Wahlwerbespots von CDU und SPD Ich, Merkel, Königin von Deutschland

Angela Merkel faltet die Hände, Angela Merkel lächelt, Angela Merkel schaut - und all das in unerträglicher Großaufnahme. Die CDU treibt in ihrem Wahlwerbespot die Fixierung auf die Kanzlerin auf die Spitze. Die SPD setzt dagegen auf Schreiner und Schichtarbeiter.

Von Antonie Rietzschel, Berlin

Hoch oben über Berlin steht sie, in roter Jacke, und schaut wie eine Königin herunter - auf ihr Land. Angela Merkel. Aus dem Off kommt ihre Stimme, ruhig, fast schon meditativ: "Deutschland steht heute gut da."

Die Kanzlerin ist in dem eine Minute und 33 Sekunden dauernden Spot die Hauptdarstellerin. Dabei ist es fast schon unerträglich, wie nah die Kamera ihr kommt, um jede Regung einzufangen: Angela Merkel, wie sie ihre Hände übereinander faltet, Angela Merkel, wie sie die Mundwinkel ganz leicht zu einem Lächeln hebt, Angela Merkel wie sie mit verklärtem Blick nachdenklich vor sich hinschaut - die kleinen Fältchen um die Augen sind deutlich zu sehen.

Bei so viel Angela Merkel stellt sich die Frage: Gibt es eigentlich auch noch eine Partei hinter der Kanzlerin? Es sei ja bekannt, dass sie Wahlkampf für die CDU mache, antwortet Generalsekretär Hermann Gröhe als er den Spot in Berlin in dem Kino "Filmkunst66" vorstellt. "Der Spot ist ein Film über Deutschland." Es gehe darum was uns gut tut, sagt Gröhe.

Und das ist laut Angela Merkel natürlich Angela Merkel. "Ich muss sicher sein, dass wir das Richtige tun. Das Richtige ist, was am Ende den Menschen hilft", sagt sie in einem Sessel thronend. Die ganze Szenerie wirkt statisch. Was den Zuschauer selbst in den kurzen eineinhalb Minuten davor bewahrt in meditativen Tiefschlaf zu fallen, sind die manchmal ruckartigen Bewegungen der Kamera.

Ganz nah dran, das will auch die SPD in ihrem TV-Spot sein. Doch nicht an ihrem Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Dafür hat er sich wahrscheinlich zu viele Fettnäpfchen erlaubt, als dass man es in der Partei riskiert ihn mit übertriebener Selbstdarstellung lächerlich zu machen.

Die SPD greift stattdessen auf "authentischen Menschen" zurück, "die hier leben", wie SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles während der Vorstellung des Spots im Willy-Brandt-Haus immer wieder betont. In dem kurzen Film ihrer Partei steht ein Schreiner in der Werkstatt, ein Schichtarbeiter in seinem Garten und die Familie auf dem Campingplatz hinter einem roten Rednerpult - Nahles nennt es das Rednerpult des Volkes. Dort sagen sie, was ihnen nicht passt, Zweiklassenmedizin, oder was sie sich wünschen: angemessene Bezahlung, ordentliche Rente.

Nein, man habe den Bürgern keine Wortstanzen vorgegeben, sagt Nahles auf Nachfrage. Das sei alles ganz von allein aus ihnen herausgesprudelt. Am Ende des Spots taucht der Kandidat dann doch noch auf: Peer Steinbrück steht an dem roten Pult und schaut mit festem Blick in die Kamera. "Deswegen will ich Bundeskanzler werden, damit es in unserem Land wieder gerechter zugeht", sagt er.

Ein kurzer, solider Auftritt. Reicht ja auch.