Wahlkampf zur Bundestagswahl:Seehofer rät FDP zum Stopp der Leihstimmenkampagne

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Horst Seehofer CSU

Horst Seehofer einen Tag nach der bayerischen Landtagswahl in München.

(Foto: dpa)

Appell an den Wunschpartner: CSU-Chef Seehofer hat der FDP nahegelegt, ihr Werben um Zweitstimmen von Unions-Anhängern aufzugeben. Mit dem richtigen Stil und den richtigen Themen könnten die Liberalen genug eigene Wähler mobilisieren.

Zwei Tage vor der Wahl macht auch CSU-Chef Horst Seehofer deutlich, was er von der Zweitstimmenkampagne der FDP hält. "Ich rate uns allen, sich in den letzten Stunden vor der Bundestagswahl mit dem politischen Gegner auseinanderzusetzen und sich nicht gegenseitig die Stimmen streitig zu machen", sagte er der Zeitung Die Welt.

Es gebe in Deutschland ein ausreichendes liberales Wählerpotenzial von deutlich über fünf Prozent. "Mit den richtigen Themen und dem richtigen Stil kann die FDP ihr eigenes Potenzial auch ausschöpfen", sagte Seehofer. CDU und CSU wollten weiter mit der FDP im Bund regieren, sagte Seehofer. Eine große Koalition aus CDU/CSU und SPD wolle man hingegen nicht. Eine Zusammenarbeit mit der Partei Alternative für Deutschland (AfD) schloss Seehofer aus. Die CSU sei für den Euro, während die AfD ihn faktisch abschaffen wolle.

Die FDP wirbt trotz des Widerstands von Kanzlerin Angela Merkel gegen eine Wahlkampfhilfe massiv um Zweitstimmen der CDU-Wähler. Die Liberalen bangen um den Wiedereinzug in den Bundestag, nachdem sie am Sonntag bei der Landtagswahl in Bayern an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert waren.

Rösler verteidigt Kampagne

FDP-Parteichef Philipp Rösler verteidigte das Vorgehen der Liberalen im Wahlkampfendspurt. Die FDP vertrete die Werbung für Leihstimmen aus der Union sehr selbstbewusst und mache sich keineswegs klein damit. "Uns geht es um Inhalte", sagte Rösler der Neuen Osnabrücker Zeitung. Er geht davon aus, dass viele Unentschlossene doch noch zur Wahl gehen, gerade weil das Rennen denkbar knapp sei. Zu Kritik unter anderem von den Jungen Liberalen, dies sei Anbiederung, sagte Rösler: "Das sehe ich anders."

Der Ausgang der Bayern-Wahl am vergangenen Sonntag veränderte Umfragen zufolge die Mehrheitsverhältnisse im Bund nicht wesentlich. Das neue ZDF-Politbarometer ergab rechnerisch eine sehr knappe Mehrheit für Schwarz-Gelb. CDU/CSU und FDP kämen danach zusammen auf 45,5 Prozent. Auf SPD, Grüne und Linke entfielen 44,5 Prozent.

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