bedeckt München 26°

US-Wahlkampf:Wehe, wer im Rampenlicht steht

Der US-Wahlkampf hat eigene Gesetze: Die Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton and Donald Trump rufen ihre Wähler dazu auf, gegen den jeweils anderen zu stimmen.

(Foto: AFP)

Hillary Clinton versucht alles, um die Wahl zur Abstimmung über Trumps Charakter zu machen. Die Demokraten sorgen sich, weil Trump plötzlich diszipliniert ist - und die Begeisterung der Schwarzen nachlässt.

Fünf Tage vor der Präsidentschaftswahl haben Donald Trump und Hillary Clinton ein gemeinsames Ziel: Sie hämmern ihren Anhängern ein, unbedingt ihre Stimme abzugeben. Nichts sei gefährlicher, als jetzt in den Bemühungen nachzulassen, Freunde und Verwandte davon zu überzeugen, zur Wahl zu gehen. Der Republikaner sagt in Florida: "Wir werden ins Weiße Haus einziehen, aber wir dürfen es nicht vergeigen." Siegessicher ergänzt Trump: "Gebt mir noch zwei Tage, dann führe ich in allen Umfragen."

Diese Aussage ist etwas übertrieben, aber in einem hat Trump recht: Momentan holt er auf und versetzt so die vor kurzem so siegessicheren Demokraten in Sorge ( FiveThirtyEight gibt Clintons Siegchance mit nur noch 67 Prozent an). Das spiegelt eine Grundregel dieses verrückten Wahlkampfs wieder: Es profitiert der Kandidat, der nicht im Rampenlicht steht. Hauptthema sind weiter die wiederaufgenommenen FBI-Ermittlungen wegen Clintons E-Mails.

Auch wenn sich hier wenig Neues tut: Seit Tagen geht es um Clintons Charakter, ihre Geheimniskrämerei und die Frage, ob sie etwas zu verbergen habe. Direkte Folge: In der aktuellen Washington-Post-Umfrage sagen 45 Prozent, dass sie Trump für "ehrlich" halten. Clintons Wert verharrt bei extrem niedrigen 37 Prozent.

Der Trend ist einfach zu erklären: Sowohl Trump als auch Clinton sind sehr unbeliebt und es dürfte gewinnen, wer die Wahl am 8. November zur Abstimmung über den Gegner machen kann. Beispiele gefällig? Im August baut Clinton ihren Vorsprung aus, weil Trump tagelang die Soldatenfamilie Khan beleidigt. Mitte September holt der Republikaner auf, nachdem seine Rivalin bei der 9/11-Gedenkfeier einen Schwächeanfall hatte und sich alles um Clintons Fitness dreht. Und der Oktober läuft für Clinton bis kurz vor Schluss so gut, weil erst Trumps 900-Millionen-Steuerverlust bekannt wird - und dann das Pussygate-Video die Diskussion über Trumps Sexismus und den Charakter des Präsidentschaftskandidaten auslöst.

Clintons neue (und alte) Botschaft: Trump ist ein Sicherheitsrisiko

Um ihren Sieg nicht zu verspielen, passt Clinton ihre Taktik an. Vor einer Woche hatte sie noch erklärt, sie wolle nicht mehr auf Trumps Attacken reagieren, sondern ihre Pläne vorstellen. Das hat sich geändert. Sie greift den Geschäftsmann hart an und stellt ihn als Sicherheitsrisiko und Sexisten dar: "Er hat Frauen niedergemacht, beleidigt und angegriffen."

Doch bislang ist es nicht gelungen, die Diskussion zu verändern oder den Republikaner zu provozieren. Trump zeigt eine erstaunliche Selbstdisziplin und bleibt on message: Er spricht viel über Clintons E-Mails, um seine "Ich bin der Außenseiter, der im korrupten Washington aufräumt"-Botschaft zu betonen und erinnert daran, wie stark die Beiträge für die Obamacare-Versicherung steigen werden.

In diesem Mittwoch drehte sich in den USA fast alles um das Finale der World Series im Baseball. Was sonst noch im Wahlkampf geschah: