Friedensprozess Endspiel um Afghanistan

Afghanische Kinder am Rand von Jalalabad auf den Überresten eines Panzers aus der Sowjetzeit.

(Foto: REUTERS)
  • Im Friedensprozess in Afghanistan hat die gewählte afghanische Regierung nur noch eine Zuschauerrolle.
  • Stattdessen verhandelt der Sondergesandte der USA direkt mit Pakistan und den Taliban über einen Abzug aus der Region.
  • Wenn die Amerikaner ihre Mission beenden, würde das auch das Ende des Nato-Einsatzes in Afghanistan bedeuten.
Von Paul-Anton Krüger und Tobias Matern

Das Endspiel hat begonnen. Um die Zukunft eines Landes, das oft mit ansehen musste, wie fremde Mächte über sein Schicksal bestimmen. Wiederholt sich die Geschichte? Seit 17 Jahren sind die Amerikaner und ihre Verbündeten in Afghanistan - aber den Krieg werden sie militärisch nicht mehr gewinnen. Diese Erkenntnis hat die US-Regierung dazu veranlasst, mit einem bisherigen Prinzip zu brechen: dass der afghanische Friedensprozess in afghanischer Hand liegen soll.

Trumps Sondergesandter Zalmay Khalilzad war auf der Münchner Sicherheitskonferenz ein gefragter Gesprächspartner, auch wenn er sich mit öffentlichen Äußerungen zurückhielt. Er hat sich nun bereits mehrmals bilateral mit den Taliban getroffen, ohne dass die afghanische Regierung am Verhandlungstisch Platz nehmen durfte. Zudem mischt Russland kräftig mit im afghanischen Friedensprozess, ein Land mit eigener Afghanistan-Vergangenheit: Die Sowjetarmee zog vor genau dreißig Jahren geschlagen aus Afghanistan ab. In Moskau hat es in den vergangenen Wochen bereits Konferenzen unter Beteiligung der Taliban gegeben, ebenfalls ohne die Kabuler Regierung. Auch für diesen Montag war Präsident Aschraf Ghani nicht eingeladen, als sich die Islamisten und der US-Topdiplomat Khalilzad auf Einladung des pakistanischen Premierministers Imran Khan in Islamabad treffen sollten. Die Taliban sagten das Treffen in letzter Minute ab, weil Mitglieder ihrer Delegation noch auf der Schwarzen Listen der Vereinten Nationen stünden und nicht reisen dürften.

Die gewählte afghanische Regierung ist nur Zuschauer

Pakistan habe seine Verbindungen zu den Taliban genutzt, um sie davon zu überzeugen, an den Verhandlungstisch zu kommen, sagte Außenminister Shah Mehmood Qureshi der Süddeutschen Zeitung am Rande der Sicherheitskonferenz. "Ein friedliches, stabiles Afghanistan ist in unserem Interesse, und wir würden davon sehr profitieren", sagte er. Seine Regierung beabsichtige keineswegs, sich in die inneren Angelegenheiten Afghanistans einzumischen, letztlich müssten die Afghanen selbst über ihre Zukunft und die Bedingungen für eine Machtteilung entscheiden, bei der alle afghanischen Fraktionen "ein Stück des Kuchens" abbekommen.

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Aber wie der afghanische Kuchen verteilt wird - darüber hat die afghanische Regierung bislang keine direkte Mitsprache. Zwar betont US-Diplomat Khalilzad immer wieder, dass seine Aufgabe auch darin liege, einen afghanischen Friedensprozess vorzubereiten. Trotzdem ist die gewählte afghanische Regierung bisher nur Zuschauer. Dafür zeichnet sich immer deutlicher ab, was Khalilzad für die USA anstrebt: Er soll mit den Taliban Bedingungen über einen Abzug der USA ausloten und im Gegenzug sollen die Taliban garantieren, dass Afghanistan nicht wieder Rückzugsgebiet für ausländische Terroristen wird.

In München sickerte noch ein Wunsch der Amerikaner durch, der die Verbündeten beunruhigt: Khalilzad soll dem Vernehmen nach dafür sorgen, dass die Nato-Partner und andere Alliierte der USA Washingtons finanzielle Verpflichtungen am Hindukusch übernehmen. Das liefe auf einen kompletten Rückzug der Amerikaner aus dem längsten Kriegseinsatz ihrer Geschichte hinaus: militärisch und finanziell.