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Frauenfeindliche Aussagen:Top-Republikaner zeigen sich "angewidert"

Paul Ryan wird am Samstag nicht gemeinsam mit Donald Trump auftreten.

(Foto: AP)
  • Nach Trumps aufgetauchten Aussagen über Frauen distanzieren sich Republikaner wie Paul Ryan vom Kandidaten, bleiben aber bei ihrer Wahlempfehlung.
  • Auch Politiker wie John Kasich und John McCain kritisieren Trump scharf.
  • Politiker aus Utah ziehen ihre Unterstützung zurück. "Ich könnte meiner 15-jährigen Tochter nicht in die Augen sehen", sagt der Abgeordnete Jason Chaffetz.

Nach der Veröffentlichung neuer frauenfeindlicher Aussagen Donald Trumps wartete die politische Öffentlichkeit auf die Signale aus der Partei. Im Mittelpunkt des Interesses: Paul Ryan, republikanischer Sprecher des Repräsentantenhauses.

Der Politiker aus Wisconsin ist nicht nur der ranghöchste Konservative in Washington, er gilt auch als das Vorzeige-Gesicht der Partei (und aussichtsreicher Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2020). Sein leichtes Zögern bei der Wahlempfehlung für den Milliardärs gab ihm eine gewisse Glaubwürdigkeit. Vor allem aber hatte er vor, am Samstag gemeinsam mit Trump in seinem Heimatstaat aufzutreten.

Ryan ließ sich lange Zeit und besprach sich mit Parteifreunden, bevor er am Abend eine Erklärung verbreiten ließ: "Es macht mich krank, was ich heute gehört habe", heißt es dort. "Frauen sind zu unterstützen und zu verehren. Ich hoffe, dass Mr. Trump die Situation mit der angemessenen Ernsthaftigkeit behandelt und daran arbeitet, dem Land zu demonstrieren, dass er Frauen mit größerem Respekt begegnet als der Videoclip dies nahelegt."

Kein Auftritt in Wisconsin

Trump werde nicht mit ihm in Wisconsin auftreten, stattdessen wird Vize-Kandidat Mike Pence die Bühne mit Ryan teilen. Das Trump-Team erklärte, der Kandidat werde sich am Samstag auf die Debatte vorbereiten. Pence selbst ignorierte am Rande eines Wahlkampf-Auftritts am Freitag Fragen über die Aussagen des Kandidaten. Die Nachrichtenagentur AP berichtet unter Berufung auf sein Umfeld, der Vize sei "außer sich" gewesen, als er von der Enthüllung erfahren habe.

Von seiner Wahlempfehlung für Trump rückte Ryan nicht ab. Eine ähnliche Strategie verfolgt Reince Priebus, der Parteivorsitzende der Republikaner. Der ließ sich in einer Stellungname zitieren, ohne Trump mit Namen zu nennen: "Keine Frau sollte sich mit solchen Worten beschreiben lassen müssen. Niemals." In diesem Sinne, wenn auch etwas schärfer, äußerte sich auch John McCain, Präsidentschaftskandidat von 2008: Die Aussagen seien "unentschuldbar" und "Trump allein trägt die Last seines Verhaltens und er allein sollte die Konsequenzen spüren."

Konkreter wurden Trumps ehemalige Konkurrenten Jeb Bush und John Kasich, die nicht zur Wahl des Milliardärs aufgerufen hatten.

Auch Ted Cruz, Trumps letzter Konkurrent um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner, schrieb auf Twitter deutliche Worte. Trumps Aussagen seien verstörend und schlicht unentschuldbar.

Ähnlich deutlich äußerte sich Mitt Romney, republikanischer Kandidat 2012 und inzwischen ein erbitterter wie machtloser Gegner des Immobilien-Unternehmers.

Erste Randfiguren aus der Partei fordern radikalere Maßnahmen: Mark Kirk, Senator aus Illinois, rief Trump zum Rückzug und seine Partei zu einem Notfallplan auf.

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Fiorina: Trump soll Platz für anderen Bewerber machen

Trumps einstige Rivalin um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner, Carly Fiorina, sagte, Trump solle Platz für einen anderen republikanischen Bewerber machen. Der Milliardär "repräsentiert weder mich noch meine Partei", sagte sie. Ähnlich äußerten sich mehrere Senatoren und Abgeordnete des Repräsentantenhauses sowie ranghohe Parteifunktionäre.

Am deutlichsten positionierten sich Politiker aus dem als besonders fromm geltenden Utah: Jason Chaffetz, einflussreicher republikanischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus und Kritiker Clintons, zog seine Unterstützung von Trump zurück. "Ich könnte meiner 15-jährigen Tochter nicht ins Gesicht sehen."

Gouverneur Gary Herbert widerrief seine Wahlempfehlung für Trump ebenfalls indirekt und erklärte, weder für ihn, noch für Clinton zu stimmen. Sein Vorgänger Jon Huntsman forderte die Absetzung des Kandidaten. "Dieser Wahlkampf war nichts als eine Abwärtsspirale", erklärte er der Salt Lake Tribune. "Jetzt ist die Zeit gekommen, dass Gouverneur Pence der Hauptkandidat wird."

Dies wäre nur möglich, wenn Donald Trump die Kandidatur aufgeben würde. Das gilt als unwahrscheinlich.