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Umstrittene Geste von Laura Ingraham:Falsch gewunken, zack, Hitlergruß

The 2016 Republican National Convention

Laura Ingraham, nun ja, salutiert.

(Foto: Bloomberg)

Die Radiomoderatorin Laura Ingraham redet auf dem Parteitag der Republikaner - und beschließt ihren Auftritt mit einer umstrittenen Geste.

Von Michael König

Zu den Merkwürdigkeiten des an Merkwürdigkeiten nicht armen Parteitags der Republikaner gehört, dass die amerikanischen Medien ihn mit einer special coverage begleiten, ihm also besondere Aufmerksamkeit widmen. Das äußert sich beispielsweise so: Donald Trump ist im Anflug auf den Tagungsort Cleveland, und diverse Fernsehsender zeigen sein Flugzeug, minutenlang, versehen mit Eilmeldungen wie "Trump landet jeden Moment" oder "Trumps Ankunft wird erwartet."

Der Vorteil für die Haupt- und Nebendarsteller des Parteitags: Ihre Botschaften finden eine entsprechend große Verbreitung. Der Nachteil: Ihre Fehltritte, und seien es nur die vermeintlichen, auch. Melania Trump wurde erwischt, wie sie sich in ihrer Rede großzügig bei Michelle Obama bediente, ohne das kenntlich zu machen. Und das Pfeifkonzert gegen Ted Cruz ist ebenfalls gut dokumentiert.

Die Botschaften, die Laura Ingraham auf dem Parteitag loswerden wollte, lauteten: Die Journalisten sollten gefälligst ihre Arbeit machen. Und Hillary Clintons Nominierung sei ein Witz, genau wie hautenge Jeans oder Dutt-Frisuren für Männer.

Jetzt ist die Radiomoderatorin und Buchautorin Ingraham allerdings selbst zu einer Art Witz geworden, weil Journalisten, nun ja, ihre Arbeit gemacht haben. Sie haben beobachtet, wie Ingraham am Ende ihrer Rede eine zweideutige Geste zeigte. Sie salutierte ihrem Führer, pardon, Präsidentschaftskandidaten Donald Trump mit durchgestrecktem Arm.

Das sieht immer blöd aus, davon können Politiker aus aller Welt ein Lied singen, etwa der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, oder der österreichische Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer. Auch ihnen hat man deshalb schon - mehr oder minder ernst gemeint - unterstellt, einen Hitlergruß gezeigt zu haben.

Jetzt ist Ingraham dran, aus deren Karriere zwar zweifelhafte Äußerungen zum Thema Homosexualität überliefert sind, die sie aber längst revidiert hat. Für Gegner der Republikaner ist ihr Foto mit der finsteren Miene und dem durchgestreckten Arm wohl einfach zu verlockend. Sie müssen aber damit leben, dass ihre Favoritin ebenfalls in dieser Pose fotografiert worden ist.

Eine Stellungnahme von Laura Ingraham zu der "Affäre" ist bislang nicht überliefert. Vielleicht wird sie die Medien geißeln, vielleicht interessiert das bis dahin aber niemanden mehr. Am Donnerstagabend redet Donald Trump, dessen Merkwürdigkeit für gewöhnlich alles andere in den Schatten stellt.

© SZ.de//ghe/anri

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