Krieg in der Ukraine:Familie mit drei kleinen Kindern bei Drohnenangriff getötet

Krieg in der Ukraine: Feuerwehrleute löschen das Feuer an einer Tankstelle nach einem Angriff auf ein Wohnviertel in Charkiw.

Feuerwehrleute löschen das Feuer an einer Tankstelle nach einem Angriff auf ein Wohnviertel in Charkiw.

(Foto: Yevhen Titov/AP)

Die Ukraine meldet am Wochenende zahlreiche Luftangriffe. Besonders verheerend sind sie in der Millionenstadt Charkiw.

Von Dimitri Taube

Die Menschen in der Millionenstadt Charkiw im Nordosten der Ukraine erleben in letzter Zeit verstärkt Raketen- und Drohnenangriffe. So auch in der Nacht von Freitag auf Samstag. Diesmal waren die Attacken jedoch besonders verheerend. Nach Behördenangaben wurden mindestens sieben Menschen getötet. Darunter war auch eine fünfköpfige Familie, wie die Generalstaatsanwaltschaft später bekannt gab: ein Ehemann, seine Ehefrau, die als Bezirksstaatsanwältin arbeitete, und ihre drei kleinen Kinder. Zudem starben der Polizei zufolge ein Mann und eine Frau. Darüber hinaus seien bei dem Angriff 57 Menschen verletzt worden, teilte Charkiws Bürgermeister Ihor Terechow mit. Er rief den Sonntag zum Trauertag aus.

Bei der nächtlichen Attacke auf Terechows Stadt wurde eine Tankstelle getroffen, wie auf Aufnahmen zu sehen ist. Der Leiter der örtlichen Staatsanwaltschaft, Oleksandr Filtschakow, sagte in einem Video auf Telegram: "Es gab sehr viel Treibstoff und deshalb gibt es diese schrecklichen Folgen des Feuers." Nach Angaben des ukrainischen Innenministers Ihor Klymenko sei es zu mehreren Großbränden gekommen. Bürgermeister Terechow schrieb auf Telegram, das Feuer habe sich auf einer Fläche von 3700 Quadratmetern ausgebreitet. Die Flammen zerstörten mehr als ein Dutzend Wohnhäuser.

Wie das ukrainische Onlinemedium Kyiv Independent berichtete, habe die Polizei mit Verweis auf gesammelte Beweise erklärt, dass das Feuer durch die Detonation von drei aus Russland gestarteten Angriffsdrohnen vom Typ Shahed verursacht worden sei.

Mehrere Regionen in der Ukraine sind von den Drohnenangriffen betroffen

Charkiw war aber nicht die einzige Stadt, die am Wochenende Ziel von Luftangriffen wurde. Auch Odessa am Schwarzen Meer war betroffen - zwei Nächte hintereinander. Es gab Berichte über einige Verletzte. Und in der Nacht auf Sonntag erreichten Kiew mehrere Drohnen. Über der Hauptstadt wurden sie alle nach Angaben der Militärverwaltung beim Anflug abgeschossen - auch deshalb, weil sich Kiew aufgrund westlicher Hilfe verhältnismäßig gut gegen die Geschosse verteidigen kann.

Insgesamt seien in der Nacht auf Sonntag in verschiedenen Landesteilen von 45 Drohnen 40 abgewehrt worden, teilte die ukrainische Luftwaffe mit. Die meisten der Geschosse erreichten demnach die Regionen im Süden des Landes: Odessa, Cherson und Mykolajiw. Schwerpunkt der Attacken in Odessa soll der Küstenstreifen mit Industrieanlagen gewesen sein. Allein über dem Hafen der Schwarzmeerstadt sollen vier Drohnen abgeschossen worden sein. Das Militärkommando im Süden der Ukraine erklärte auf Telegram, dass die Luftabwehrsysteme mehr als fünfeinhalb Stunden lang im Einsatz gewesen seien. Mindestens ein Zivilist wurde dem Militär zufolge verletzt. In Mykolajiw hätten herabfallende Trümmer einer abgeschossenen Drohne und die Druckwelle Wohnhäuser und eine Gasleitung beschädigt.

Russland berichtete am Wochenende ebenfalls über Drohnenattacken. Über dem Gebiet Brjansk nahe der Grenze zur Ukraine habe die Luftabwehr in der Nacht auf Samstag drei ukrainische Drohnen abgefangen und zerstört, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Zu Schäden oder Opfern gab es keine Angaben.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusKI-Waffen
:Über die rote Linie hinausgeschossen

Waffensysteme waren in der Forschung zu künstlicher Intelligenz lange ein Tabu. Inzwischen gibt es ein Wettrüsten, bei dem nicht nur die Supermächte, sondern auch Deutschland mitmachen. Zu den Gefahren.

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: