Getöteter IS-Anführer:"Ein finaler Akt von verzweifelter Feigheit"

Lesezeit: 2 min

Zivilisten bei US-Militäroperation in Syrien getötet

Ein Mann begutachtet in Atmeh die Schäden in einem Haus nach der US-Operation gegen den Anführer der Terrormiliz "Islamischer Staat".

(Foto: Anas Alkharboutli/dpa)

Weil US-Soldaten anrückten, sprengt der Terror-Anführer Haschimi al-Kuraschi offenbar sich und seine Familie in die Luft. US-Präsident Biden sagt, die Welt sei nun sicherer.

Das US-Militär hat nach Angaben des Weißen Hauses bei einem Einsatz im Nordwesten Syriens den Anführer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) getötet. Er habe den Einsatz in der vergangenen Nacht gegen Abu Ibrahim al-Haschimi al-Kuraschi angeordnet, teilte US-Präsident Joe Biden mit. Dieser war seit 2019 der Anführer des IS - als Nachfolger von Abu Bakr al-Bagdadi.

Biden, der auch der Oberkommandeur der US-Streitkräfte ist, erklärte, alle Soldaten seien sicher von dem Einsatz zurückgekehrt. Dieser habe dem Schutz der Bürger der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten gedient. Das Vorgehen habe "die Welt zu einem sichereren Ort gemacht", so Biden weiter. "Dank der Tapferkeit unserer Soldaten gibt es diesen Terrorführer nicht mehr", sagte Biden bei einer Erklärung im Weißen Haus. Das US-Militär habe mit seinem Einsatz eine "große terroristische Bedrohung für die Welt" eliminiert.

US-Medienberichten zufolge waren amerikanische Spezialkräfte im Schutz der Dunkelheit mit Hubschraubern an den Einsatzort geflogen. Als das Militär auf sein Wohnhaus vorrückte, soll Al-Kuraschi einen Sprengsatz gezündet haben, der ihn und seine Familie tötete. Dies sei angesichts der vorrückenden US-Soldaten "ein finaler Akt von verzweifelter Feigheit" gewesen, um nicht für seine Taten zur Rechenschaft gezogen zu werden, sagte Biden. Die US-Regierung veröffentlichte bei Twitter ein Foto, das Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris dabei zeigt, wie sie den "Anti-Terror-Einsatz" mitverfolgten.

Bei dem Angriff wurden insgesamt 13 Menschen getötet

Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bei der Operation insgesamt 13 Menschen getötet, unter ihnen auch vier Kinder. Die Gefechte dauerten demnach bis in die Nacht an. Die internationale Militärkoalition in Syrien habe zudem Ziele nördlich der Region Idlib bombardiert.

Ein Aktivist in der Region sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass der IS-Anführer verdächtigt werde, Drahtzieher des schweren Anschlags auf ein Gefängnis im Nordosten Syriens zu sein. Dabei wurden in der Stadt Al-Hassaka Ende Januar mehr als 300 Menschen getötet. Der IS-Angriff galt als der folgenschwerste seit vielen Jahren. Mit dem Überfall wollte die Terrormiliz inhaftierte Kämpfer befreien. Die Gefechte mit den von Kurden angeführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) dauerten länger als eine Woche.

Anwohner berichteten einem dpa-Fotografen in Syrien am Donnerstag, die Gefechte rund um das Haus hätten rund drei Stunden lang gedauert. Über den nun getöteten IS-Anführer al-Kuraschi war nur wenig bekannt. Der Mann soll ursprünglich aus der syrischen Stadt Aleppo stammen. Das Ziel des US-Militäreinsatzes befand sich nur wenige Kilometer vom Ort entfernt, wo US-Spezialkräfte im Herbst 2019 den damaligen IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi bei einem Einsatz getötet hatten.

Die Rebellenhochburg Idlib wird von Islamisten kontrolliert, die gegen die Regierung des Machthabers Baschar al-Assad kämpfen. Im Bürgerkriegsland Syrien kämpft eine Militärkoalition unter Führung der USA gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Der IS hatte im Sommer 2014 große Gebiete im Norden des Irak in seine Gewalt gebracht. Kurz darauf riefen die Dschihadisten ein Kalifat aus, zu dem auch Regionen im Nachbarland Syrien gehörten. Militärisch wurde die Terrormiliz im März 2019 besiegt. Sie ist jedoch weiter in beiden Ländern aktiv und verübt immer wieder Anschläge.

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