Liveblog zum Krieg in der UkraineRussische Besatzer melden Angriff auf Brücke zur Krim

Eine Aufnahme zeigt die Beschädigung der Tschonhar-Brücke, eine von drei Anfahrtsrouten von der Krim in die ebenfalls zu Teilen russisch besetzte südukrainische Oblast Cherson.
Eine Aufnahme zeigt die Beschädigung der Tschonhar-Brücke, eine von drei Anfahrtsrouten von der Krim in die ebenfalls zu Teilen russisch besetzte südukrainische Oblast Cherson. (Foto: VLADIMIR SALDO VIA TELEGRAM/via REUTERS)

Die Tschonhar-Brücke, eine der drei Anfahrtsrouten von der Krim in die Oblast Cherson, ist laut Besatzungschef Saldo beschädigt worden. Es seien Marschflugkörper vom Typ "Storm Shadow" zum Einsatz gekommen.

Alle Entwicklungen im Liveblog

Dieser Liveblog ist archiviert und wird nicht mehr aktualisiert. Die aktuelle Berichterstattung finden Sie auf unserer Themenseite zum Krieg in der Ukraine .

Wichtige Updates
Ukraine hat vierten Verteidigungsminister seit 2022
Berichte über Tote in Russland, wieder Stromabschaltungen in der Ukraine
Parlament bremst Selenskijs geplante Regierungsumbildung 
Tote durch russischen Luftangriff auf Charkiw
Großbritannien entwickelt ballistische Rakete für die Ukraine
Dimitri Taube

Selenskij räumt schwere Lage in der Ukraine ein

Nach fast vier Jahren Krieg spitzt sich die Lage in der Ukraine nach Darstellung von Präsident Wolodimir Selenskij immer weiter zu, sowohl an der Front als auch im Hinterland. Erneut sei die Ukraine von Russland beschossen worden. „Allein an ballistischen Raketen waren es 18 Stück“, sagte Selenskij in seiner täglichen Videoansprache am Dienstagabend. Hinzu kämen Kampfdrohnen und Marschflugkörper.

Die Elektriker seien seit Wochen im Einsatz, um das Stromnetz einigermaßen am Laufen zu halten, sagte Selenskij. „Das Wetter stellt zusätzliche Herausforderungen – außerordentliche Herausforderungen“, fügte er mit Blick auf die zweistelligen Minustemperaturen hinzu.
Überall ist es jetzt schwer – an der Front am schwersten
Wolodimir Selenskij
Das Stromnetz der Ukraine ist nach den systematischen und zuletzt noch einmal verschärften russischen Angriffen stark beschädigt. Netzabschaltungen sind an der Tagesordnung. Täglich müssen die Ukrainer stundenlang ohne Strom- und Wärmeversorgung auskommen.

Probleme gebe es aber auch an der Front, räumte Selenskij ein: „Überall ist es jetzt schwer – an der Front am schwersten“, sagte er. Trotz des Frosts greife Russland weiter an. Immerhin hält seinen Angaben nach auch die Verteidigung weiter stand. Die Ukraine ist seit Monaten in der Defensive und musste im Osten und Süden des Landes zuletzt weitere Positionen aufgeben. Größere Verschiebungen der Frontlinie gab es in den vergangenen Wochen zwar nicht, doch Russland konnte immer wieder etwas vorrücken – allerdings in langsamem Tempo und unter hohen personellen Verlusten. 
Dimitri Taube

Ukraine hat vierten Verteidigungsminister seit 2022

In der Ukraine ist mit Mychajlo Fedorow der vierte Verteidigungsminister seit 2022 im Amt. Für die Ernennung des ehemaligen Digitalisierungsministers stimmte eine deutliche Mehrheit von 277 Abgeordneten. Die Kandidatur war gemäß der Verfassung von Präsident Wolodimir Selenskij eingereicht worden. Es war bereits der zweite Versuch, Fedorow einzusetzen. Am Vortag hatten sich im Parlament nicht genügend Abgeordnete gefunden, um eine Abstimmung über seine Kandidatur anzusetzen.

