abstrich im Rachen genommen wird, sind nur eine Momentaufnahme. Möglicherweise ist noch kein Virus nachweisbar, weil die Infektion frisch ist. In Mecklenburg-Vorpommern darf die Quarantäne deshalb erst nach einem zweiten negativen Test beendet werden.

Was ist mit Reisenden aus Nicht-Risikoländern?

Auch sie können sich seit 1. August freiwillig testen lassen. Die Kosten werden übernommen, sofern der Test innerhalb von drei Tagen nach der Rückkehr erfolgt und der Auslandsaufenthalt belegt wird, etwa durch ein Flugticket oder eine Hotelrechnung.

© SZ.de/mit Material von dpa/ihe/jobr
"Kanada ganz nah" Teaserbilder

SZ Plus
Fernweh-Serie
:Kanada ganz nah

Zu schwimmenden Eisbergen, Bären und Wölfen und in die Metropole Vancouver: In Zeiten von Corona lässt sich das Fernweh mit dieser virtuellen Reise ein wenig stillen - und man ist vorbereitet, wenn es wieder losgeht.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite