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Bergreisen mit Handicap:Um jeden Preis auf den Gipfel

Paul Pritchard

Paul Pritchard klettert mit Hilfe eines Seils.

(Foto: Forest Woodward)

Diese vier Menschen steigen auf Berge, klettern auf Felsen und radeln über die Alpen - trotz Lähmung, Rollstuhl oder Beinprothesen.

Totem Pole

Paul Pritchard dachte nicht, dass er 50 wird. "Ich habe mein Bestes gegeben, es nicht zu schaffen." Der gebürtige Brite kletterte 1998 beispielsweise auf den Totem Pole, den Totempfahl, eine 65 Meter hohe Felsnadel an der tasmanischen Küste, als ihm ein Stein ein Loch in den Kopf schlug. Notaufnahme, Reha, halbseitige Lähmung, Depressionen. Heute ist er 50 und erzählt bei einem Spaziergang, gestützt auf zwei Stöcke, von den Dingen, die er demnächst tun will.

Er will im Dreck schlafen und auf Berge steigen, er will 2100 Kilometer vom niedrigsten zum höchsten Punkt Australiens radeln, mit einem Blinden per Spezialtandem. "Ich lenke, er soll strampeln." Manchmal erzählt er von Dingen, die er seit dem Unfall schon gemacht hat: in Arco geklettert, Workshops in Schulen gehalten, Bücher geschrieben. Und er kletterte 2016 für den Film "Doing it Scared" noch einmal am Totem Pole, wobei er selbst sagt: "Ich kletterte nicht am Totem Pole. Ich kletterte am Seil meines Partners." Er machte daran 126 Klimmzüge, mit einem Arm.

Chimborazo

Michael Teuber

Michael Teuber in den Alpen.

(Foto: oh)

Michael Teuber kann nicht ohne Schiene am Bein den Strand entlang laufen. Mit steifen Carbon- oder flexiblen Kunststoffhilfen allerdings geht vieles. Damit gewann er als Radprofi fünf Goldmedaillen bei den Paralympics; er stand bereits auf dem Pico del Teide, dem Kilimandscharo und dem Chimborazo, dem geschichtsträchtigen und mit 6267 Metern höchsten Berg Ecuadors.

Dem Leistungssportler Teuber ist auch beim Bergsteigen der Wettkampfgedanke wichtig: "Ich stehe schon ganz gerne oben. Da muss ich auch nicht mehr hinterfragen, ob es noch weitergeht." Viel weiter hinauf als am Chimborazo wird es für den seit einem Autounfall vor 30 Jahren inkomplett querschnittsgelähmten Bayer ("Unter dem Knie habe ich keine Funktion mehr, von Knie bis Hüfte etwa 60 Prozent") jedoch nicht gehen. Das liege an der Höhe, die ihn mehr beanspruche als Bergsteiger, die auf ihre beiden Füße vertrauen können, und an den technischen Schwierigkeiten: Beim Klettern ist ab dem zweiten Grad Schluss.