Fedorow hatte seit 2019 mit dem von ihm geleiteten Ministerium die Digitalisierung der staatlichen Verwaltung vorangetrieben und war nach der russischen Großinvasion 2022 auch für den Ausbau der Drohnenproduktion im Land verantwortlich. Der 34-Jährige kündigte an, die Armee mit Innovationen und Reformen zu stärken. „Unser Ziel ist es, das System zu ‌verändern: die Armee zu reformieren, die Infrastruktur an der Front zu verbessern, Lügen und Korruption auszumerzen und Führung und Vertrauen zu einer neuen Kultur zu machen“, ​sagte Fedorow vor ⁠den Abgeordneten.

Nach Korruptionsvorwürfen häufen sich seit vergangenem Sommer die Personalwechsel in der Regierung und in anderen Positionen. Besonders das Verteidigungsministerium gilt als äußerst korruptionsanfällig.

Als Russland im Februar 2022 die Invasion der Ukraine begann, war Oleksij Resnikow ukrainischer Verteidigungsminister. Im September 2023 übernahm Rustem Umjerow. Im Juli 2025 folgte schließlich Denys Schmyhal. Dieser wurde nun zum neuen Energieminister und ersten Vizeregierungschef ernannt. Am Dienstag fehlten Schmyhal im Parlament noch 16 Stimmen für die Bestätigung. Der 50-Jährige gilt als loyal gegenüber Selenskij.
Mychajlo Fedorow
Mychajlo Fedorow. Foto: Hanna Arhirova/AP/dpa
Dimitri Taube

Ukraine verlängert Kriegsrecht und Mobilmachung bis Mai

In der Ukraine sind das geltende Kriegsrecht und die allgemeine Mobilmachung bis Anfang Mai verlängert worden. Für beide Gesetzesvorlagen stimmte jeweils eine deutliche Mehrheit von mehr als 300 Abgeordneten. Die Entwürfe waren von Präsident Wolodimir Selenskij eingereicht worden.

Nach der russischen Großinvasion 2022 wurde das Kriegsrecht verhängt und eine allgemeine Mobilmachung angeordnet. Wehrpflichtige Männer im Alter von 23 bis 60 Jahren können das Land nicht verlassen. Es gelten nur wenige Ausnahmen, beispielsweise für Väter von mindestens drei minderjährigen Kindern.
Dimitri Taube

Berichte über Tote in Russland, wieder Stromabschaltungen in der Ukraine

Bei gegenseitigen Drohnenangriffen zwischen Russland und der Ukraine hat es in der Nacht Tote und Schäden bei der Energieversorgung gegeben. In der südrussischen Stadt Rostow seien vier Menschen bei einem ukrainischen Angriff verletzt worden, schrieb der Gouverneur der Region Rostow, Juri Sljussar, auf Telegram. Es sei zu Feuern in mehreren Wohnungen mehrstöckiger Häuser gekommen, in einer davon wurde demnach ein toter Mann gefunden. Sljussar sprach außerdem von zwei Feuern im Industriegebiet der Stadt. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

In der Region Belgorod wurde nach Angaben von Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow eine Frau im Dorf Sosuli bei einem ukrainischen Drohnenangriff getötet. Demnach wurde ein Auto getroffen, der Fahrer sei verletzt worden. Am späten Abend sei ein Mann bei der Explosion einer Drohne in der Stadt Schebekino ums Leben gekommen.

Russland nahm bei frostigen Temperaturen erneut die ukrainische Energieinfrastruktur ins Visier. Moskaus Streitkräfte attackierten in der Großstadt Krywyj Rih im Südosten der Ukraine laut Militärverwaltungschef Oleksandr Wilkul am Abend und in der Nacht die zivile Infrastruktur. Demnach gab es Notabschaltungen der Stromversorgung für 45 000 Kunden, in mehr als 700 Häusern auch der Fernwärme. Am Morgen habe sich die Lage wieder stabilisiert, schrieb er auf Telegram.

Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij setzte Russland in der Nacht 113 Drohnen und drei ballistische Raketen ein und attackierte die Regionen Dnipropetrowsk, Schytomyr, Saporischschja, Charkiw und Cherson. Das Hauptziel seien die Energieversorgung und kritische Infrastruktur gewesen, Heizung und Strom, schrieb Selenskij in sozialen Medien.
Katja Guttmann
Katja Guttmann

Parlament bremst Selenskijs geplante Regierungsumbildung 

Mitten im Krieg mit Russland ist das ukrainische Parlament an der Ernennung eines neuen Verteidigungsministers gescheitert. In der Obersten Rada fanden sich nicht genug Unterstützer für eine Abstimmung über die Kandidatur Mychajlo Fedorows. Der 34-Jährige hatte zuvor das 2019 geschaffene Digitalisierungsministerium geleitet. Fedorow wäre der vierte Verteidigungsminister seit dem russischen Einmarsch vom Februar 2022 gewesen. Seine Kandidatur war gemäß Verfassung von Präsident Wolodimir Selenskij eingereicht worden. Erwartet wird ein neuer Versuch am Mittwoch.

Ebenso scheiterte vor dem Hintergrund von massiven Ausfällen bei Strom und Heizung die Ernennung von Ex-Verteidigungsminister Denys Schmyhal zum neuen Energieminister. Schmyhal fehlten 16 Stimmen für seine Bestätigung. Schmyhal war zuvor als Verteidigungsminister entlassen worden. Er stand dem Ressort damit nicht einmal sechs Monate vor. Davor war er mehr als fünf Jahre Regierungschef. Der 50-Jährige gilt als loyal gegenüber Selenskij.

Entlassen wurde der Chef des Geheimdienstes SBU Wassyl Maljuk. Faktisch leitete er die Behörde seit dem Sommer 2022. In dieser Zeit führte der SBU teils spektakuläre Angriffe auf russische Militärstützpunkte durch. Mehrere hochrangige Militärs hatten sich gegen die von Selenskij eingeleitete Entlassung ausgesprochen. Auch der Verteidigungsausschuss des Parlaments gab erst im zweiten Anlauf seine Zustimmung.

Nach Korruptionsvorwürfen häufen sich in der Ukraine seit vergangenem Sommer die Personalwechsel in der Regierung und anderen Positionen.
Anna Bolten

Ukraine vergibt Rechte für Lithium-Abbau an Investorengruppe mit US-Verbindungen

Die ukrainische Regierung hat ​die Rechte für den Abbau des Lithium-Vorkommens Dobra an eine Investorengruppe mit Verbindungen in die USA vergeben. Die Entwicklungsrechte für den Standort Dobra in der zentralen Region Kirowohrad gehen an die Dobra ​Lithium Holdings, ⁠teilte Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko am Montag auf Telegram mit.

Im Rahmen der Vereinbarung zur Produktionsteilung wird das Unternehmen eines der größten Lithium-Vorkommen der Ukraine erschließen und die Förderung mit dem ukrainischen Staat ​teilen. Lithium ist ‍ein wichtiges Metall, das unter anderem ‌für Batterien von Elektroautos benötigt wird.
 
Zu den Dobra ​Lithium Holdings gehören die Firmen TechMet und Rock Holdings. TechMet wird nach Angaben der US-Entwicklungsfinanzierungsgesellschaft DFC von der US-Regierung unterstützt und gehört laut einem Bericht der New York Times teilweise einer US-staatlichen Investmentbehörde, die während Donald Trumps erster Amtszeit gegründet wurde. Der New York Times ‍zufolge gehört außerdem der Milliardär Ronald S. Lauder, ein Freund Trumps, ⁠zu den Investoren. Das Projekt soll Investitionen von mindestens 179 Millionen Dollar anziehen. 

Die Ausschreibung für das Lithium-Projekt war im August gestartet worden. Sie gilt als erstes Vorhaben ‍im Rahmen eines gemeinsamen Investitionsfonds mit den USA. Diese ‌umfassendere Vereinbarung wurde von Trump gefördert. Sie sichert den USA einen bevorzugten Zugang zu neuen ukrainischen Rohstoffgeschäften und lenkt die Mittel des Fonds in den Wiederaufbau der Ukraine.
Dimitri Taube

Tote durch russischen Luftangriff auf Charkiw

Durch einen schweren russischen Luftangriff sind nach ukrainischen Angaben mindestens vier Menschen in Charkiw getötet worden. Der Militärgouverneur der Region, Oleh Synjehubow, sprach außerdem von mindestens sechs Verletzten. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe wurden auch Kiew, Odessa und andere Städte in der Nacht mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern angegriffen.

