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Vorwahlen der US-Republikaner:Santorum verpasst Favorit Romney drei Tiefschläge

Schwarzer Abend für Mitt Romney: Rick Santorum deklassiert den bisherigen Favoriten und fährt bei den Vorwahlen der US-Republikaner drei fulminante Siege in Minnesota, Colorado und Missouri ein. Für viele Konservative ist der Abtreibungsgegner Santorum die wahre Alternative zu US-Präsident Obama. Dem Romney-Lager gehen wichtige Argumente verloren.

Dieses Mal musste er nicht mehrere Tage warten, bis er zum Sieger erklärt wurde: Mit deutlichem Vorsprung hat Rick Santorum die Vorwahlen in Minnesota, Colorado und Missouri gewonnen. Nach seinem um Tage verspäteten Erfolg zum Auftakt in Iowa ist dem früheren Senator aus Pennsylvania zum zweiten Mal eine Überraschung gelungen, mit der er Mitt Romney ins Schwitzen bringt. Der Favorit des republikanischen Partei-Establishments konnte entgegen aller Prognosen nicht einmal im swing state Colorado gewinnen - und so geraten einige wichtige Argumente, die bisher für Romney sprachen, ins Wanken.

[] Romney hat weiter Probleme mit der konservativen Basis

Nach seinem Triumph in Florida und dem klaren Sieg in Nevada wenige Tage später schien Mitt Romney ein wichtiges Problem überwunden zu haben: Endlich hatte der Favorit der gemäßigten Republikaner auch Stimmen von Tea-Party-Anhängern und von Evangelikalen bekommen. Die republikanische Basis, so die allgemeine Annahme, hatte den 64-Jährigen zähneknirschend akzeptiert. Die Ergebnisse vom Dienstag sprechen eine andere Sprache: Das Argument "Wählbarkeit" scheint viele Republikaner doch nicht zu überzeugen.

Gewiss, zu Santorums Dreifach-Erfolg trugen viele Faktoren bei: Da Newt Gingrich in Missouri nicht auf dem Wahlzettel stand, sammelte er dort viele Stimmen jener Republikaner ein, die Romney für zu liberal und zu wenig standfest halten. Und in Minnesota sind jene gesellschaftlichen Gruppen stark, die den 53-Jährigen seit Wochen unterstützen: die gläubigen Evangelikalen, die Abtreibung kategorisch ablehnen. Doch Ergebnisse von mehr als 44 Prozent sind nur dadurch erklärbar, dass Santorum auch für andere Wählergruppen attraktiv war.

Dazu mag beigetragen haben, dass der erzkonservative Katholik, der bei jeder Gelegenheit gegen Homosexuelle wettert, deutlich mehr Auftritte in den drei Staaten absolvierte, als die anderen Bewerber - ein Rezept, das sich bereits in Iowa ausgezahlt hatte. Seit Wochen reist Santorum mit einer Botschaft durch Amerika, die er auch am Wahlabend wiederholte: Ich stehe hier nicht als konservative Alternative zu Mitt Romney, ich stehe hier als konservative Alternative zu Barack Obama." Er wirft Romney und Gingrich vor, die Politik des Präsidenten nicht glaubwürdig kritisieren zu können: Romney habe mit seiner Gesundheitsreform in Massachusetts die Blaupause für das verhasste "Obamacare" geliefert, während sich der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses für die Bekämpfung des Klimawandels einsetzte. Zudem hätten beide dafür geworben, angeschlagene Finanzinstitute mit unzähligen Steuermilliarden zu retten.

Dem US-Präsidenten warf er vor, sich viel zu stark - etwa in Fragen der Gesundheitsvorsorge - in das Leben der Bürger einzumischen: "Er hat niemals auf die Stimmen des Volkes gehört. Er denkt, er sei schlauer und besser als ihr." Santorum wertete den Sieg als Beleg dafür, dass der Konservativismus "lebendig und stark" sei und rief seinen Anhängern zu, ihre Stimmen würden im Land gehört werden - und womöglich seien sie in Massachusetts besonders laut zu hören. Davon ist auszugehen: In der Wahlkampfzentrale von Mitt Romney werden sie nach diesem Wahlabend ins Grübeln gekommen sein.

[] Die kommenden Wochen werden anstrengend für Romney

Nach den beiden letzten Romney-Siegen schienen die im Februar stattfindenden Vorwahlen nach Ansicht vieler Beobachter zu einem Spaziergang für den Ex-Gouverneur aus Massachusetts zu werden: Dafür sprach neben dem Momentum, dem neuen Schwung, den der Sieger bekommt, dass der 64-Jährige bei seiner gescheiterten Kandidatur 2008 die Vorwahlen in Colorado mit 60 Prozent und in Minnesota mit 41,4 Prozent gewonnen hatte. Offenbar sind Romney vier Jahre später viele Wähler verlorengegangen, die ihn damals als konservative Alternative zu John McCain ansahen. Der Polit-Website politico.com zufolge belegen die Ergebnisse einerseits den Respekt, den sich der über geringe Finanzmittel verfügende Santorum mit seiner Ochsentour bei vielen republikanischen Wählern erarbeitet hat. Andererseits habe der rechte Parteiflügel dem bisherigen Favoriten Romney eindeutig das Misstrauen ausgesprochen.

Völlig überraschend kam das gute Abschneiden Santorums für Romneys Strategen nicht. Bereits in den Stunden vor den Vorwahlen hatten ausgewählte Journalisten ein Memo von Rich Beeson erhalten, in dem der Top-Berater unter anderem daran erinnerte, dass ein Präsidentschaftskandidat nicht alle Vorwahlen gewinnen müsse: "John McCain hat 2008 in 19 Staaten verloren und wir rechnen damit, dass unsere Gegner noch in einigen Staaten erfolgreich sein werden."

Allerdings ist der Erfolg Santorums so eindeutig, dass all die technokratischen Hinweise überflüssig sind: Romneys Strategen hatten stets betont, dass das Ergebnis der caucuses in Colorado und Minnesota für die Verteilung der Delegiertenstimmen nicht bindend seien - und auch die eigentliche Abstimmung in Missouri erst im März erfolge.

Doch nun ist die Lage eine völlig andere: Mitt Romney ist - ähnlich wie nach der Niederlage gegen Newt Gingrich in South Carolina - das Momentum abhandengekommen und er wird in den kommenden Wochen hart kämpfen müssen, den Journalisten und den Wählern zu beweisen, dass er es wieder in die Favoritenrolle schaffen kann.

Patzer der Republikaner

"Ann fährt ein paar Cadillacs"