Unidentified Aerial Phenomena:Neuer Stoff für Verschwörungstheoretiker

Lesezeit: 4 min

Unidentified Aerial Phenomena: Scott Bray versucht in seinem Video das UAP zu finden.

Scott Bray versucht in seinem Video das UAP zu finden.

(Foto: Alex Brandon/AP)

Im US-Repräsentantenhaus wird über Außerirdische als Erklärung für unerklärliche Sichtungen im US-Luftraum diskutiert. Wenn das mal nicht in die falsche Richtung führt.

Von Nicolas Freund

Sie sind schon wieder da. Diesmal ganz offiziell: Ufos, die jetzt UAPs heißen, Unidentified Aerial Phenomena, also etwa: Unbekannte Atmosphären-Phänomene anstatt Unbekannter Flugobjekte. Am Dienstagmorgen waren die UAP Thema einer Anhörung im US-Repräsentatenhaus. Zuletzt hatte es das vor mehr als 50 Jahren gegeben, als das Pentagon schon einmal eine Forschungsgruppe namens Project Bluebook unterhielt, die den Fliegenden Untertassen auf den Grund gehen sollte, die Piloten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs überall auf der Welt, vor allem aber in den USA sichteten. Die Untersuchungen wurden damals eingestellt, da die meisten gemeldeten Fälle auf natürliche Phänomene oder bekannte Flugobjekte zurückzuführen waren.

Vergangenes Jahr gab es dann, besonders in amerikanischen Medien, einen kurzen Sommer des Ufo-Wahnsinns. 2017 waren einige Videos geleakt worden, die von Piloten der US-Navy aufgenommen worden waren und weiße, ovale Objekte bei eigenartigen Manövern zeigten. Die New York Times berichtete damals, und vergangenes Jahr legte The New Yorker mit einer riesigen Recherche nach. Die amerikanischen Geheimdienste konnten gar nicht mehr anders als zuzugeben: Ja, da ist etwas. Es gibt glaubwürdige Augenzeugen, es gibt Videos, es gibt Radardaten. Was es ist, wissen wir aber nicht. Zumindest offiziell nicht. Es folgte ein mit Spannung erwarteter Report, in dem dann doch nur stand, viele der Berichte seien natürlich erklärbar, manche aber auch nicht. Man werde der Sache nachgehen.

Die Anhörung am Dienstag sollte nun die Mitglieder des Repräsentantenhauses, aber auch die Öffentlichkeit über den Stand der Dinge informieren. Denn ein Teil der Ufo-Verschwörungsfolklore um den ganzen Komplex Ufos ist die Annahme, dass die amerikanische Regierung die Wahrheit über das Phänomen geheim hält, warum auch immer.

Beim Pentagon zuständig für UAPs sind derzeit Scott Bray, stellvertretender Direktor des Marine-Geheimdienstes, und Ronald Moultrie, im Verteidigungsministerium der Mann für solche Dinge wie Spionageabwehr. Kurz: keine Ufo-Spinner. Die beiden erklären, was bisher geschehen ist und weiter geschehen soll, um den UAPs auf den Grund zu gehen. Das sei vor allem das systematischere Sammeln und Abgleichen von Daten, aber auch eine Entstigmatisierung des Themas. Viele Piloten und andere Menschen, die UAPs beobachtet hatten, seien damit in der Vergangenheit nicht an die Öffentlichkeit gegangen und hätten sich nicht bei offiziellen Stellen gemeldet, aus Angst, als verrückt abgetan zu werden. Diese Vorurteile müssten abgebaut werden, und es gebe nun Richtlinien für das Militär zum Bericht von UAP-Sichtungen.

Der weitere Verlauf der Anhörung trug nicht unbedingt dazu bei, das Thema seriöser wirken zu lassen. Die beiden zeigten ein kurzes Video, gefilmt aus dem Cockpit eines Flugzeugs, auf dem bei einem Kameraschwenk für Sekundenbruchteile ein rundes Ding am Himmel zu erkennen ist. Bray hat einige Schwierigkeiten, beim Scrollen im Media Player auf Nachfrage den richtigen Frame zu finden, nur um dann einen verschwommenen Fleck zu präsentieren. Das Video war gegen die Leaks von 2017 geradezu lächerlich.

