US-Präsident Obama im TV-Duell:Mit Pferden und Bajonetten

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Weniger Schiffe als 1916? "Wir haben auch weniger Pferde und Bajonette": Barack Obama lässt im Fernsehduell keine Gelegenheit aus, Mitt Romney veraltete Ansichten vorzuwerfen. Im Internet verbreiten sich Obamas Sprüche in Sekundenschnelle und machen seinen Herausforderer zum Gespött. Doch das ist gefährlich.

Hannah Beitzer

Würde der US-Präsident auf Twitter gewählt, der Sieger stünde schon fest: Barack Obama. Sein Herausforderer Mitt Romney versteht es zwar, sich als braver Familienvater und erfolgreicher Geschäftsmann zu inszenieren - doch im Internet wird er nach jeder TV-Debatte mit Spott und Hohn überschüttet. Erst brachte er Sesamstraßen-Fans mit der Ankündigung gegen sich auf, dem öffentlichen Sender PBS, auf dem die Sendung läuft, die Mittel zu kürzen - die "Rettet Big Bird"-Kampagne, die darauf folgte, zeichnete ihn einmal mehr als seelenlosen Kapitalisten. Auch, dass er beim zweiten Duell von "Aktenordnern voller Frauen" sprach, brachte viele gegen ihn auf.

Beim dritten und letzten Duell leistete sich Romney zwar keinen derartigen verbalen Patzer - doch nun attackierte Amtsinhaber Obama seinen Konkurrenten mit flotten Sprüchen, die sich rasend schnell im Netz verbreiteten und Romney zum Gespött machten. Der US-Präsident ließ in der Diskussion keine Gelegenheit aus, dem republikanischen Kandidaten zu suggerieren, dass dieser geopolitisch im vergangenen Jahrhundert verhaftet sei.

Schon zu Beginn der Debatte kommentierte Obama Romneys Aussage, Russland sei geopolitisch nach wie vor Amerikas "Feind Nummer eins" mit den Worten: "Die Achtziger Jahre haben angerufen, sie wollen ihre Politik zurück." Als es um Kürzungen im Militärbudget ging, setzte der Präsident noch einen drauf: "Sie sagen immer, Gouverneur, dass wir weniger Schiffe haben als 1916. Wir haben auch weniger Pferde und Bajonette - dafür haben wir solche Dinge wie Flugzeugträger."

Binnen Minuten sprang der Hashtag #horsesandbayonets auf Twitter in die Trending Topics, die Liste der wichtigsten Themen. "Ihr müsst zugeben, dass Pferde und Bajonette ein guter Weg wären, dem Klimawandel entgegenzuwirken", schreibt eine Nutzerin. "Verdammt, Ann, bring mir Rafalca (Pferdename, Red.) und das Ding, das die Haushaltshilfe benutzt, um die Blätter im Garten aufzupicken - das bedeutet Krieg!", macht sich ein anderer über Romney lustig. Obama-Fans basteln Fotocollagen, die Romney und Obama auf Pferden zeigen, auch mehrere Facebook-Seiten haben die Pferde und Bajonette schon. Sogar der Ruf nach einer neuen Band - natürlich mit Namen "Horses and Bayonets" wird laut.

Kurz: Mitt Romney steht mal wieder reichlich uncool da. Doch abseits vom Online-Klamauk könnte die flapsige Bemerkung auch auf den lockeren Obama zurückfallen, wie zum Beispiel CNN analysiert. Denn die Republikaner nutzen sie als Beweis, dass der Präsident Arbeitsplätze in Armee und Rüstungsindustrie abbauen möchte. Das könnte ihm zum Beispiel im strategisch wichtigen Swing State Virginia wichtige Stimmen kosten.

So sagt der dortige republikanische Gouverneur Bob McDonnell mit einigem Pathos: Dass Obama die Marine mit altertümlichem Kampfgerät gleichsetze, sei "eine Beleidigung für jeden Seemann, der für sein Land sein Leben riskiert".

Ein guter Gag ist eben nicht alles - man sollte immer auch wissen, wem man damit auf die Füße tritt.

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