US-Wahl Was passiert, falls Trump aufgibt

Donald Trump kämpft schon wieder mit einem Skandal.

(Foto: dpa)

Nach dem Skandalvideo scheint die Kampagne des Republikaners am Ende. Doch was geschieht, sollte er sich wenige Wochen vor der Wahl tatsächlich aus dem Rennen um die Präsidentschaft zurückziehen?

Von Sebastian Gierke

Ungezählte Skandale und Fehltritte hat Donald Trump in den vergangenen Monaten überstanden. Er hat sich Ausfälle geleistet, die die Kampagne jedes anderen Kandidaten beendet hätten. Er hat sie überstanden. Doch jetzt, genau einen Monat vor der Wahl, könnte Donald Trump tatsächlich am Ende sein.

Zwei Tage vor der nächsten TV-Debatte der Präsidentschaftskandidaten ist der Republikaner durch ein aufgetauchtes Video unter massiven Druck geraten. Es wurde von der Washington Post veröffentlicht und stammt aus dem Jahr 2005. Darin ist zu hören, wie der damals bereits mit seiner jetzigen Frau Melania verheiratete Trump in drastischen Worten seinen Versuch beschreibt, eine andere Frau zu verführen (Details hier).

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Namhafte Republikaner distanzierten sich wegen dieser anzüglichen und abwertenden Äußerungen über Frauen sofort von Trump - und zwar mit Worten, wie sie so deutlich von einigen noch nie zu hören waren.

US-Medien sprachen bereits kurze Zeit später von einer "Bombenexplosion" im Wahlkampf, von der sich Trump möglicherweise nicht mehr werde erholen können. Der Kommentator Bob Beckel erklärte auf CNN: "Dieser Wahlkampf ist vorüber. Es gibt kein Rennen um die Präsidentschaft mehr." Noch am Samstag würden mächtige Parteispender Trump den Geldhahn zudrehen.

Und der Egomane Trump hat etwas getan, was bislang noch nicht vorgekommen war: Er hat sich entschuldigt.

Kann Trump das politisch überstehen? Der Republikaner Jon Huntsman, ehemaliger Gouverneur von Utah, hat ihn bereits zum Rückzug aufgefordert. Ein solcher Schritt erscheint äußerst unwahrscheinlich. Trump selbst sagte am Samstag dem Wall Street Journal: "Ich habe noch nie in meinem Leben zurückgezogen. Null Chance, dass ich gehe." Undenkbar ist allerdings nichts mehr im Wahlkampf 2016. Immer wieder wurde in den vergangenen Monaten spekuliert, dass Trump zurücktreten könnte, sobald eine Niederlage unabwendbar erscheint.

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Doch wie könnte Trumps Kampagne enden? Wer würde ihm nachfolgen?

Klar ist: Niemand kann Trump zwingen, seine Kandidatur aufzugeben. Nicht die Partei der Republikaner, auch nicht ihr Vorsitzender. Trump müsste seinen Rücktritt selbst gegenüber der Parteispitze erklären.

Sollte sich Trump, der immerhin in einem langen Vorwahlverfahren demokratisch gewählt wurde, tatsächlich zu diesem radikalen Schritt entscheiden und das nur wenige Wochen vor der Wahl, müsste schnell gehandelt werden. Der Wahltermin ist der 8. November.