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US-Wahl:Das wichtigste Medium des US-Wutbürgertums

Stephen Bannon
(Foto: Danny Moloshok/AP)

Das Propaganda-Organ "Breitbart News" ist Donald Trumps Wahlkampf-Helfer. Nun wird der Chef der Website sein Wahlkampfleiter. Eine explosive Mischung.

Hillary Clinton ist krank. Ernsthaft krank, irgendwas stimmt mit den Adern in ihrem Gehirn nicht, sie könnten jederzeit platzen, und dann würde Hillary Clinton sterben. Wer das nicht glaubt, kann es nachlesen, steht alles im Internet. Bei Breitbart.

Am Mittwoch ernannte Donald Trump den Chef der Website Breitbart, Stephen Bannon, zum neuen Vorsitzenden seiner Wahlkampagne. Seitdem steht Amerikas politische Szene genauso unter Schock wie die Medienszene. Dass Medienleute für einen Kandidaten arbeiten, ist zwar nichts Außergewöhnliches. Doch sie werden normalerweise Sprecher oder Redenschreiber und bekommen nach einem Wahlsieg vielleicht einen ähnlichen Posten in der Regierung. Dass hingegen der lauteste, populistischste, aggressivste Kandidat der jüngeren Geschichte gleich seinen gesamten Wahlkampf vom Chef des lautesten, populistischsten, aggressivsten Mediums machen lässt, das es im Internet diesseits der einschlägigen Neonazi- und Ku-Klux-Klan-Seiten so gibt, ist dann doch eine ganz neue Dimension. Trump und Bannon - die beiden sind wie ein Fläschchen Nitroglycerin und ein kräftiger Tritt.

Bannon macht mit "Breitbart News" keinen Journalismus. Er will eine rechte Rebellion anzetteln

Zuerst: Was ist diese Website mit dem etwas absurd klingenden Namen Breitbart? Die Seite Breitbart News Network wurde 2007 von dem konservativen Kommentator und Unternehmer Andrew Breitbart gegründet. Breitbart wollte ein Medium schaffen, das aus einer rechten Perspektive über all die Dinge schreibt, über die seiner Meinung nach die sogenannten Mainstreammedien - weniger freundlich ausgedrückt: die linke Elitepresse - entweder gar nicht oder eben verfälscht berichten. Als einer der Hauptgeldgeber von Breitbart wird immer wieder der Hedgefonds-Millionär Robert Mercer genannt, der viel Geld für politische Aktivitäten spendet.

Breitbart News hat nie den Anspruch erhoben, traditionellen, halbwegs objektiven Journalismus zu betreiben, sondern war immer ein Medium der rechten Rebellion - gegen das politische Establishment, das der Republikaner wie das der Demokraten, gegen die dominierenden Medien, gegen den ganzen als lau und verrottet angesehenen herrschenden Konsens der politischen Mitte. Breitbart ist eine Plattform für die Tea-Party-Schreihälse und die Stars der Rednecks, für Populistinnen wie Sarah Palin oder Ann Coulter, in diesem Jahr auch für Donald Trump.

Krawall und Provokation sind Teil der Strategie, mit politischen Konzepten oder Ideen setzt sich Breitbart News nicht auseinander. Die Seite ist weitaus amateurhafter und ruppiger als etwa Fox News, der konservative Fernsehsender. Auch Ironie ist Breitbart News fremd, Selbstironie sowieso. Die Autoren sind ernste Eiferer, auch wenn ihre Artikel manchmal wie Satire klingen. "Mein Geschäftsmodell besteht darin, anzugreifen", sagte Breitbart 2010 in einem Interview. In dieser Hinsicht ist Breitbart News noch ideologischer als sein Vorbild, der Drudge Report, jene legendäre konservative Nachrichtenseite, die einst die erste Meldung über die Affäre von US-Präsident Bill Clinton mit seiner Praktikantin Monica Lewinsky gebracht hatte.