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Urteil gegen Michael Cohen:Endlich frei von Trump

Michael Cohen, U.S. President Donald Trump's former lawyer, arrives for his sentencing at United States Court house in the Manhattan

Michael Cohen mit seinen Kindern und seiner Ehefrau (im Hintergrund). Er kann noch etwas Zeit mit ihnen verbringen, seine Haftstrafe muss er im März 2019 antreten.

(Foto: REUTERS)
  • Der ehemalige persönliche Anwalt von Donald Trump ist zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden.
  • Unter Tränen entschuldigt er sich im Gericht für die diversen Vergehen wie illegale Wahlkampffinanzierung.
  • Nach Überzeugung der Ankläger hat Trump seinen Anwalt angestiftet, Schweigegeld an zwei Frauen zu zahlen - das könnte unter Umständen gefährlich für ihn werden.

Tränen. Sie kommen Michael Cohen, als er über seine Familie spricht. Wie sehr sie darunter leiden müsse, dass er Dinge getan habe, für die er heute hier stehe. Wie sehr er sie liebe, seinen Vater, der mitgekommen ist in den Gerichtssaal an diesem Tag. Seine Mutter, seine Frau, seine Kinder. Cohen klammert sich an das Pult, von dem aus er sprechen darf an diesem grauen und kalten Dienstagmorgen in Manhattan. Er wendet seinen Kopf nach hinten, in den Zuschauerraum, dort wo er Familie und Freunde vermutet. "Es tut mir leid", sagt er knapp. Dann kommen sie ihm, die Tränen.

Das kann Kalkül sein, um Richter William Pauley milde zu stimmen. Aber dafür ist es jetzt sicher zu spät. Pauley ist nicht dafür bekannt, dass ihn emotionale Ausbrüche in seinem Gerichtssaal am Bundesgericht für den Southern District of New York beeindrucken könnten. An diesem Tag wird er die Strafe für Cohen festlegen. Eine Strafe für die acht Vergehen, derer sich Cohen schuldig bekannt hat. Mehrere schwere Fälle von Steuerhinterziehung, Bankbetrug. Und vor allem: illegale Wahlkampffinanzierung.

Gewissermaßen ist noch jemand im Raum, auch wenn er physisch gar nicht anwesend ist. Sein Name wird das eine oder andere Mal ausgesprochen: Donald Trump, früher ein TV-Star und Immobilien-Mogul in New York. Heute Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Für ihn hat Cohen seit 2007 gearbeitet, zuletzt als persönlicher Anwalt. Cohen war sein Fixer, der Mann, der aus dem Weg räumte, was Trump verbockt hatte. Wenn glaubhaft ist, was Cohen hier vor Gericht erklärt, dann war es der Fehler seines Lebens, damals das Jobangebot von Trump angenommen zu haben.

Trump wird sehr genau verfolgt haben, was an diesem Mittwoch im Saal 20 des Bundesgerichts in Manhattan passiert ist. Richter Pauley hat Cohen zu drei Jahren Haft verurteilt. Außerdem muss Cohen knapp zwei Millionen Dollar Strafe zahlen.

Einen nicht unerheblichen Teil der Haft wird er für die illegale Wahlkampffinanzierung verbüßen müssen. Und das geht Trump direkt an. Nach Cohens Aussage und nach Überzeugung der Ankläger war es der heutige US-Präsident, der Cohen angestiftet hat, kurz vor der Wahl 2016 Schweigegeld an zwei Nacktmodelle zu zahlen. Beide sagen, sie hätten außereheliche Affären mit Trump gehabt. Mit dem Schweigegeld, 130 000 Dollar für die damalige Pornodarstellerin Stormy Daniels und 150 000 Dollar für das frühere Playboy-Modell Karen McDougal, sollte Cohen verhindern, dass die Vorwürfe vor der Wahl bekannt wurden. Was auch gelang.

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Vor Gericht hatte sich der Jurist unter anderem schuldig bekannt, Steuern hinterzogen und Schweigegeld bezahlt zu haben. Zudem hatte er den Kongress bei dessen Russland-Untersuchungen belogen.

Ist Cohen schuldig, dann ist es auch Trump. Die Frage ist nur, ob und wann Trump dafür angeklagt werden kann. Nach allgemeiner Auffassung nicht, solange er im Amt ist. Und 2022 dürfte die Tat verjährt sein. Was für Trump bedeutet, dass er die Wahl 2020 schon deshalb besser gewinnen sollte, um einer Haftstrafe sicher zu entgehen.

