CDU im Bundestagspräsidium:Und plötzlich taucht ein neuer Name auf

Yvonne Magwas

Yvonne Magwas spricht auf der Plenarsitzung des Deutschen Bundestages in Berlin (Archivfoto).

(Foto: dpa)

Viele Funktionen von Rang hat die CDU nicht mehr zu vergeben. Umso attraktiver ist das Amt des Bundestagsvizepräsidenten. Wie es dazu kam, dass die Wahl auf Yvonne Magwas fiel.

Von Robert Roßmann, Berlin

Im Vatikan gibt es das schöne Sprichwort: "Wer als Papst ins Konklave geht, kommt als Kardinal wieder heraus." Wer vor der Wahl als Favorit genannt wird, kann am Ende gerade deshalb zu den Verlierern gehören. Ein bisschen war es jetzt auch in der Unionsfraktion so. Die CDU kann nicht mehr viele Funktionen von Rang vergeben. Umso attraktiver ist das Amt des Bundestagsvizepräsidenten, das die CDU besetzen darf. In den vergangenen Wochen waren dafür immer wieder vier mögliche Kandidaten genannt worden: Die Staatsministerinnen Annette Widmann-Mauz und Monika Grütters, Unionsfraktionsvize Hermann Gröhe sowie der Erste Parlamentarische Geschäftsführer, Michael Grosse-Brömer. Doch am Montagnachmittag tauchte dann auf einmal ein neuer Name in der Debatte auf: Yvonne Magwas.

Die 41-jährige Sächsin sitzt seit 2013 im Bundestag, seit 2018 ist sie Vorsitzende der Gruppe der Frauen in der Unionsfraktion. Im September 2019 wurde Magwas auch zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Frauen Union gewählt. In einer Partei, die westdeutsch dominiert ist, in der das Durchschnittsalter bei gut 60 Jahren und der Frauenanteil bei knapp 27 Prozent liegt, steht Magwas gleich in dreifacher Hinsicht für einen Neuanfang.

Am Montagnachmittag sprach sich die Spitze der Unionsfraktion für Magwas als Bundestagsvizepräsidentin aus. Sie sei "eine erfahrene Parlamentarierin", trotzdem noch relativ jung und habe ein Kind - sie stehe "mitten im Leben", sagte Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus. Außerdem habe sie ihren Wahlkreis direkt gewonnen - und das in Sachsen. Vater des Kindes von Magwas ist übrigens der CDU-Bundestagsabgeordnete Marco Wanderwitz.

Aber wie kam es dazu, dass die Wahl der Unionsfraktion jetzt auf Magwas fiel? Michael Grosse-Brömer und Hermann Gröhe galten als veritable Kandidaten. Grosse-Brömer ist schon seit fast zehn Jahren Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion. Er kennt die Abläufe im Parlament und im Ältestenrat wie wenig andere. Der 61-Jährige hat sich zwar nie sonderlich für einzelne Themen engagiert. Aber mit seiner Gelassenheit und seinem durchaus selbstironischen Humor hätte er die Bundestagssitzungen sicher nicht schlecht geleitet.

Gröhe war CDU-Generalsekretär und Bundesgesundheitsminister. 2014 hatte er bei der Wahl des CDU-Präsidiums, des wichtigsten Organs der Partei, darauf verzichtet, im zweiten Wahlgang anzutreten, um die Wahl einer Frau mit Migrationshintergrund zu ermöglichen. "Ich habe mich als Generalsekretär immer dafür eingesetzt, dass wir in unseren Gremien die Partei in ihrer ganzen Vielfalt abbilden", sagte Gröhe damals. Anfang 2018 musste er das Gesundheitsministerium abgeben, weil der parteiinterne Druck auf Angela Merkel, Jens Spahn in die Regierung zu holen, zu groß geworden war. Gröhe wäre gerne Minister geblieben, nahm die Entscheidung für Spahn aber mit Würde. In der CDU ist derlei nicht selbstverständlich. Deshalb ist der 60-Jährige in der Partei beliebt. Auch diesmal drängelte er sich nicht vor. Dabei hätte Gröhe mit seiner Erfahrung die Rolle eines Bundestagsvizepräsidenten gut ausfüllen können.

Nur Männer in Spitzenpositionen ist selbst in der CDU nicht mehr vermittelbar

Doch in einer Partei, in der derzeit nur Männer um den Vorsitz ringen, und in einer Fraktion die von einem Mann geführt wird, hatten Grosse-Brömer und Gröhe ein Problem. Wenn einer von ihnen Bundestagsvizepräsident geworden wäre, wären alle attraktiven Positionen in der Hand von Männern. Und das ist nicht einmal mehr in der CDU vermittelbar. Gröhe stammt zudem - wie alle bisherigen Interessenten für den CDU-Vorsitz - aus Nordrhein-Westfalen.

Widmann-Mauz, 55, und Grütters, 59, hätten also sehr gute Chancen gehabt. Die beiden sind ebenfalls sehr erfahren. Widmann-Mauz sitzt seit 1998 im Bundestag, Grütters seit 2005. Beide sind Staatsministerinnen bei der Bundeskanzlerin, beide sitzen im CDU-Präsidium - und keine von beiden kommt aus Nordrhein-Westfalen. Doch die beiden haben sich in den vergangenen Tagen gegenseitig blockiert. Widmann-Mauz setzte auf ihren Rückhalt in der Frauen Union - sie ist deren Bundesvorsitzende. Grütters glaubte, in der Unionsfraktion die größere Unterstützung zu haben. Keine wollte für die jeweils andere zurückziehen. Das war die Chance für Yvonne Magwas.

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