Ureinwohner in Brasilien Planungen begannen vor 35 Jahren

Das elf Milliarden US-Dollar teure Projekt ist bereits seit 35 Jahren in Planung, wurde aber auf Grund weltweiter Proteste bisher noch nicht realisiert. Die ersten Pläne wurden 1989 nach Protestaktionen der Ureinwohner und prominenter Unterstützer wie dem Sänger Sting wieder aufgegeben.

Sie fürchten um ihre Zukunft: Amazonas-Indianer auf einem Protestmarsch gegen den geplanten Mega-Staudamm "Belo Monte". "Nehmt eure kriminellen Finger von unserem Fluss Xingú weg" steht auf dem Plakat.

(Foto: Verena Glass)

Die Regierung rechtfertigt den Riesen-Staudamm mit dem stetig steigenden Energiebedarf des Landes. Belo Monte solle vor allem günstige Energie für die Armen des Landes produzieren. Die Belastung der Umwelt sei ein Preis, den man dafür zahlen müsse. "Es lohnt sich trotzdem", schätzt ein Professor für Elektroenergie im Fernsehmagazin Bom Dia Brasil die Lage ein.

"Der Vorteil der Energie, die durch Belo Monte dem Land zu Verfügung stehen wird, ist größer als der Nachteil der Umweltbelastung." In den Monaten, in denen der Fluss wenig Wasser führt, wird der Staudamm allerdings nur mit etwa 40 Prozent seiner eigentlichen Leistung von 11.000 Megawatt arbeiten können. Trotzdem reiche das noch, um eine Stadt mit elf Millionenen Einwohnern wie São Paulo mit Strom zu versorgen.

Solarenergie kein Thema

Der Bischof der betroffenen Stadt Altamira, Dom Erwin Kräutler, sagte im Interview mit dem brasilianischen Magazin Voz de Nazaré, dass wegen der Trockenmonate weitere Staudämme gebaut werden müssen. Er kritisiert, dass vor Details wie diesen die Augen verschlossen würden. "Es ist einfacher 'Das Land braucht Belo Monte' zu rufen als in tiefergehende wissenschaftliche Studien zu dem Projekt zu investieren. Nach der Hälfte der Zeit würden die Wissenschaftler feststellen, dass wir Belo Monte nicht brauchen." Kräutler hat einen Alternativvorschlag: Der Amazonas biete ausreichend Sonne für Solarenergie.

"Falls das Staudammprojekt aber durchgeführt wird, wird Lula als der Präsident bekannt werden, der den Völkern des Flusses Xingú ein Ende gesetzt hat", bilanziert der Bischof. Denn die indigenen Völker würden allmählich verhungern. Zwar würden keine ihrer Gebiete überflutet werden, aber es würde ihnen die Nahrungsgrundlage entzogen: Dadurch, dass der Fluss Xingú gestaut werden würde, würden die Indianer kein Wasser und damit auch keinen Fisch mehr haben, erklärt Kräutler. Für ihr Hauptnahrungsmittel würden sie kaum Ersatz finden

Der katholische Missionar Luís Claudio Teixeira weist im Telefonat mit sueddeutsche.de darauf hin, dass mit Beginn des Baus viele neue Menschen in das Gebiet kommen werden, für die aber nicht die Infrastruktur vorhanden sei. "Zur Zeit wohnen in Altamira und Umgebung rund 90.000 Menschen. Mit dem Bau des Staudamms rechnet man mit 100.000 neuen Leuten. Wo sollen die alle wohnen? Der Regenwald wird zusätzlich zu dem Damm auch noch unter diesem Faktor leiden."

Marcos Apurinã, der Indianerhäuptling, kämpft beim Treffen in Mato Grosso do Sul auch gegen Belo Monte: "Ich verstehe, dass Brasilien wirtschaftliche Entwicklung braucht. Aber dafür dürfen sie doch nicht töten! Die indigenen Völker werden verhungern! Wir werden alles versuchen, um Belo Monte zu verhindern. Die Regierung tötet uns - also ziehen wir in den Krieg!"

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