Baupolitik:Bis zu 500 000 Wohnungen für geflüchtete Ukrainer nötig

Lesezeit: 2 min

Erneut weniger Sozialwohnungen in Deutschland

Laut einer Studie des Forschungsinstituts Empirica fehlen in Deutschland ungefähr 500 000 Wohnungen, um die geflüchteten Familien unterzubringen.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentral)

Die Immobilienwirtschaft fordert deshalb den Bau neuer Wohnungen. Bauministerin Geywitz will die Mittel für den sozialen Wohnungsbau deutlich erhöhen.

Von Roland Preuß, Berlin

Bisher sind etwa 160 000 Flüchtende aus der Ukraine in Deutschland registriert worden, doch es dürften noch deutlich mehr werden. Die Menschen müssen irgendwo vorläufig unterkommen - und viele langfristig eine Wohnung finden. Deutschland benötige deshalb schon bald bis zu 500 000 zusätzliche Wohnungen - zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag des Spitzenverbandes der Immobilienwirtschaft ZIA, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

Viele Vertriebene könnten in leer stehenden Wohnungen unterkommen, knapp die Hälfte des Bedarfs müsse jedoch durch Neubauten gedeckt werden, so die Untersuchung, die das Forschungsinstitut Empirica für den ZIA vorgenommen hat. "Wir haben wenig Zeit", erklärt ZIA-Präsident Andreas Mattner. Man brauche jetzt "Erleichterungen in sämtlichen Phasen des Wohnungsbaus".

Die Empirica-Autoren gehen von drei Szenarien aus, welche sie an den Erwartungen der Vereinten Nationen und von Migrationsforschern festmachen: 310 000, 810 000 oder 1,29 Millionen Menschen, die nach Deutschland fliehen. Da im Schnitt mehrere Personen zusammenleben, bedeute dies 120 000, 310 000 oder 500 000 zusätzliche Wohnungen. Etwa eine Million Wohnungen stehen demnach leer, allerdings nicht

in den auch bei vielen Flüchtlingen begehrten Großstädten. Deshalb müssten neue Wohnungen gebaut werden, je nach Szenario zwischen 50 000 und 230 000.

Baupolitik: Flüchtlinge am Berliner Hauptbahnhof. Den UN zufolge könnten aus der Ukraine allein nach Deutschland mehr als eine Million Menschen kommen.

Flüchtlinge am Berliner Hauptbahnhof. Den UN zufolge könnten aus der Ukraine allein nach Deutschland mehr als eine Million Menschen kommen.

(Foto: Hannibal Hanschke/Reuters)

Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) sagte der Süddeutschen Zeitung, ihr Haus versuche derzeit ein Lagebild zu bekommen, welcher Wohnungsbedarf auf die Kommunen zukomme. "Das ist aktuell sehr schwierig, da viele Unterbringungen privat erfolgen und unklar ist, wo die Flüchtenden auf absehbare Zeit bleiben werden." Man tausche sich hier mit den kommunalen Spitzenverbänden aus.

"Klar ist aber schon heute, dass Frauen, Kinder und alte Menschen bald Wohnungen brauchen werden, die nicht zum Normalpreis auf dem Wohnungsmarkt zu haben sind. Dafür erhöhen wir die Mittel für den sozialen Wohnungsbau jetzt deutlich", sagt die Bauministerin. Geywitz' Haushaltsmittel sollten ohnehin aufgestockt werden, bisher kann die Bauministerin mit einer Milliarde Euro im Haushalt 2022 für neue Sozialwohnungen rechnen, hinzu kommt eine weitere Milliarde, um die Wohnungen klimafreundlich zu errichten oder zu sanieren. Das Ziel sind 100 000 zusätzliche Sozialwohnungen im Jahr.

Was es angesichts der neuen Flüchtlinge darüber hinaus brauche, werde sie mit Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) diskutieren, wenn valide Zahlen auf dem Tisch lägen, sagt Geywitz. "Ein Mehrbedarf lässt sich schon heute absehen."

So können Sie spenden

Der "Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung" bietet Menschen, die in Not sind, Unterstützung - in diesen Tagen gerade denjenigen, die vor dem Krieg aus der Ukraine fliehen. Wer helfen möchte, kann gezielt an den SZ-Adventskalender spenden:

"Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung e.V."

Stadtsparkasse München

IBAN: DE86 7015 0000 0000 6007 00

BIC: SSKMDEMMXXX

Verwendungszweck: Ukraine

Sie können hier auch online spenden. Jede Spende wird ohne Abzug dem guten Zweck zugeführt, alle Sach- und Verwaltungskosten trägt der Süddeutsche Verlag. Ein Überblick, welche Möglichkeiten sonst bestehen, Kriegsopfern Hilfe zukommen zu lassen, findet sich unter: www.sz.de/ukrainehilfe

Zur SZ-Startseite

SZ PlusUkrainische Flüchtlinge
:Deutschland als Leuchtturm

Was tun, angesichts der Gräueltaten und Kriegsverbrechen? Auch mit Soft Power, mit gewaltfreier Überzeugung, kann man etwas erreichen - und Deutschland tut es jetzt schon.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB