Tourismus:Ach, wie schön ist Venedig

Tourismus: Platz da: Reisegesellschaften dürfen sich bei Führungen bald nicht mehr länger auf der Rialto-Brücke aufhalten.

Platz da: Reisegesellschaften dürfen sich bei Führungen bald nicht mehr länger auf der Rialto-Brücke aufhalten.

(Foto: IMAGO/IMAGO/Pond5 Images)

In der Lagunenstadt laufen die Vorbereitungen für den Tag, von dem an die umstrittenen Eintrittsgebühren für die Altstadt erhoben werden.

Von Marc Beise, Venedig

Mal wieder nach Venedig, das wär's - aber warum nicht gleich? Kalt ist es da jetzt auch, wohl wahr, früh dunkel, und gelegentlich schwappt das Wasser auf die Fußwege. Aber dafür ist die Stadt befreit vom Massentourismus. Keine Schlangen an den begehrten Orten, auch preiswerte Hotelzimmer findet man problemlos. Und vor allem muss man sich nicht mit den neuen Eintrittsgebühren herumschlagen, die bald kommen werden.

Diese Tickets sind nach jahrelanger Diskussion beschlossen worden, im Gemeinderat ging es hoch her. Die Befürworter wollen die Stadtkasse füllen (die Rede ist von 13 Millionen Euro im Jahr) oder einige der viel zu vielen Touristen abschrecken oder beides. Die Gegner bezweifeln, dass der Nutzen höher ist als die Kosten, und überhaupt: Ist Venedig nun ein Freilichtmuseum oder einfach eine besondere und wunderschöne Stadt? Egal, die Schlacht ist geschlagen, die Gebühr gilt vom 25. April an. Wer will, kann sich von diesem Dienstag, 16. Januar, an auf der einschlägigen Internetseite Contributo di Accesso registrieren oder auch nur informieren.

Vieles ist ja noch nicht geklärt, beispielsweise wie die Stadt kontrollieren will, ob die Venedig-Besucher auch wirklich gezahlt haben. Bisher war von Stichproben in der Altstadt die Rede, jetzt hat Bürgermeister Luigi Brugnaro Drehkreuze an den bekannten Zugängen, etwa am Bahnhof, in die Diskussion gebracht. Die Planung der Kommunalverwaltung geht in die heiße Phase, sind ja nur noch drei Monate bis zum Start.

Fest steht: Es geht um fünf Euro pro Tag, Kinder unter 14 Jahren sind frei. Der im Internet erworbene QR-Code ist bei einer Kontrolle vorzuweisen. Wer ohne Nachweis unterwegs ist, muss mit einem Bußgeld zwischen 50 und 300 Euro rechnen. Auch die genauen Termine stehen mittlerweile fest, denn 2024 ist ein Testjahr mit erst einmal nur 29 Bezahltagen: durchgehend von Donnerstag, 25. April, bis Sonntag, 5. Mai. Dann alle Wochenenden von Samstag, 11. Mai, bis Sonntag, 14. Juli, jeweils von 8.30 Uhr bis 16 Uhr, mit Ausnahme des 1./2. Juni, dies ist das Wochenende des nationalen Feiertags. Von 2025 an soll es dann durchgängig ernst werden.

Das Ganze betrifft jedoch nur Tagesbesucher. Von der Gebühr befreit sind Reisende, die mindestens eine gebuchte Übernachtung in der Lagunenstadt nachweisen können. Sie erhalten den QR-Code idealerweise zusammen mit der Buchung - wobei sie ja ohnehin eine Kurtaxe zahlen, die je nach Kategorie der Unterkunft gestaffelt ist und pro Nacht berechnet wird.

Zusätzlich hat die Stadt vom 1. Juni an im Stadtzentrum sowie auf den begehrten Inseln Murano, Burano und Torcello Touristengruppen mit mehr als 25 Personen verboten. Bei Führungen dürfen künftig keine Lautsprecher verwendet werden, und Reisegesellschaften ist es nicht mehr erlaubt, länger in engen Gassen oder auf Brücken anzuhalten. Das lässt auf ein Durchkommen durch die Nadelöhre Rialto-Brücke sowie Ponte della Paglia gegenüber der Seufzerbrücke hoffen.

Wobei, wie gesagt, für Kurzentschlossene der Hinweis erlaubt sei: Gerade ist es in den Gassen Venedigs so leer wie im Rest des Jahres nicht mehr.

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