USA Ein Texas-Deutscher erklärt sein Amerika

Herbert Gerken lebt in Kerrville, Texas - seine Vorfahren stammen aus der Nähe von Bremen.

(Foto: Johannes Kuhn)

Herbert Gerken ist stolz auf sein deutsches Erbe - und seine texanische Widerborstigkeit. Er erzählt, warum er ein Problem mit Obamas "sozialistischer" Politik hat und was er von Einwanderern verlangt.

Protokoll: Johannes Kuhn

Herbert Otto Gerken - ein Name, der auch auf einem Klingelschild in Castrop-Rauxel stehen könnte. Doch der 74-Jährige lebt in Kerrville und ist ein waschechter Texaner. Wie viele US-Amerikaner in der Gegend rund um San Antonio und Austin hat er deutsche Vorfahren (zu den bekanntesten "German Texans" gehört Dwight Eisenhower, der 34. Präsident). Gerade das hügelige "Hill Country" war im 19. Jahrhundert Ziel für Tausende deutsche Auswanderer. Das Treffen mit Gerken ist ein Treffen, um mehr über die Reste deutschen Lebens in Texas zu erfahren - immerhin stellen die deutschstämmigen Amerikaner nach einigen Berechnungen die größte Bevölkerungsgruppe in den USA. Vor der Wahl ist es auch die Gelegenheit, den Puls des wohl konservativsten Bundesstaats des Landes zu fühlen. Das Gespräch fand im September statt- vor dem Erscheinen des umstrittenen Trump-Videos.

Meine Großeltern väterlicherseits kamen 1892 in die USA, aus Hüttenbusch bei Bremen. Mein Vater war das jüngste von 14 Kindern. Die Familie meiner Mutter ist größtenteils deutsch, sie stammt aus der Gegend um Kassel. Oma und Opa haben daheim deutsch gesprochen, es mir aber nie beigebracht. Es ist auch schwierig, oder? Ich bin in Rosenberg bei Houston geboren, es gibt viele Deutschstämmige dort. Der deutsche Einfluss auf Texas ist sowieso groß, zum Beispiel das Akkordeon in der mexikanischen Musik.

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Ich frage mich, warum die Deutschen gerade hierher in diesen verlassenen Landstrich gekommen sind. Damals gab es hier nur Feldwege, die Flüsse musste man ohne Brücke überqueren. Es heißt, die Siedler hätten nie etwas gekauft, ohne das Geld dafür zu haben. Kredit? Kannten die nicht. Das ist offenbar heute noch eine deutsche Eigenschaft. Amerikaner neigen dazu, verschwenderisch zu sein. Ich selbst werfe Sachen ungern weg, wenn ich Müll auf dem Boden sehe, hebe ich ihn auf. Das ist wohl der deutsche Einfluss in mir. Meine Frau hat ihr Auto 21 Jahre lang gefahren.

Die German Texans sprechen erst seit den Achtzigern wieder so richtig über ihre Herkunft. Es gab während der beiden Weltkriege einige Feindseligkeiten gegen die Deutschstämmigen in den USA. Ein Freund erzählte mir, dass sein Vater im Zweiten Weltkrieg in Brenham, Texas - einem sehr deutschen Ort - gewarnt wurde, auf der Straße kein deutsch zu sprechen. Und das vom Ku Klux Klan.

Man hat seine Herkunft eher unter der Decke gehalten

Es wurden auch einige Deutsche interniert hier in Texas, aber nicht so viele wie bei den Japanern. Man hat seine Herkunft eher unter der Decke gehalten. Es gibt eine Generation, die deshalb die Sprache nicht gelernt hat, darum ist das texanische Deutsch heute ausgestorben. Ich bin stolz, ein Amerikaner und ein widerborstiger Texaner zu sein, aber ich bin auch stolz auf mein deutsches Erbe.

Ich habe mein Leben in der Autoindustrie verbracht, als Mechaniker und Verkäufer. Ich hatte eine eigene Werkstatt, jetzt gerade führe ich eine Werkstatt mit meinem Sohn. Ich bin ein Konservativer, aber würde mich nicht als klassischen Republikaner bezeichnen. Mein Motto ist: Du selbst bist für dein Verhalten verantwortlich, niemand sonst.

Ich werde Donald Trump wählen, Hillary Clinton ist für mich eine Lügnerin. Sie hat viele unehrliche Sachen gemacht, Tausende E-Mails gelöscht. Sie hat so viele Gesetze gebrochen, dass sie im Gefängnis sitzen sollte.

Obama war kein guter Präsident, er wollte viele sozialistische Ideen umsetzen. Sozialismus zerstört den Willen, sich selbst zu verbessern. Wenn alle das Gleiche bekommen, warum sollst du dich anstrengen? Also wirst du es nicht tun und es zieht die Gesellschaft runter. Es gibt hier zu viele Menschen, die Sozialleistungen missbrauchen, gesund sind und trotzdem nicht arbeiten. Das Problem habt ihr in Deutschland nicht, oder?