In dem Vorort von Charkiw wurde nach Angaben der regionalen Staatsanwaltschaft ein Logistikzentrum des Postunternehmens Nowa Poschta zerstört. Die Behörde warf der russischen Armee einen sogenannten Doppelschlag vor: Erst sei das Gebäude mit einer Rakete beschossen worden, wenig später hätten Drohnen auf Feuerwehrleute und Rettungskräfte gezielt.

In der Hauptstadt Kiew musste nach dem Angriff erneut an vielen Stellen notfallmäßig der Strom abgeschaltet werden, wie die Stadtverwaltung mitteilte. In den größten Städten der Ukraine müssen derzeit bei strengem Frost Millionen Menschen ohne Strom, Heizung oder Wasser ausharren, weil russische Angriffe die Versorgungsnetze gezielt ausgeschaltet haben.

Ihrerseits griff die ukrainische Armee in der Nacht mehrere Orte in Russland mit Drohnen an. Die Behörden des südrussischen Gebiets Rostow bestätigten einen Treffer auf ein Industrieunternehmen in der Stadt Taganrog. Dabei handelte es sich nach Berichten russischer Telegramkanäle um ein Werk, in dem Flugzeuge repariert und Drohnenteile hergestellt werden.
Anna Bolten

UN-Beobachter: Zahl der zivilen Opfer in der Ukraine 2025 deutlich gestiegen

Das vergangene Jahr war für die Zivilbevölkerung in der Ukraine das mit den meisten Todesopfern seit Beginn des russischen Großangriffes im Februar 2022. Grund seien intensivierte Kämpfe an der Frontlinie ‍und der vermehrte Einsatz von Langstreckenwaffen, teilt die UN-Menschenrechtsbeobachtungsmission in der Ukraine mit. 

Demnach wurden 2025 bei kriegsbedingter Gewalt mindestens 2514 Zivilisten getötet und 12 142 verletzt. Dies sei ein ‌Anstieg der Opferzahlen um 31 Prozent gegenüber 2024. Die überwiegende Mehrheit der von den Beobachtern bestätigten Opfer habe es in von der ukrainischen Regierung kontrollierten Gebieten durch Angriffe der russischen Streitkräfte gegeben. 

Die verstärkten Bemühungen Russlands im Jahr ​2025, Gebiete ⁠zu erobern, hätten zu Tötungen und Verletzungen von Zivilisten, der Zerstörung wichtiger Infrastruktur und ‌neuen Vertreibungswellen geführt. Fast zwei Drittel aller Opfer des vergangenen Jahres seien in Frontgebieten zu beklagen, wobei ältere Menschen besonders betroffen seien, da sie in ihren Dörfern geblieben seien.
Dimitri Taube

Großbritannien entwickelt ballistische Rakete für die Ukraine

Großbritannien will rasch eine ballistische Rakete mit kurzer Reichweite für die Ukraine entwickeln. Das Projekt mit dem Namen Nightfall soll innerhalb eines Jahres nach der Vergabe die ersten Prototypen liefern, teilte das Verteidigungsministerium in London mit. Mit einer Reichweite von mehr als 500 Kilometern und einer Tragkraft von 200 Kilogramm hochexplosiver, konventioneller Sprengköpfe sollen die Raketen dem ukrainischen Militär die Fähigkeit zu schnellen Schlägen auf wichtige militärische Ziele verleihen.

