Kampf ums Weiße Haus So ist der Stand bei den US-Vorwahlen

Donald Trump (links) hat sich als Präsidentschaftskandidat der Republikaner durchgesetzt. Bei den Demokraten kämpfen Hillary Clinton und Bernie Sanders.

(Foto: SZ.de)

Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner steht fest: Es ist wirklich Donald Trump. Bleibt die Frage: Wer fordert den Milliardär heraus? Bernie Sanders oder Hillary Clinton?

Von Matthias Kolb, Washington

Am 3. Mai 2016 ist es plötzlich soweit: Nachdem Donald Trump überraschend deutlich die Republikaner-Vorwahl in Indiana gewonnen hat, steigt mit Ted Cruz der letzte ernstzunehmende Rivale aus dem Rennen aus (John Kasich folgt tags darauf). Damit steht fest, was alle Umfragen ahnen ließen und doch lange unmöglich schien: Der vor allem bei Frauen, Latinos und Schwarzen äußerst unbeliebte Immobilien-Milliardär ist der Präsidentschaftskandidat der Republikaner.

Bei den Demokraten liegt Hillary Clinton vorn, doch ihr Herausforderer Bernie Sanders denkt nicht ans Aufgeben. Der Senator aus Vermont, der deutlich weiter links steht als die Ex-Außenministerin, hofft darauf, am 7. Juni in Kalifornien zu siegen und dann die superdelegates (das sind Partei-Insider, zumeist Abgeordnete und Funktionäre) von sich überzeugen zu können.

So setzte sich Donald Trump durch

In Iowa, wo traditionell die allererste Vorwahl stattfindet, feierte der erzkonservative Senator Ted Cruz einen deutlichen Sieg über Trump. Doch der Immobilien-Milliardär war anschließend nicht zu stoppen: Er siegte klar in New Hampshire, Nevada und South Carolina. Die Bevölkerung dieser Staaten ist äußerst unterschiedlich, was vermuten ließ, dass Trumps Botschaft bei vielen Schichten der US-Bevölkerung ankommt. Jeb Bush, den viele Mitte 2015 für den Top-Favoriten hielten, stieg Ende Februar aus dem Rennen aus.

Am Super Tuesday, dem wichtigsten Tag des Vorwahlkampfes, siegte Trump in sieben Staaten (Übersicht hier). Da Cruz zeitgleich in seinem Heimatstaat Texas und Oklahoma gewinnen konnte, etablierte er sich als schärfster Trump-Rivale. Marco Rubio, der junge Hoffnungsträger des Establishments, beendete am 15. März seine Kandidatur, nachdem der Milliardär in Rubios Heimatstaat Florida triumphiert hatte. Trump, der Rubio ständig als "Liddle Marco" verspottete, siegte zudem in Illinois und North Carolina. Am Super Tuesday gewann Ohios Gouverneur John Kasich seinen Heimatstaat - und nahm dies als Legitimation, wochenlang im Rennen zu bleiben.

Anfang April schöpfte das konservative Anti-Trump-Lager Hoffnung, als Cruz den Milliardär in Wisconsin besiegte. Alle Pläne, wie Trumps Krönung beim Parteitag durch Verfahren-Tricks verhindert werden könnte, blieben Fantasie: Der Milliardär siegte haushoch in seiner Heimat New York und gewann Ende April nahezu alle Delegierten bei den Vorwahlen in Pennsylvania, Maryland, Delaware, Rhode Island und Connecticut. Nun war das Ende klar: Trump wird Kandidat und die Grand Old Party liegt in Scherben.

So verlief das Rennen der Demokraten bisher

In Iowa konnte sich Hillary Clinton äußerst knapp durchsetzen, während die moderateren Wähler in New Hampshire Bernie Sanders den ersten Sieg bescherte. Clinton siegte später in Nevada und South Carolina - und zementierte ihren Favoriten-Status vor dem Super Tuesday am 1. März.

