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Vorwürfe gegen Stephen Bannon:Auch Trumps neuer Wahlkampfstratege sorgt für Ärger

Stephen Bannon wenige Tage nach seiner Ernennung zum Wahlkampfmanager Donald Trumps in New York.

Stephen Bannon wenige Tage nach seiner Ernennung zum Wahlkampfmanager Donald Trumps in New York.

(Foto: REUTERS)
  • Stephen Bannon, neuer Wahlkampf-Manager Donald Trumps, sieht sich verschiedenen Anschuldigungen ausgesetzt.
  • Ihm wird vorgeworfen, 1996 wegen häuslicher Gewalt angeklagt worden zu sein. Darüber hinaus soll er sich in der Vergangenheit antisemitisch geäußert haben. Zudem wird ihm ein Verstoß gegen das Wahlgesetz zur Last gelegt.
  • Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton sieht in der Ausweitung ihrer E-Mail-Affäre keine Gefahr für ihre Kandidatur.

Erst eine Woche ist es her, dass Donald Trump sein Wahlkampf-Team an der Spitze umgebaut hat: Stephen Bannon übernahm von Paul Manafort den Job des Wahlkampf-Chefs, nachdem dieser wegen Berichten über fast 13 Millionen Dollar Schwarzgeld von Kreml-freundlichen Kräften zurückgetreten war.

Nun sieht sich Bannon, Ex-Chef der rechtslastigen Website Breitbart, seinerseits massiven Anschuldigungen ausgesetzt.

Medienberichten zufolge wurde Bannon 1996 wegen häuslicher Gewalt angeklagt. Die New York Times und die New York Post berichteten am Freitag, der Fall sei seinerzeit im Sande verlaufen, nachdem Bannons damalige Frau Mary Louise Piccard nicht vor Gericht erschienen sei, um gegen ihn auszusagen.

Laut einem von den Zeitungen eingesehenen Polizeibericht wurden Polizisten am Neujahrstag 1996 zum Haus des Paares im kalifornischen Santa Monica gerufen.

Ein heftiger Streit gipfelte demnach in Gewalttätigkeiten Bannons gegen seine Frau, die davon Spuren an Hals und Handgelenken davontrug. Piccard gab an, ihr Mann habe sie daran gehindert, die Polizei anzurufen, das Telefon quer durch den Raum geworfen und es dabei zertrümmert.

Vorschriften und Drohungen

Später habe er ihr vorgeschrieben, die Stadt zu verlassen und ihr damit gedroht, sie und die erst einige Monate alten Zwillingstöchter zu verlassen, sollte es ein Gerichtsverfahren geben. Den Berichten zufolge fügte sich die junge Frau und kehrte mit den Zwillingen erst zurück, als die Staatsanwaltschaft nach ihrem Nichterscheinen vor Gericht im August 1996 auf eine Strafverfolgung verzichtete.

Das Paar trennte sich kurz nach dem Vorfall. Bannons Sprecherin Alexandra Preate sagte der New York Times, er habe eine "sehr gute Beziehung" zu seiner Ex-Frau und seinen Töchtern.

In einer eidesstattlichen Erklärung beschuldigte Bannons Ex-Frau den 62-Jährigen darüber hinaus, sich antisemitisch geäußert zu haben: Wie der Guardian berichtet, gab die Ex-Frau Gerichtsdokumenten zufolge im Jahr 2007 an, Bannon habe sich dafür eingesetzt, dass die gemeinsamen Kinder nicht an einer Eliteschule in Los Angeles angemeldet werden, weil er nicht wollte, dass die Töchter mit Juden zur Schule gehen.

Bannon wird Verstoß gegen Wahlgesetz vorgeworfen

"Er sagte, er möge keine Juden und er möge nicht, wie sie ihre Kinder zu 'weinerlichen Gören' erzögen", sagte Bannons Ex-Frau damals aus.

Bannons Sprecherin Preate wies den Vorwurf zurück: "Er hat das niemals gesagt." Bannon sei stolz, seine Töchter auf diese Schule geschickt zu haben, sagte sie dem Guardian.

Außerdem wird Bannon ein Verstoß gegen das Wahlgesetz in Florida zur Last gelegt: Wie der Guardian berichtet, ist Bannon im Bezirk Miami-Dade als Wähler eingetragen, lebt aber gar nicht dort. Nach dem Wahlgesetz Floridas müssen registrierte Wähler einen dauerhaften Wohnsitz in dem Bundesstaat haben.

Falsche Angaben bei der Wählerregistrierung sind in Florida eine Straftat

Die britische Zeitung beruft sich auf den Besitzer des Hauses, der sagt, dass das Gebäude leer stehe und abgerissen werde. Bannon soll es für seine frühere Frau gemietet haben, dort aber nie eingezogen sein. Den Angaben zufolge lebt sie inzwischen nicht mehr in der Wohnung. Trumps Team wollte zu dem Bericht nichts sagen.

Falsche Angaben bei der Wählerregistrierung sind in Florida eine Straftat. Diese kann mit einer Geldstrafe oder mit bis zu fünf Jahren Gefängnis geahndet werden. Wer umzieht, muss dies rechtzeitig anzeigen.

Vor allem die Berichte über die häusliche Gewalt kommen Trump ungelegen, da der in jüngster Zeit versuchte, besonders bei Frauen zu punkten.

Clinton sieht in E-Mail-Affäre keine Gefahr für ihre Kandidatur

Im Lager der Demokratischen Partei äußerte sich unterdessen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton überzeugt, dass weder die Affäre um ihre E-Mails noch der Skandal um die Clinton-Stiftung ihrer Kandidatur etwas anhaben werde.

In einem Interview mit dem Fernsehsender MSNBC sagte sie, der Clinton Foundation sei nichts vorzuwerfen. Ein Richter hatte diese Woche die Veröffentlichung von rund 15.000 E-Mails angeordnet, die Clinton in ihrer Zeit als US-Außenministerin über ihren privaten Server verschickt hatte.

Die E-Mails warfen erneut die Frage auf, ob sich Spender der Clinton Foundation Vorteile erkaufen konnten. Trump forderte die Schließung der Stiftung. Mit der Veröffentlichung der E-Mails gab der Richter der Klage der konservativen Gruppe Judicial Watch statt, die auf Freigabe der Nachrichten gedrungen hatte.

Die Clinton-kritische Gruppe veröffentlichte einige der freigegebenen E-Mails, die ihrer Lesart nach die Verquickung von Interessen des von Clinton geführten Außenministeriums mit der Stiftung ihres Mannes, des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton, belegen. So hätten reiche Spender der Stiftung versucht, über das Außenministerium Kontakte zu Regierungsvertretern einfädeln zu lassen.

Donald Trump's Campaign CEO Stephen Bannon Registered to Vote in Empty Florida House

Das leerstehende Haus in Miami, unter dessen Adresse Stephen Bannon in das Wählregister Floridas eingetragen sein soll.

(Foto: AFP)
© SZ.de/pak
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