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Jagd auf Wölfe:Bundesregierung will Abschuss von Wölfen erleichtern

Abschuss nach Wolfsrissen soll erleichtert werden

Vor den Europa- und Landtagswahlen nehmen die Parteien den Wolf ins Visier.

(Foto: dpa)
  • Wölfe dürfen künftig auch abgeschossen werden, wenn nicht klar ist, welcher Wolf zugebissen hat.
  • Präventive Abschüsse bleiben weiterhin verboten.
  • Das Kabinett wird den Entwurf voraussichtlich am Mittwoch verabschieden.
  • Damit will die große Koalition will der AfD Wahlkampfmunition nehmen.

Was Naturschützer freut, löst bei Schäfern, Bauern und anderen Tierhalten derzeit einige Sorgen aus: Der fast schon ausgerottete Wolf, der in Europa unter Schutz steht, hat sich in den vergangenen Jahren vermehrt. Auf 400 Tiere schätzen Behörden den Bestand in Deutschland. Und so häufen sich inzwischen auch die Meldungen über gerissene Schafe auf Feldern, selbst wenn die Tiere hinter Zäunen weiden. Seit Monaten diskutiert die Bundesregierung deshalb die Frage: Schützen oder Schießen?

An diesem Mittwoch will die große Koalition nach monatelangem heftigen Streit eine Antwort geben. Regierungskreisen zufolge haben sich Union und SPD darauf geeinigt, den Abschuss von Wölfen per Gesetz zu erleichtern - etwas zumindest. Bereits am Mittwoch soll ein entsprechender Gesetzentwurf von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) das Kabinett passieren. Demnach wird der Abschuss einzelner Wölfe eines Rudels künftig auch dann erlaubt, wenn unklar ist, welcher Wolf genau zugebissen hat - und zwar "bis zum Ausbleiben von Schäden". Damit können auch mehrere Wölfe nacheinander zum Abschuss frei gegeben werden. Bedingung ist aber, dass ein Wolf Nutztiere gerissen hat.

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Präventive Abschüsse bleiben damit weiterhin verboten. Jägern, die gegen das Gesetz verstoßen drohen Geld- und sogar Haftstrafen. So geht es aus dem Gesetzentwurf hervor, der den erbitterten Streit zwischen Schulze und Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) beenden soll.

Umweltschützer hatten vor Erleichterungen gewarnt. Denn Wölfe stehen in Europa eigentlich unter besonderem Schutz, weil sie äußerst selten geworden sind. Erst seit einigen Jahren breitet das Tier sich wieder aus. Agrarministerin Klöckner hatte sich dennoch für ein kompromissloseres Vorgehen eingesetzt, weil sie die Interessen von Bauern und Schäfern bedroht sieht. Den Streit musste schließlich das Kanzleramt schlichten. Vor den Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen hatte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel auf eine rasche Entscheidung gedrängt.

Die große Koalition will das Gesetze nun schnell umsetzen, auch um der AfD Wahlkampfmunition zu nehmen. Der Wolf dürfe nicht unreguliert wieder angesiedelt werden, forderte die AfD im Europawahlkampf. Die Partei warnte immer wieder vor einer "unkontrollierten Ausbreitung" des Wolfs, was Umweltbehörden allerdings ohnehin für unwahrscheinlich halten.

BUND befürchtet wahllose Schüsse auf Wolfsrudel

Doch auch der Beschluss der großen Koalition ist umstritten. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Brandenburg lehnt Pläne für einen erleichterten Abschuss nach Wolfsrissen ab. "Die Änderungsvorschläge gingen zu weit und seien mit dem Schutzstatus des Wolfes nicht vereinbar, teilte die Organisation mit. Eine solche Regelung schade dem Naturschutz und helfe auch den Weidetierhaltern nicht. Tatsächlich gilt es als ziemlich schwierig, genau den Wolf zu erwischen, der Tiere gerissen hat. Wilde Wölfe legen pro Nacht etwa 80 Kilometer zurück. Es werde wohl wahllos auf ein Rudel geschossen, warnte der BUND. Damit könnte die Population beeinträchtigt werden.

Dagegen begrüßte das Brandenburger Umweltministerium die Pläne des Bundes als "einen Schritt in die richtige Richtung". Alles, was zum besseren Umgang mit dem Wolf beitrage, sei willkommen. Derzeit werde allerdings noch geprüft, wie wirksam der Vorschlag sein könne.

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