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US-Wahl:Trump-Wähler verdienen überdurchschnittlich

Vergleicht man nur die Wähler der Republikaner miteinander, sieht es für die Trump-Wähler schon nicht mehr so gut aus. So haben 50 Prozent der Unterstützer des gerade aus dem Rennen ausgeschiedenen Trump-Konkurrenten Ted Cruz einen College-Abschluss. Und sogar 64 Prozent derer, die für John Kasich abgestimmt haben. Trump-Anhänger sind also überdurchschnittlich gebildet, vergleicht man sie mit allen US-Amerikanern und unterdurchschnittlich, nimmt man nur die Republikaner als Vergleichswert.

Interessant ist hier auch folgender Zusammenhang: Für jedes Prozent mehr an College-Absolventen innerhalb der Wähler über 25, fällt der Anteil an Stimmen für Donald Trump um 0,65 Prozent. Das bedeutet: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Amerikaner Trump wählt, steigt überproportional, je niedriger sein Bildungsabschluss ist.

Sind sie arm?

Auch zur finanziellen Situation der Trump-Anhänger hat Nate Silver interessante Zahlen zusammengetragen. Demnach verfügen sie über ein mittleres Jahreshaushaltseinkommen von etwa 72 000 Dollar. Das liegt deutlich über dem Wert, den ein Haushalt landesweit zur Verfügung hat, nämlich 56 000 Dollar. Die Anhänger der demokratischen Bewerber Hillary Clinton und Bernie Sanders liegen bei etwa 61 000 Dollar.

Republikanische Wähler sind allerdings durchschnittlich deutlich wohlhabender als demokratische. Außerdem geben reiche Bürger bei Vorwahlen tendenziell häufiger ihre Stimme ab als ärmere. US-Bürger mit Einnahmen von weniger als 30 000 Dollar im Jahr - also Geringverdiener - wählen eher Clinton und Sanders als einen der republikanischen Bewerber.

Betrachtet man nur die Republikaner, wird deutlich, dass Trumps Wähler in dieser Gruppe eher unter den weniger Reichen zu finden sind. Die Anhänger von John Kasich verfügen hier mit rund 91 000 Dollar über das höchste mittlere Einkommen.

Sind sie wütend?

Die Trump-Anhänger, das zeigen die Daten, stehen besser da als der Durchschnitt der Amerikaner. Zum Beispiel beim Einkommen, der Bildung. Trotzdem fühlen sie sich unverstanden und übergangen.

So hat die Rand Corporation US-Wähler gefragt, ob sie folgendem Statement zustimmen: "Leute wie ich haben keinen Einfluss darauf, was die Regierung tut."

Das Ergebnis ist überwältigend eindeutig. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand, der diesem Statement zugestimmt hat, Trump bevorzugt, war 86,5 Prozent höher als bei den anderen Kandidaten, die abgefragt wurden.

Das Gefühl von Machtlosigkeit ist demnach ein viel besserer Indikator dafür, ob jemand Trump-Anhänger ist oder nicht als Faktoren wie Alter, Rasse, Bildung, Einkommen oder auch die Einstellung gegenüber Muslimen und Migranten.

Und aus dem Gefühl der Machtlosigkeit entsteht Wut und Ablehnung.

So gibt es starke Hinweise in den Daten darauf, dass unter den Trump-Wählern Intoleranz und Rassismus signifikant weiter verbreitet sind, als unter den Wählern anderer Kandidaten. Laut einer Online-Umfrage, die die New York Times ausgewertet hat, ist sich demnach jeder fünfte Trump Anhänger nicht sicher, ob die Befreiung der Sklaven nicht doch ein Fehler war. ( Die Umfrage wird allerdings aufgrund methodischer Mängel kritisiert.)

Was bleibt also vom weißen, männlichen, alten, armen, dummen und wütenden Trump-Wähler?

Es gibt ihn. Aber es gibt noch viel mehr. Trump hat innerhalb der republikanischen Wählerschaft eine breite Unterstützung. Der typische Trump-Wähler ist eher Mittelklasse als Arbeiterklasse. Er verdient überdurchschnittlich, ist überdurchschnittlich gebildet. Und weiß. Kurz: Er gehört in den USA zur privilegierten Klasse. Es geht ihm im Vergleich zu Millionen anderen gut. Und trotzdem ist er wütend. Trotzdem hat er große Angst vor dem Absturz.

Der Pessimismus ist es, der die Trump-Anhänger verbindet. Kaum mehr einer glaubt an den amerikanischen Traum. Der spä­te Ka­pi­ta­lis­mus habe "ei­nen gerech­ten re­vo­lu­tio­nä­ren Zorn ge­schaf­fen", schreibt der Pu­bli­zist An­d­rew Sullivan.

Die Zahlen zeigen: Es sind nicht die Verlierer, die Trump hinter sich versammelt, sondern die, die Angst haben, bald zu Verlierern zu werden. Und ihre Zahl ist potenziell unbegrenzt.

Donald Trump Trumps Botschafterin in Berlin Bilder

Tochter von US-Präsident Donald Trump

Trumps Botschafterin in Berlin

Im Wahlkampf galt Ivanka Trump als Geheimwaffe ihres Vaters, jetzt hat sie sogar einen Schreibtisch im Weißen Haus. Wohl auch ein Grund, dass Kanzlerin Merkel sie nach Berlin eingeladen hat, um über die Gleichstellung von Frauen zu sprechen.