Dem britischen Verteidigungsminister John Healey zufolge ist die Ankündigung auch eine Reaktion auf den russischen Einsatz der ballistischen Mittelstreckenrakete Oreschnik gegen zivile Infrastruktur vergangene Woche. Russlands Präsident Wladimir Putin glaube, ungestraft Angriffe auf zivile Ziele mit hochentwickelten Waffen vornehmen zu können, sagte Healey der Mitteilung zufolge. „Wir werden das nicht hinnehmen. Deshalb sind wir entschlossen, den Ukrainern modernste Waffen an die Hand zu geben, um sich zu verteidigen.“

„Die Nightfall-Raketen sollen von einer Vielzahl unterschiedlicher Fahrzeuge aus gestartet werden können, mehrere Raketen in kurzer Folge abfeuern und sich innerhalb weniger Minuten zurückziehen – so können ukrainische Streitkräfte wichtige militärische Ziele treffen, bevor russische Kräfte reagieren können“, hieß es in der Mitteilung weiter. Dazu sollen Entwicklungsaufträge an drei verschiedene Teams in Höhe von je neun Millionen Pfund (etwa 10,4 Millionen Euro) vergeben werden. Mit einer geplanten Produktionsrate von zehn Systemen pro Monat und einem Höchstpreis von 800 000 Pfund (etwa 920 000 Euro) pro Stück solle Nightfall eine günstige Option mit minimaler Exportkontrolle sein.

Ballistische Raketen sind im Vergleich zu Marschflugkörpern wegen ihrer hohen Geschwindigkeit und steilen Flugbahn nur schwer abzufangen.
Dimitri Taube

35 000 Haushalte im Gebiet Odessa ohne Strom

Nach einem russischen Drohnenangriff ist für 35 000 Haushalte im südukrainischen Gebiet Odessa der Strom ausgefallen. Das teilte der Stromversorger DTEK mit und sprach von einem schweren Schaden. „Die Wiederherstellung der Versorgung braucht Zeit“, hieß es in der Mitteilung. In der Hafenstadt Odessa traf der Angriff ein Objekt der Infrastruktur und ein Wohnhaus, wie Bürgermeister Serhij Lyssak auf Telegram mitteilte. Zwei Menschen seien verletzt worden.

Wegen der schweren Luftangriffe der vergangenen Tage gibt es in der Hauptstadt Kiew, in Dnipro, Odessa und anderen Städten der Ukraine so gut wie keinen Strom. Deshalb fallen auch Heizung und Wasser aus. Zugleich herrscht strenger Frost mit Nachttemperaturen bis minus 18 Grad. Die Lage ist für Millionen Menschen äußerst angespannt.

Die ukrainische Luftwaffe fing in der Nacht nach eigenen Angaben 135 von 156 angreifenden russischen Drohnen ab. Es war damit ein im Vergleich der vergangenen Wochen kleiner Angriff. Trotzdem gab es Einschläge an 18 Stellen.
Dimitri Taube

Russlands Krieg gegen die Ukraine dauert jetzt länger als der Krieg gegen Hitler-Deutschland

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine dauert inzwischen länger als der „Große Vaterländische Krieg“ der Sowjetunion gegen Hitler-Deutschland. Auf diese Statistik verweist neben dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij die oppositionelle russische Website Meduza. Sowjet-Diktator Josef Stalin hatte nach dem deutschen Überfall 1941 den „Großen Vaterländischen Krieg“ ausgerufen. „In der Nacht zum 11. Januar überholte der russisch-ukrainische Krieg den Großen Vaterländischen Krieg in seiner Dauer“, schreibt Meduza.

Die Sowjetarmee habe 1418 Tage gebraucht, errechnete die Website, um nach den ersten Rückschlägen gegen die Wehrmacht bis nach Berlin vorzustoßen und die Kapitulation Deutschlands zusammen mit den Alliierten zu erzwingen. Dagegen stecke die russische Armee nach 1418 Tagen Krieg in der Ukraine „seit Jahren in denselben Dörfern und Städten des Donbass fest“ (die 1418 Tage beziehen sich auf den 11. Januar, Anm.).

Meduza verweist jedoch zugleich darauf, dass der Vergleich der beiden Kriege nicht ganz korrekt sei. Ein direkter Vergleich vieler Indikatoren zeige, dass der aktuelle Krieg nur für die Ukraine einen existenziellen Charakter habe.

Selenskij äußerte sich zu der Statistik in seiner abendlichen Videoansprache am Sonntag und sagte: Trotz der jahrelangen Aggressionskampagne sei es dem Kreml nicht gelungen, seine militärischen Ziele zu erreichen. „Sie haben die Misshandlung von Menschen wiederholt, den Faschismus wiederholt, fast alles wiederholt, was im 20. Jahrhundert das Schlimmste war“, betonte er. „Dennoch versuchen die Russen, denselben Donbass zu erobern wie vor fast vier Jahren, sie wollen erneut lügen, dass sie Kupjansk eingenommen haben.“
Michelle Ostwald

Ukraine: Russischer Luftangriff auf Kiew 

Russland greift ukrainischen Militärangaben zufolge Kiew aus der Luft an. In einem der Stadtteile sei ein Feuer ausgebrochen. Die ukrainische Luftabwehr versuche, den Angriff abzuwehren, teilt der Chef der Kiewer Militärverwaltung, Timur Tkatschenko, auf Telegram mit.
Nadja Lissok
Nadja Lissok

Selenskij: 1100 russische Drohnen vergangene Woche

Russland hat die Ukraine in der vergangenen Woche nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij mit 1100 Drohnen angegriffen. Es seien mehr als 890 gelenkte Luftbomben und ‍über 50 Raketen, darunter ballistische Raketen, Marschflugkörper und Mittelstreckenraketen, gegen die Ukraine eingesetzt worden. Russland habe absichtlich auf den Kälteeinbruch gewartet, um die Lage für ‌die ukrainische Bevölkerung zu verschlimmern, erklärt Selenskij in einem X-Post. Dies sei „ein zynischer russischer Terrorakt, der sich gezielt gegen Zivilisten richtet“.
Dimitri Taube

Ukraine: Totaler Blackout in Region Saporischschja behoben

Der von schweren russischen Drohnenangriffen in der Nacht verursachte vollständige Stromausfall in der südostukrainischen Region Saporischschja ist nach Behördenangaben weitgehend behoben. „Stand 7 Uhr (6 Uhr MEZ; Anm.) ist die Stromversorgung in der Region Saporischschja – und das betrifft 382 500 Familien und Firmen – vollständig wiederhergestellt“, sagte der Direktor des örtlichen Energieversorgers Saporischschjaoblenergo, Andrij Stasewskyj, laut einem Telegram-Eintrag des Unternehmens.

Demnach ist die Stromversorgung in der Region gegen 2 Uhr nachts völlig zusammengebrochen. „In dieser Nacht um 2.11 Uhr kam es in der Region Saporischschja zu einem Stromausfall; die Region war komplett ohne Strom“, heißt es. Die schnellen Reparaturarbeiten hätten die Wiederaufnahme des Betriebs ermöglicht, lobte Stasewskyj seine Mitarbeiter.

Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe hat Russland in der Nacht 154 Kampfdrohnen gestartet. 125 seien abgefangen worden, es habe aber auch mehr als 20 Einschläge gegeben, räumte die Flugabwehr ein.
Thore Rausch

Selenskij: "Wir tauschen uns fast jeden Tag mit der amerikanischen Seite aus" 

Die Ukraine und die USA verhandeln weiter über die Bedingungen für eine Beendigung des Krieges. Präsident Wolodimir Selenskij erklärte am Freitagnachmittag auf Telegram: "Wir tauschen uns fast jeden Tag mit der amerikanischen Seite aus." Der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umjerow habe erneut mit US-Vertretern gesprochen. 

Zentraler Gegenstand der Verhandlungen bleibt der mögliche Einsatz einer internationalen Friedenstruppe unter europäischer Führung, die von den USA unterstützt werden könnte. Russland lehnt eine mögliche Präsenz ausländischer Truppen in der Ukraine kategorisch ab. Selenskij betonte die Bereitschaft zu weiteren Gesprächen. „Der Dialog mit Amerika muss zu hundert Prozent konstruktiv sein“, schrieb er. Die Ukraine sei „nie ein Hindernis für die Diplomatie gewesen – und wird es auch nicht sein“. 
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ExklusivRusslands Angriff auf die Ukraine
:"Heute Nacht geht es los"

Wenige Stunden vor Kriegsausbruch bekommt der Bundeswirtschaftsminister einen Umschlag zugesteckt. Deutschland brauchte diese Warnung noch mal schriftlich. Über ein Land, das viel zu lange nicht wahrhaben will, wie es sich verrechnet hat. 

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