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US-Wahl:Was sich die größten Trump-Fans wünschen

Überzeugte Konservative (31 Prozent)

Diese Gruppe ist nicht nur zahlenmäßig am größten: Ihre Mitglieder unterstützen Trump ohne Wenn und Aber. Sie blicken misstrauisch auf Einwanderer (vor allem auf Muslime), definieren "echte Amerikaner" als Christen, die den Großteil ihres Lebens im Land verbracht haben und sind überzeugt, dass Weiße gegenüber Latinos und Schwarzen benachteiligt werden ( 55 Prozent aller weißen US-Bürger denken so).

Höhere Steuern lehnt diese Gruppe ebenso ab wie Abtreibung oder die Homo-Ehe. Staatliche Auflagen sind ihnen ein Graus, Obamacare ist für sie der Weg in den Sozialismus und drei Viertel halten Klimawandel für nicht-existent. Diese Ultrakonservativen sind wohlhabender als die "Bewahrer des alten Amerikas", sie waren während der Vorwahlen oft Fans von Ted Cruz und schätzen es, wenn Politiker keine Kompromisse eingehen. Hier ist der Anteil an Männern am größten und die Nachrichten werden obsessiv verfolgt (vor allem Fox News und Talkradio).

Für Trump heißt das: Bisher deckt sich die präsidiale Agenda mit den Vorstellungen der Gruppe - und mit Neil Gorsuch kam ein Hardliner ans Oberste Gericht. Sie schätzen, dass Trump die Abschaffung von Obamacare und Steuersenkungen fordert. Blockiert werde dies durch das republikanische Establishment, das seit Langem seine Versprechen nicht einhält.

Marktgläubige (25 Prozent)

Die Motive der Free Marketeers sind ganz andere: Sie waren vor allem gegen Hillary Clinton (99 Prozent denken schlecht über sie) und haben eher widerwillig Trump gewählt. Sie sind überzeugt, dass freie Märkte Probleme besser lösen als Politiker oder Bürokraten und sie sehen Freihandel als etwas Positives. Trumps Versuche, den Nafta-Deal mit Mexiko und Kanada neu zu verhandeln, sehen sie kritisch.

Die Marktgläubigen sind die größten Optimisten: Mitmenschen halten sie mehrheitlich für faire Zeitgenossen und das politische System benachteilige niemand. Diese Gruppe möchte zwar illegale Einwanderung begrenzen, doch mit legaler Migration hat sie kein Problem. Dies könnte daran liegen, dass 39 Prozent der Marktgläubigen einen Uni-Abschluss haben und überdurchschnittlich gut verdienen. Der Staat soll sich aus ihrem Alltag heraushalten und Reiche keineswegs stärker besteuern.

Für Trump heißt das: Die Marktgläubigen schätzen, dass Trump Auflagen der Obama-Ära zurückdreht. Dass die Mauer an der Grenze zu Mexiko bislang nicht gebaut wurde, ist dieser Gruppe egal: Sie hofft auf eine Entlastung bei der versprochenen Steuerreform. Rumoren tut es in dieser Gruppe auch nicht.

Gegner des Establishments (19 Prozent)

Die Mitglieder dieser Gruppe haben wenig Bindungen an die Republikaner. Jeder Vierte der Anti-Elites wählte 2012 noch Obama: Diese Zahl erinnert daran, dass 2016 Trump für Veränderung stand. Die Vorbehalte gegenüber Hillary Clinton waren enorm: Nur jeder elfte Wähler in dieser Gruppe dachte positiv über sie. Ekins hält trocken fest: "Ein anderer Demokrat hätte hier besser abgeschnitten."

Die Anti-Establishment-Wähler sehen Einwanderung nicht als Problem an: Sie haben nichts gegen Latinos und Schwarze, sondern etwas gegen Reiche. 83 Prozent nehmen das politische System als ungerecht wahr. Höhere Steuern für Wohlhabende sind in dieser Gruppe äußerst populär - sowohl Einkommen als auch Bildungsniveau ist eher unterdurchschnittlich. Auffällig: Da das politische Engagement und der Konsum von Nachrichten gering sind, dürften viele Trumps Provokationen nicht mitkriegen.

Für Trump heißt das: Dass der Präsident Washington aufmischt und sich nicht verbiegt, gefällt den Kritikern der Eliten. Da es wirtschaftlich gut läuft, hat sich ihre Lage nicht verschlechtert. Wenn Trump allerdings keine Gesetze durchsetzt (oder diese dem Normalbürger schaden), dürfte sich die Gruppe enttäuscht abwenden.

Entfremdete (5 Prozent)

Die kleinste Gruppe ist überzeugt, dass das politische und das wirtschaftliche System korrupt sind und nur ein Außenseiter helfen kann. Sie haben sich abgekoppelt von der Politik (Forscherin Ekins nennt sie disengaged) und möchten etwa die Einreise von Muslimen begrenzen. Sie sind relativ jung (60 Prozent sind unter 45), überwiegend weiblich und verfügen über eher geringe Bildung und wenig Vermögen. Sie wollen, dass die sozialen Sicherungssysteme erhalten bleiben und in Infrastruktur investiert wird. Für keine andere Gruppe ist es wichtiger, dass Politiker Kompromisse suchen.

Für Trump bedeutet das: Er hatte viele dieser Wähler an die Urnen gebracht und muss zeigen, dass er sich für sie einsetzt und ihre Lage verbessert. Sollte Trump nur Radau machen, dann wenden sie sich wohl ab und werden zu Nichtwählern.