US-Priester Andrew Brunson Missionar in Geiselhaft

Seit 23 Jahren lebt Andrew Brunson mit seiner Frau in der Türkei, seine Kinder sind dort aufgewachsen. Nun soll der Geistliche als Unterstützer von Terroristen verurteilt werden.

Von Markus C. Schulte von Drach

Das Verhältnis zwischen den USA und der Türkei ist seit längerer Zeit belastet - unter anderem durch verschiedene Positionen in der Syrien-Politik und die von Ankara geforderte Auslieferung des türkischen Predigers Fethullah Gülen.

Dazu kommt, dass der US-Bürger Andrew Craig Brunson in türkischer Haft sitzt. In diesem Fall ist der Streit nun eskaliert. Die USA haben Sanktionen gegen zwei Mitglieder der türkischen Regierung verhängt - Innenminister Süleyman Soylu und Justizminister Abdülhamit Gül.

Brunson wurde nach dem Putschversuch in der Türkei im Oktober 2016 verhaftet, dem evangelischen Geistlichen wirft die türkische Justiz Spionage und die Unterstützung von Terroristen vor. Er soll Kontakte zur PKK gepflegt haben. Zudem wird ihm vorgeworfen, sich im Auftrag der CIA an der Planung des Putschversuchs beteiligt zu haben. Brunsons angebliches Ziel: eine Art christliches Kurdistan. Ihm drohen bis zu 35 Jahre Haft.

US-Präsident Donald Trump hatte auf Twitter bereits Sanktionen angekündigt, wenn der "unschuldige Mann des Glaubens", ein "großartiger Christ, ein Familienmensch", nicht freigelassen würde. Nach 21 Monaten Haft war der 50-Jährige am 25. Juli aus gesundheitlichen Gründen in den Hausarrest überstellt worden. Das aber ist den USA nicht genug.

Brunson lebt seit 1993 mit seiner Frau Norine in Izmir, er hat eine Tochter und zwei Söhne, die in der Türkei aufgewachsen sind. Er ist Pastor an der Diriliş Kilisesi (Auferstehungskirche) der kleinen presbyterianischen Missionsgemeinde dort. Die Evangelical Presbyterian Church, der er angehört, ist eine Abspaltung der Presbyterian Church in den USA.

Verwandte und Freunde freuen sich, als Brunson vor seinem Haus in Izmir ankommt, wo er sich nun im Hausarrest befindet.

(Foto: AP)

Der 50-jährige "Teaching Elder" Brunson, der aus Black Mountain in North Carolina stammt, war in der Türkei missionarisch tätig. Die Missionierung ist in der Türkei seit 2003 nicht mehr verboten, wird aber von der muslimischen Bevölkerung nicht gern gesehen. 2007 wurden ein deutscher Missionar und zwei türkische Konvertiten ermordet.

Brunson, dessen Kinder inzwischen in den USA leben, hatte als Missionar offenbar keinen großen Erfolg. Die Kirche, die er gemeinsam mit seiner Frau Norine leitet, ist nur ein Raum in einem Mietshaus in Izmir, die Gemeinde besteht lediglich aus wenigen Dutzend Mitgliedern.

Im Oktober war das Ehepaar Brunson verhaftet worden, Norine kam nach einigen Tagen allerdings wieder frei. Brunson selbst erklärte bei Verhandlungen vor Gericht, er sei häufig in den Südosten des Landes gereist, der vor allem von Kurden bewohnt wird. Sein Ziel sei es gewesen, dort Flüchtlinge aus Syrien zu betreuen. Kontakte zur PKK oder zur Gülen-Bewegung konnten ihm bislang nicht nachgewiesen werden. Er selbst hat vor Gericht beteuert, er habe versucht, Politik von seiner Kirche fernzuhalten.

25 Kilogramm Gewicht verloren

Das American Center for Law and Justice (ACLJ), das sich für seine Freilassung einsetzt, wirft der Türkei vor, Brunson sei nur wegen seines Glaubens verhaftet worden. Manche Fachleute gehen davon aus, dass der Pastor von der Türkei als eine Art politische Geisel eingesetzt wird, um Druck auf Washington auszuüben - ein Vorwurf, den Präsident Recep Tayyip Erdoğan zurückgewiesen hat. Allerdings wies Erdoğan in einer Rede auch schon darauf hin, dass die Amerikaner ebenfalls einen Pastor hätten - gemeint war Gülen. "Gebt uns den zurück, dann geben wir euch ihn [Brunson] zurück."

Die Verfassung des Priesters ist offenbar schlecht - weshalb er das Gefängnis verlassen durfte und sich nun in Hausarrest befindet. Im Herbst hatte er immerhin noch die Kraft, im Gefängnis ein Lied zu dichten, das seine Kirche nun verbreitet. Seiner Tochter Jacqueline Furnari zufolge hat er in der Haft etwa 25 Kilogramm Gewicht verloren. Bereits im Februar berichtete Norine Brunson auf Facebook, was ihr Mann ihr mitgeteilt habe: "Ich bin ziemlich niedergeschlagen ... ich bin sehr entmutigt." Auch in einem kurzen Brief, den seine Kirche im Juli veröffentlichte, zeigte sich Brunson enttäuscht über den Verlauf der Verhandlungen.

Vor allem Brunsons Tochter Jacqueline engagiert sich stark für die Freilassung ihres Vaters. So trat sie im März etwa vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf auf, um gegen die Verhaftung ihres Vaters zu protestieren. Der Prozess gegen Brunson soll am 12. Oktober fortgesetzt werden.

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