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Vermisste Jugendliche:Israels Geheimdienst veröffentlicht Namen mutmaßlicher Täter

Während der Militäroffensive im Westjordanland prüfen israelische Soldaten in Hebron eine Karte.

(Foto: AFP)

Zwei Wochen nach dem Verschwinden von drei Jugendlichen nennt Israels Inlandsgeheimdienst Namen: Zwei Hamas-Mitglieder steckten hinter der Entführung. Belege legen die Ermittler nicht vor. Die Hamas bestreitet weiterhin, mit der Tat etwas zu tun zu haben.

  • Seit zwei Wochen sucht die israelische Armee nach drei israelischen Jugendlichen, die spurlos im Westjordanland verschwunden sind. Jetzt veröffentlicht der Inlandsgeheimdienst die Namen von zwei Tatverdächtigen.
  • Angeblich sind die beiden Verdächtigen ehemalige Häftlinge aus Hebron sowie Mitglieder der Hamas.
  • Vor dem Hintergrund dieser Informationen fordert Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Palästinenserpräsident Mahmud Abbas auf, das umstrittene Bündnis mit der Hamas zu beenden.

Die mutmaßlichen Täter

Israels Geheimdienst hat nach eigenen Angaben die Entführer von drei Jugendlichen im Westjordanland identifiziert. Zwei Wochen nach der Entführung teilte der Inlandsgeheimdienst Schin Bet mit, es handele sich um zwei ehemalige Häftlinge aus Hebron. Der Geheimdienst veröffentlichte auch Bilder der Tatverdächtigen, legte aber keine weiteren Beweise vor. Israels Sicherheitsdienste jagten weiter nach dem 29-jährigen Marwan K. und dem 33-jährigen Omar A., hieß es. Beide seien Mitglieder der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas.

K. sei schon als 18-Jähriger verurteilt worden und habe bis 2004 zehn Monate in israelischer Haft verbracht. Seitdem sei er vier weitere Male festgenommen worden und habe im Verhör zugegeben, Hamas-Mitglied zu sein. Zuletzt habe er bis März 2010 im Gefängnis gesessen. A. sei 2005 zum ersten Mal festgenommen worden und habe zunächst ein halbes Jahr in Haft verbracht. Sein Bruder sei 2005 bei einem versuchten Anschlag auf israelische Truppen getötet worden. Es handele sich um die beiden "zentralen Terroristen, die an der Entführung beteiligt waren", hieß es in der Mitteilung.

Die verschwundenen Jugendlichen

Drei israelische Teenager waren am 13. Juni auf dem Heimweg spurlos verschwunden. Zuletzt wurden sie beim Trampen in der Nähe des jüdischen Siedlungsblocks Gusch Etzion zwischen den Palästinenserstädten Bethlehem und Hebron im südlichen Westjordanland gesehen. Israel wirft der Hamas vor, für die Tat verantwortlich zu sein, obwohl keine Palästinenserorganisation sich bislang dazu bekannt hat.

Hamas-Chef Chaled Meschaal erklärte erneut, die politische Führung seiner Organisation habe "keinerlei Information" zu den drei Jugendlichen. "Jeder Widerstandsakt" gegen die israelische Besatzung sei jedoch gerechtfertigt. Israel müsse "für seine Tyrannei bezahlen".

Die Reaktion Israels

Bei der Suche nach den drei vermissten Schülern geht die Armee mit großer Härte vor. Bei den Razzien wurden bislang fünf Palästinenser getötet und Dutzende weitere verletzt. Mehr als 380 Palästinenser wurden beim größten israelischen Militäreinsatz im Westjordanland seit einem Jahrzehnt festgenommen, zwei Drittel von ihnen Hamas-Mitglieder. Die Vereinten Nationen riefen Israel zu Wochenbeginn zur Zurückhaltung auf und äußerten sich besorgt über die Opfer des Militäreinsatzes. Militante Palästinenser-Gruppen kündigten bereits Vergeltung an.

Politische Spannungen

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, nach der Veröffentlichung der Namen der beiden Tatverdächtigen erwarte er von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, das umstrittene Bündnis mit der Hamas aufzukündigen. Abbas' gemäßigte Fatah hatte zu Monatsbeginn eine Einheitsregierung mit der Hamas gebildet. Die Regierung aus parteilosen Fachleuten unter Leitung von Ministerpräsident Rami Hamdallah soll künftig sowohl das Westjordanland als auch den von der Hamas beherrschten Gazastreifen regieren. Die Regierung wird neben der Fatah auch von der Hamas getragen. Israel boykottiert die Regierung und verweist auf den "terroristischen Charakter" der Hamas. USA, EU und UNO haben die neue Regierung dagegen anerkannt.

Vor den Vereinten Nationen lieferten sich Araber und Israelis einen heftigen Streit. Die Palästinenser, unterstützt von mehreren arabischen Staaten und Iran, forderten vom Sicherheitsrat eine Verurteilung Israels wegen der Razzien im Westjordanland. "Israel hat völlig überzogen reagiert und lässt das ganze palästinensische Volk unter einer Kollektivstrafe leiden", sagte Saudi-Arabiens Botschafter Abdallah Al-Mouallimi. "Die Durchsuchungen und Festnahmen sind klare Verstöße gegen die Genfer Konvention und das Völkerrecht."

Israels Botschafter Ron Prosor sprach von einer "Unverschämtheit". Er nannte es eine Frechheit, "dass sich die Verantwortlichen für die Entführung dreier Kinder jetzt beschweren".