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US-Wahlkampf:"Wir haben kein Land, wenn wir keine Grenze haben"

Dieser Moment wird in Erinnerung bleiben und er überschattet die Tatsache, dass die TV-Debatte in Las Vegas das beste aller drei Aufeinandertreffen ist: Erstmals ist zeitweise so etwas wie eine Debatte über Sachpolitik zu erkennen, auch durch die kompetente Moderation von Fox-News-Mann Wallace, der immer wieder nachfragt und die Kandidaten unterbricht. "Wir haben kein Land, wenn wir keine Grenze haben", rechtfertigt Trump seine harte Einwanderungspolitik mit dem Schutz vor "bösen Hombres" (spanisch für Männer).

Clinton dagegen spricht von einer "Nation von Einwanderern und einer Nation der Gesetze" und verspricht Reformen statt Massenabschiebungen. Clinton verteidigt das Recht auf Abtreibungen ("Die Regierung hat sich nicht einzumischen"), während Trump davon ausgeht, dass die von ihm ernannten Obersten Richter dieses Recht wieder kassieren würden.

Das Publikum lacht über Trumps "Respekt vor Frauen"

Die Positionen der beiden Kandidaten sind bekannt - an diesem Abend wird erneut klar, dass sich der Republikaner nur oberflächlich mit den Problemen beschäftigt hat. Er verspricht ein achtprozentiges Wirtschaftswachstum, wie es das Schwellenland Indien erreicht, und Freihandel zu amerikanischen Bedingungen. Dazwischen bügelt er die Vorwürfe wegen sexueller Belästigung ab: "Entweder die Frauen wollten bekannt werden oder die Kampagne der Clintons steckt dahinter."

So recht überzeugend ist seine Verteidigung nicht immer: "Niemand hat mehr Respekt vor Frauen", sagt Trump an einer Stelle und das Publikum muss lachen und von Moderator Wallace ermahnt werden. Zwischendurch unterbricht er immer wieder seine Gegnerin, einmal rutscht ihm ein "was für eine fiese Frau" heraus.

Hillary Clinton versteht es, Trump immer wieder aus der Reserve zu locken. Sie wirft ihm vor, eine "Marionette" Putins zu sein ("Du bist die Marionette!", entgegnet Trump) und erklärt, dass die Hälfte aller undokumentierten Einwanderer Einkommensteuer zahlten, der Milliardärs-Kandidat aber offenbar nicht.

Sie selbst bringt die meisten ihrer Punkte sachlich und gut einstudiert an, ohne in die Tiefe gehen zu müssen. Nur in wenigen Momenten wirkt sie unsicher, als sie die Clinton-Stiftung oder ihre Aussagen über offene Grenzen ("ich will, dass wir ein Stromnetz über Grenzen hinweg haben", so die dünne Erklärung) verteidigen muss.

Doch das alles tritt in den Hintergrund, weil der Kandidat Trump längst über den Wahltag hinaus betrachtet werden muss. Erstmals strahlte der Republikaner die Debatte mit Vor- und Nachprogramm auf seiner Facebook-Seite aus. Auch im Falle einer Wahlniederlage dürfte er eine politische Figur mit überzeugter Gefolgschaft und hoher Medienpräsenz bleiben.

Die Frage ist, wie viel Schaden er dann bereits an den demokratischen Grundfesten der USA angerichtet haben wird.

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