bedeckt München

US-Präsident im Wahlkampf:Obama rappt um sein Amt

Für den Sieg gegen Mitt Romney im November muss Barack Obama seine Fans bei Laune halten. Dafür besucht der US-Präsident ständig Colleges, will Uni-Kredite deckeln - und präsentiert seinen Vorschlag auf ungewöhnliche Art in einer Late-Night-Show.

Matthias Kolb, Washington

Auf der Bühne stehen zwei Männer in schmal geschnittenen Anzügen, sie rappen über Bildung, Uni-Kredite und den Stillstand im US-Kongress. In der Late-Night-Show von Jimmy Fallon erklärt Barack Obama, "the Preezy of the United Steezy", seinen Plan, Bildung wieder bezahlbar zu machen. Während Mitt Romney sich zur selben Zeit als Herausforderer und Wirtschaftsfachmann inszeniert, lässt Obama seinen Charme spielen und bittet die jungen Amerikaner um Unterstützung.

Dies gelingt an diesem Nachmittag in Chapel Hill, wo die Sendung aufgezeichnet wird. Die Studenten der University of North Carolina feiern ihren Präsidenten, während sich Showmaster Jimmy Fallon immer wieder die Krawatte richtet und sichtlich nervös ist. Dann beginnt der "Slow-Jam", ein typisches Element der Sendung. Während die grandiosen The Roots als Studio-Band vor sich hin jammen, erklärt Obama, dass sich die Zinsen für Studienkredite am 1. Juli verdoppeln werden, wenn der Kongress nicht seinem Vorschlag folge und dies per Gesetz verhindere. Ein solcher Anstieg sei in wirtschaftlich harten Zeiten nicht akzeptabel.

Dann greift Fallon zum Mikro: "Oh yeah. You should listen to the president. Or as I like to call him, the Preezy of the United Steezy." Immer wieder jubeln die Studenten, sei es über Obamas Attacken auf die Republikaner oder über Fallons Sprüche, der den Präsidenten als "Barackness Monster" bezeichnet. Wer könne denn etwas dagegen haben, die Kosten für die jungen, bildungshungrigen Amerikaner zu deckeln, lautet die Botschaft, die der Roots-Rapper verkündet: "Let's get it together and makes things better / because a college degree is more than some letters."

Auf Twitter heißt es: #dontdoublemyrates

Mit dem Auftritt hat Obama zwei Ziele erreicht: Er hat in einer bei jungen Amerikanern extrem populären Sendung eine gute Performance abgeliefert und für seinen Plan ("Bitte schreibt Eurem Abgeordneten und twittert mit #dontdoublemyrates über das Thema") geworben. Zugleich hat er seinem Herausforderer Mitt Romney ziemlich viel Aufmerksamkeit geklaut. Während der Republikaner nach seinem Fünffach-Erfolg den Amtsinhaber attackierte und sich als Herausforderer präsentierte, ging es in den Tweets und bei Facebook mindestens genauso oft um den Auftritt Obamas in der NBC-Show.

Dort beantwortete er auch per Twitter eingereichte Fragen und sprach unter anderem über den Prostitutionsskandal um die Secret Service-Agenten, seine Studentenzeit sowie erneuerbare Energien und Basketball. Auf seiner College-Tour kommen für die Obama-Leute gute Erinnerungen auf: 2008 wurde der Hoffnungsträger auch dank der Unterstützung der jungen Leute ins Weiße Haus gewählt. Momentan liegt Obama in Umfragen bei Amerikanern zwischen 18 und 29 deutlich vorn: 43 Prozent unterstützen den Amtsinhaber, während sich nur 26 Prozent für Mitt Romney aussprechen.

Allerdings dürfte eine andere Zahl die Strategen im Weißen Haus beunruhigen. Nur noch 45 Prozent der jungen Amerikaner zeigen "hohes Interesse" an der Wahl . Vor vier Jahren lag der Wert bei 63 Prozent. In wirtschaftlich schweren Zeiten bangen viele College-Absolventen darum, überhaupt einen Job zu finden, um ihre meist sechsstelligen Kredite abbezahlen zu können. Insofern ist viel Überzeugungsarbeit zu leisten und deswegen werden viele weitere Studenten Gelegenheit bekommen, Obama und Joe Biden aus nächster Nähe auf ihrem Campus zu sehen. In diesem Wahlkampf geht es vor allem darum, die Studenten dazu zu bringen, überhaupt ihre Stimme abzugeben.

Natürlich wurde der US-Präsident auch auf Mitt Romney angesprochen. Er habe ihn nur ein oder zwei Male getroffen, meinte Obama: "Ich würde nicht sagen, dass wir Freunde sind." Allerdings sei Ann Romney eine äußerst liebenswerte Frau und Mitt erscheine ihm als jemand, der sich sehr gut um seine Freunde kümmere, ergänzte Obama staatsmännisch. Die Zeit für härtere Attacken auf den Herausforderer wird noch kommen.

Linktipp: Den Auftritt von Obama in der Jimmy Fallon-Show gibt es im Blog der Show zu sehen - sorgsam aufgeteilt in kleine Clips.

© Süddeutsche.de/segi/beitz

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite