US-Wahlkampf:Falsche Zahlen über Afroamerikaner

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Am vergangenen Samstag retweetete Trump bei Twitter eine Infografik zu Gewaltverbrechen, die behauptet, dass 81 Prozent aller weißen Amerikaner von Schwarzen getötet würden. Auch diese Behauptung ist völlig falsch: Die korrekte Zahl für das Jahr 2014 ist 15 Prozent - das zitierte "Crime Statistics Bureau" existiert gar nicht (mehr bei PolitiFact). Bisher ist der Tweet nicht gelöscht - und Trump hat nichts richtiggestellt.

Diese Aussagen sowie die Tatsache, dass Trump sich auch noch für die Wiedereinführung von Foltertechniken wie Waterboarding ausspricht, sind schon bestürzend genug. Noch schlimmer ist es jedoch, dass ihm kaum einer seiner Rivalen widerspricht und auch andere führende Republikaner sich bedeckt halten. Dana Milbank, Kolumnist der Washington Post, bringt es auf die geniale Formel: "Der Lügner und die Lemminge" - aus Angst, die vielen wütenden Trump-Anhänger zu vergraulen, schweigen Ted Cruz und Co. oder weichen aus.

"Ich erinnere mich nicht daran. Aber es kann auch sein, dass ich diese Sachen vergessen habe", sagte Chris Christie treuherzig - dabei betont er sonst bei jeder Gelegenheit, wie er am 11. September um seine Frau bangte, die in Manhattan arbeitete. Auch Ben Carson unterstützte Trump zunächst, bevor er sich - wie so oft - auf ein Missverständnis berief.

Deutlich geäußert haben sich nur Marco Rubio ("Das stimmt einfach nicht"), Jeb Bush ("abscheulich") sowie der chancenlose Bewerber George Pataki, der während der Anschläge New Yorks Gouverneur war.

Doch was ist mit MitchMcConnell, dem obersten Republikaner im Senat? Oder Paul Ryan, dem neuen Speaker des Repräsentantenhauses? Oder Ex-Präsident George W. Bush? Sie alle schweigen ebenso wie Reince Priebus, der nominelle Parteichef der Republikaner (seine Macht ist jedoch verschwindend gering im Vergleich mit Merkel, Gabriel oder Seehofer). Zwar gibt es einige konservative Experten und Berater, die Trumps Äußerungen als "faschistisch" bezeichnen (mehr bei CNN), doch im Allgemeinen hält sich die Parteielite seit Tagen zurück.

Zeitungen beklagen Trumps "rassistische Lügen"

Es sind vor allem die großen Zeitungen, die auf ihren Meinungsseiten an das Gewissen und die Verantwortung der Partei appellieren. "Die Grand Old Party muss sich gegen Trumps Hasspolitik wehren", fordert die Washington Post und vergleicht den Milliardär mit einem Tyrann auf dem Schulhof. Dessen Schikanen würden nur aufhören, wenn sich alle beschweren und Stellung beziehen.

Die New York Times vergleicht Trump mit dem paranoiden Kommunistenjäger Joseph McCarthy und dem rassistischen Südstaaten-Gouverneur George Wallace. Die Zeitung sieht aber nicht nur die Parteifreunde in der Pflicht - auch die Journalisten seien gefordert, Trumps "rassistische Lügen" aufzudecken und ihn damit zu konfrontieren.

Das konservative Wall Street Journal erinnert an andere Ausfälle Trumps gegenüber Frauen, Latinos und anderen Politikern wie John McCain, um dann das Phänomen "The Donald" zu analysieren. Es liege an der weit verbreiteten Wut und Unsicherheit in der US-Gesellschaft (mehr in diesem US-Blog), dass diese Ausfälle dem Republikaner nicht schaden würden.

Zu den republikanischen Präsidentschaftsbewerbern, die dem Immobilien-Mogul aus New York Paroli bieten, gehört stets John Kasich, der Gouverneur aus Ohio. Kasich, der in den Umfragen im einstelligen Bereich liegt, klagt in den TV-Debatten am lautesten darüber, wie sehr Trumps Aussagen der Grand Old Party schaden. Der Wahlverein, der John Kasich unterstützt, bringt nun den ersten TV-Werbespot in einige amerikanische Wohnzimmer, der viele lächerliche Aussagen Trumps dokumentiert.

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