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Verschleppte Studenten:Zehntausende demonstrieren in Mexiko-Stadt

  • Zehntausende haben in Mexiko-Stadt gemeinsam mit den Angehörigen von 43 vermissten Studenten protestiert. Bei den Protestmärschen forderten viele den Rücktritt von Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto.
  • Auch in weiteren Städten des Landes und in Bolivien gingen Menschen aus Solidarität auf die Straße.
  • Polizisten sollen die Lehramtsstudenten Ende September an eine Drogenbande übergeben haben. Diese ermordeten die Studenten dann vermutlich.

Zehntausende gehen in Mexiko-Stadt auf die Straße

Aus Wut über die mutmaßliche Ermordung von 43 Studenten sind Zehntausende Menschen in Mexiko erneut auf die Straßen gegangen. Von drei symbolträchtigen Orten in Mexiko-Stadt marschierten die Demonstranten am Donnerstagabend auf den zentralen Platz Zócalo zu. Angehörige der Verschleppten aus dem verarmten Bundesstaat Guerrero führten die Protestzüge an.

Viele forderten den Rücktritt von Präsident Enrique Peña Nieto, den sie für das Schicksal der Studenten verantwortlich machen. "Er wird fallen, er wird fallen, Peña Nieto wird fallen!", riefen die Demonstranten in der Hauptstadt. Viele schwenkten zum Zeichen ihrer Trauer geschwärzte mexikanische Fahnen und hielten Bilder der 43 vermissten und wahrscheinlich ermordeten Studenten in den Händen.

"Mexiko ist an Tragödien, Raubüberfälle und Korruption gewöhnt", beklagte die 46-jährige Demonstrantin Lili Correa. "Wir müssen endlich damit anfangen, von unseren Bürgerrechten Gebrauch zu machen, damit die Regierung etwas tut."

Proteste und Ausschreitungen im ganzen Land

Der Protest am Donnerstag fiel mit dem Jahrestag des Beginns der Mexikanischen Revolution 1910 zusammen, die Zentralregierung sagte wegen der Proteste ihre jährliche Parade ab.

Auch in Ciudad Juárez, Puebla und in Chilpancingo im Staat Guerrero gingen Tausende Menschen auf die Straßen. In Bolivien zeigten sich ebenfalls Tausende Menschen solidarisch, in El Salvador gingen etwa 200 Demonstranten auf die Straße.

Im Vorfeld der Massenkundgebung kam es in der Hauptstadt Mexikos zu schweren Krawallen zwischen Demonstranten und der Polizei. In der Nähe des Flughafens griffen Vermummte die Beamten mit Brandbomben und Feuerwerkskörpern an, viele von ihnen waren mit Eisenstangen und Knüppeln ausgerüstet. Die Polizei setzte Tränengas ein. Zuvor hatten Hunderte Protestierende die Hauptzufahrtsstraße des Flughafens für eine Stunde blockiert. Streifenwagen sammelten Reisende und deren Gepäck ein.

Ende September waren die 43 Studenten verschwunden

Die 43 Studenten waren Ende September in Iguala im Staat Guerrero verschwunden. Sie wurden nach einer Spendensammelaktion offenbar von Polizisten an eine Drogenbande ausgehändigt. Der Staatsanwaltschaft zufolge wurden die Lehramtsstudenten später von Mitgliedern der Bande getötet, die mit Polizeikräften und örtlichen Politikern kooperierte.

Viele Eltern zweifeln aber weiterhin am Tod ihrer Kinder und fordern mehr Anstrengungen bei der Suche nach den Vermissten. Aufgeben wollen sie erst, wenn unabhängige Beweise wie DNA-Tests von Leichenteilen vorliegen sollten.

Das Verschwinden der Studenten sorgt seit Wochen für Empörung und Proteste im Land. Viele Mexikaner sind erbost über den Umgang der Behörden mit dem Fall. Es ist die größte Herausforderung für den Präsidenten, der seit fast zwei Jahren im Amt ist.

© Süddeutsche.de/AFP/dpa/sks/jasch
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