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US-Präsidentschaftswahl:Wieder Florida

Donald Trump gewinnt den "Sunshine State" mit den Stimmen der Exil-Kubaner - ein wichtiger Schritt hin zu einem möglichen Wahlsieg.

Von Christoph Koopmann

Wieder einmal sieht es so aus, als würde Florida eine ganz entscheidende Rolle spielen im Wettstreit um das Weiße Haus. Präsident Donald Trump hat den Bundesstaat am Dienstag gewonnen und wird daher die 29 Wahlmännerstimmen Floridas bekommen - ein großer Schritt in Richtung Wiederwahl. Trump hat sogar recht deutlich gesiegt, zumindest für floridianische Verhältnisse. Nach Auszählung fast aller Stimmen lag er mit drei Prozentpunkten vor dem Demokraten Joe Biden - 51 zu 48 Prozent.

Die jüngsten Umfragen hatten einen wesentlich knapperen Ausgang nahegelegt, etliche Erhebungen sahen sogar Biden in Führung. Aber Wahlausgänge in Florida sind und bleiben schwer zu berechnen, was unter anderem an den ganz speziellen Voraussetzungen in diesem Staat liegt. Da ist zum Beispiel die Zusammensetzung der Wählerschaft. Etwa ein Viertel der 20 Millionen Einwohner besteht aus Latinos, die eigentlich mehrheitlich für die Demokraten stimmen. Nicht so in Florida. Dort sind viele Latinos Exil-Kubaner und deren Kinder. Sie oder ihre Eltern sind aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen vor dem sozialistischen Regime auf der Karibikinsel geflohen. Entsprechend empfänglich waren diese Wähler, die ohnehin den Republikanern zuneigen, für Donald Trumps stramm antisozialistische Kampagne.

Biden schnitt bei den vielen weißen Senioren, die ihren Ruhestand im "Sunshine State" verbringen, zwar besser ab als die Demokratin Hillary Clinton vor vier Jahren. Aber das reichte nicht, um Trumps Zuwachs bei den Latinos auszugleichen. Bidens Ergebnis in der Metropolregion Miami, wo besonders viele Exil-Kubaner leben, blieb so weit hinter den Erwartungen zurück, dass es ihn den Sieg in Florida kostete - und damit womöglich auch den Sieg. Denn in den vergangenen Jahren galt stets: Wer Florida gewinnt, gewinnt die Präsidentschaft. Egal, wie knapp es ist.

So war es 2016, als Donald Trump in Florida mit 1,2 Prozentpunkten Vorsprung auf Hillary Clinton gewann. So war es 2012 und 2008, als Barack Obama seine republikanischen Gegenkandidaten mit weniger als einem respektive zwei Prozentpunkten Vorsprung schlug. Und so war es vor allem bei der Wahl 2000, als George W. Bush seinen Kontrahenten Al Gore schlussendlich um 537 Stimmen übertrumpfte - bei beinahe sechs Millionen abgegebenen Stimmzetteln, ein Vorsprung von 0,009 Prozentpunkten.

© SZ/anri/mane
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