Es ist nicht so, dass Cohen alle Schuld auf Trump schiebt. Er übernimmt die volle Verantwortung für seine Taten, sagt er. Er wolle auch seinen Kindern zeigen, was das bedeute. Unter anderem deshalb habe er das Angebot der Ankläger nicht wahrgenommen, eine Kooperationsvereinbarung zu unterschreiben. Im Gegenzug hätte er eine substanziell geringere Strafe erwarten können.

Das sehen die Ankläger etwas anders. Bundesstaatsanwalt Nicolas Roos erklärt, Cohen sei eben nicht bereit gewesen, vollständig zu kooperieren. Sondern nur dort, wo es ihm genehm gewesen sei. Nichtsdestotrotz sei die Zusammenarbeit hilfreich gewesen. Was auch die Vertreterin des Sonderermittlers in der Russland-Affäre, Robert Mueller, bestätigt. Jeannine Rhee erklärt, Cohen habe "glaubwürdige und verlässliche Informationen" geliefert, die hilfreich gewesen seien für die Ermittlungen. Muellers Team untersucht, ob und inwieweit Trumps Wahlkampfteam und die russische Regierung zusammengearbeitet haben, damit Trump die Wahl 2016 gewinnt.

Aber zurück zu Cohen, der immer noch um Milde kämpft. Er beginnt sein Statement mit einem bemerkenswerten Satz. Dieser Tag, der Tag an dem er seine Strafe entgegennehmen wird, sei für ihn "der Tag, an dem ich meine Freiheit zurückbekomme". Womit er meint: Er ist nun frei von Trump.

Er habe den Unternehmer bewundert, darum sei er auf sein Jobangebot eingegangen. Und dann sei er immer tiefer hineingerutscht. Trump habe kürzlich über ihn auf Twitter geschrieben, er sei ein Schwächling. Damit habe Trump recht. Aber nicht in dem Sinne, in dem Trump das wohl gemeint habe. Es sei seine eigene Schwäche gewesen, die ihn, Cohen, auf den "Weg der Dunkelheit statt auf den des Lichts" geführt habe.

Er habe es zu lange für seine Pflicht gehalten, hinter Trump aufzuräumen, ihn zu decken. Er habe zu oft nicht auf seine innere Stimme gehört, die ihn etwa davor gewarnt habe, das Schweigegeld zu zahlen. Er habe ja gewusst, dass das falsch war. Cohen sagt, seine Verhalten charakterisiere er heute als "blinde Loyalität" gegenüber Trump. Und sagt: "Ich verspreche, es besser zu machen."

"Er ist ein sehr guter Mann"

Wie glaubhaft das ist? Nun, als Cohens Anwalt Guy Petrillo seine Sicht der Dinge schildert, da stellt auch er Cohen als liebenden Familienvater und generösen Menschen dar, der im Grunde keiner Fliege etwas zuleide tun könne. Zweimal wird im Saal herzhaft gelacht, während Petrillo spricht. Einmal als er sagt, Cohen sei "ein Mann, dessen erste Intention es ist, zu helfen". Und das andere mal nach seinem Schlusssatz: "Er ist ein sehr guter Mann."

Richter Pauley scheint das nicht völlig von der Hand zu weisen. Und versucht sich an einer Erklärung. Er hebt hervor, dass Cohen in einem guten Elternhaus groß geworden sei, eine hervorragende Schul- und Ausbildung als Anwalt genossen habe. Er sei immer großzügig gewesen, habe viel Geld an gemeinnützige Organisationen gespendet und sei offenbar immer bereit gewesen, Hilfe auch ohne Gegenleistung anzubieten. Was ihm Pauley zugutehält. Aber, und das ist wichtig: Irgendwann in der Zeit als Trumps Anwalt habe er wohl "seinen moralischen Kompass verloren", sagt Pauley. Gerade als Anwalt hätte er besser wissen müssen, was richtig und falsch sei.

Drei Jahre also für Cohen. Er wird die Strafe am 6. März antreten müssen, hat also noch etwas Zeit mit seiner Familie bis dahin. Er darf sogar Vorschläge machen, in welches Gefängnis er will. Richter Pauley hat durchblicken lassen, dass er die Wahl akzeptieren werde.

Drei Jahre sind eine lange Zeit. Cohen ist 52 Jahre alt. Aber nur zum Vergleich: Im Frühjahr wurde in Texas eine Frau verurteilt, weil sie 2016 wählen gegangen ist. Sie hätte das nicht gedurft, weil sie wegen eines Steuervergehens auf Bewährung in Freiheit war. Sie wusste nicht, dass sie deshalb nicht wählen darf. Dennoch wurde sie wegen Wahlbetrugs verurteilt. Mit der vollen Härte des Gesetzes. Sie sitzt jetzt für fünf Jahre hinter Gittern.

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