Clinton konnte auch alle Staaten der Vorwahlen am 15. März für sich gewinnen (Florida, Ohio, Illinois, North Carolina und Missouri), Widersacher Sanders ging in dieser Runde komplett leer aus. Da die Delegierten in der demokratischen Partei proportional zum Ergebnis vergeben werden, konnte sich Clinton jedoch nicht uneinholbar absetzen.

Der Senator aus Vermont konnte nach einem überraschenden Erfolg im Industriestaat Michigan durch Siege in sieben Bundesstaaten (Idaho, Utah, Alaska, Hawaii, Washington, Wisconsin, Wyoming) seinen Rückstand zwischenzeitlich deutlich verkürzen. Allerdings liegt die Ex-Außenministerin nach Erfolgen in den bevölkerungsreichen Staaten New York, Pennsylvania und Maryland so weit vorn, dass sie spätestens am 7. Juni endgültig als Herausforderin von Trump und mögliche Nachfolgerin von Barack Obama feststehen dürfte.

Das sind die Kandidaten der Demokraten

Hillary Clinton hat von Beginn an mit Problemen zu kämpfen. Sie kommt bei jungen Erwachsenen (auch bei Frauen) nicht so richtig gut an. Zudem schwächelt sie bei Wählern, denen "Ehrlichkeit" wichtig ist. Ihre Umfragewerte sind historisch schlecht - allerdings nicht ganz so miserabel wie jene von Donald Trump. Der "demokratische Sozialist" Sanders hat Clinton gezwungen, nach links zu rücken.

Sanders' Botschaft einer "politischen Revolution", die das Land gerechter macht, kommt gut an bei Wählern, die besonders liberal und weiß sind - doch er tut sich fast immer schwer, Latinos und Schwarze zu überzeugen. Der enorme Rückhalt unter Afroamerikanern machen Clinton nahezu unbezwingbar. Der Vorsprung bei den Delegieren auf Sanders ist groß. Für ihren Sieg spricht auch, dass sie von einer überwältigenden Mehrheit der Superdelegierten unterstützt wird - diese superdelegates sind Partei-Insider (Abgeordnete und Funktionäre), die beim Parteitag abstimmen.

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Das waren die Kandidaten der Republikaner

Donald Trump hat die große Mehrheit aller Staaten gewonnen. Schnell war klar, dass Stimmen für ihn keine Verschwendung sein müssen, sondern Schockwellen ans Establishment senden. Seine wütenden Fans unterstützen ihn voller Überzeugung und der Geschäftsmann weiß, was er tun muss, damit die Medien über ihn berichten. Gefährlich werden konnte ihm lange nur der Texaner Ted Cruz, der die Tea-Party-Fahne hochhält und jahrelang als Anti-Establishment-Politiker gefürchtet war und von seinen Kollegen im Senat verachtet wurde. Von den 17 Bewerbern hielten Floridas Senator Marco Rubio, Ohios Gouverneur John Kasich und der Ex-Gehirnchirurg Ben Carson halbwegs lange durch - alle anderen wurde vom "Phänomen Trump" hinweg gefegt.

Das passiert als nächstes

Die allerletzten primaries werden am 7. Juni abgehalten - und zwar in Kalifornien, Montana, New Jersey, New Mexico und South Dakota.

Die Parteitage finden im Frühsommer statt: Die Republikaner kommen vom 18. bis zum 21. Juli in Cleveland zusammen; kurze Zeit später treffen sich die Demokraten in Philadelphia (25. bis 28. Juli). Wann die Kandidaten bekannt geben, wen sie als Vizepräsident mit ins Weiße Haus nehmen wollen, ist völlig offen. Für den Herbst sind drei TV-Debatten (26. September sowie am 9. und 19. Oktober ) geplant, bevor am 8. November 2016 der Nachfolger von Barack Obama gewählt wird.

Hier gibt es noch mehr Infos

Alle Artikel der Süddeutschen Zeitung über die US-Präsidentschaftswahl 2016 finden Sie auf unserer Themenseite.

Im US-Blog von SZ.de wird beschrieben, mit welchen Mitteln die Kandidaten Wahlkampf machen und wie der Kampf ums Weiße Haus in der Popkultur aufgegriffen wird.