Unidentified Aerial Phenomena: Was das ist, wüsste man auch beim amerikanischen Verteidigungsministerium gerne.

Was das ist, wüsste man auch beim amerikanischen Verteidigungsministerium gerne.

(Foto: Alex Brandon/dpa)

Bei anderen Aufnahmen, zum Beispiel Infrarotvideos von fliegenden Dreiecken, lieferten sie eine ganz weltliche Erklärung: Zu sehen seien normale Drohnen, die Dreieckform entstehe, wenn durch ein Nachtsichtgerät gefilmt werde. Eine These, die auch schon Hobby-Ufologen aufgestellt hatten und die nicht unplausibel ist. Vom amerikanischen Verteidigungsministerium hatte man dann aber doch Infos erwartet, die nicht bei Youtube zu finden sind.

Unidentified Aerial Phenomena: Das Video mit den leuchtenden Dreiecken, die wahrscheinlich normale Drohnen sind.

Das Video mit den leuchtenden Dreiecken, die wahrscheinlich normale Drohnen sind.

(Foto: Alex Brandon/AP)

So waren einige Fragen an die beiden auch sehr grundsätzlich. Ob optische Effekte ausgeschlossen werden können? Oder ob man versucht habe, manche der Aufnahmen zu reproduzieren? Die leuchtenden Dreiecke zum Beispiel. Man selbst habe das nicht getan, aber andere, antworteten die beiden. Alle Anwesenden waren sich einig, dass es sich bei dem Phänomen um ein großes Rätsel und möglicherweise eine Bedrohung handelt. So berichteten Bray und Moultrie auch von mehreren Beinahe-Zusammenstößen von Flugzeugen mit UAPs.

Bei vielen Fragen verwiesen sie auf ihre Geheimhaltungspflicht als Regierungsmitarbeiter: Man könne hier nicht alles verraten, was man über UAPs weiß, um Gegnern der USA nicht zu viele Informationen über eigene Sensorsysteme und andere Aufklärungsausrüstung zu liefern. Was aber auch heißt: Man weiß mehr, als man sagt. Da ging es zum Beispiel auch um UAPs, die beim Eintauchen ins Meer gesichtet wurden. Im Anschluss an diese öffentliche Anhörung gab es noch eine geschlossene Sitzung, in der diese Fragen beantwortet werden sollten. Das ist verständlich, in der aktuellen politischen Lage aber bedenklich.

Nicht, weil die USA irgendwo kleine grüne Männchen versteckt haben und sie geheim halten wollen, sondern weil es in den Vereinigten Staaten ein immenses Misstrauen gegenüber den Institutionen gibt, das durch solche Geheimniskrämereien bestätigt wird. Das liefert den Anhängern von Verschwörungsmythen neuen Stoff.

Umso schräger, dass die Runde dann selbst mehrmals den Schwenk in Richtung Science-Fiction hinlegte. Klar, das Alien-Thema ist der Elefant im Raum und der Bericht vom letzten Jahr hatte die Worte Ufo oder Außerirdische noch krampfhaft vermieden. Jetzt ging es aber gleich zu Beginn um die Science-Fiction-Leidenschaft Ronald Moultries und mancher Abgeordnete schwadronierte über mögliches Leben im All. Das führte dann doch etwas weit weg von den Fakten, die auf dem Tisch lagen.

Denn Bray und Moultrie lieferten keine Beweise, dass es sich bei UAPs, die es zweifellos gibt, um Maschinen oder intelligent gesteuerte Objekte handelt. Das sind nach wie vor reine Vermutungen. Man sei offen für das Thema, aber Moultrie betonte auch: Für die Suche nach außerirdischem Leben sei man eigentlich nicht zuständig. Dafür gebe es in der amerikanischen Regierung die Nasa.

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